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13. März 2018 | Der letzte Konstanzer Nightclub links des Rheins

Im „Babalou“ tanzen immer noch die Schönen der Nacht

Konstanz (gro) Im „Royal“ an der Marktstätte um 2 Uhr früh ein Gulasch mit Spätzle, hernach schnell ins Café Bosch und dann womöglich bis zum Frühstück zum Said… Das waren noch Zeiten! Ganz abgesehen davon, dass auf Donald Heppelers „Tanzschiff“ im Hafen dreimal in der Woche bis zum Morgengrauen die „Movida“ zu Gange war, die glitzernde Szene, die bis von Winterthur und Zürich her ins sündige Konstanz vorrückte, um sich am Ende vor den ersten Zugabfahrten noch schnell beim Schnitzelpeter am Bahnhofplatz für den anbrechenden Tag zu stärken. Längst vorbei, Geschichte seit bald 20 Jahren. Doch halt, es ist was übrig geblieben aus bewegten Konstanzer (Nacht-)Zeiten: die Bar „Babalou“, der letzte und damit einzige Konstanzer Nightclub links des Rheins. Dort, in der Kreuzlinger Strasse 15, tanzen und strippen sie bis heute, die Schönen der Nacht: Selena, Nicole, Lisa, Ivy, Brigitta, Natalia oder wie sie alle gerade heissen, durchweg sehr ansehnliche junge Frauen, und das (ausser von Sonntag auf Montag) jede Nacht von 21 bis 5 Uhr morgens.

Treue Stammkundschaft und neugierige Nachtschwärmer

Im „Babalou“ wird Table Dance geboten, „Tanz auf dem Tisch“, handfeste Erotik, bei der Sehnsucht und Begehren erlaubt und erwünscht sind, Berührung aber verboten ist. Trotz des Internets, mit seinen Zigtausenden von Free-Sex-Seiten, hat das „Babalou“ eine Stammkundschaft und immer wieder neugierige Nachtschwärmer. „Es geht nichts über eine natürliche, echt charmante junge Frau, da kommt das beste Internet überhaupt nicht mit“, sagt Rainer, der das „Babalou“ betreibt. Er ist überzeugt davon, dass es die „Frische und Liebenswürdigkeit“ der Tänzerinnen ist“, die den Erfolg des Nightclubs ausmachen.

Überraschend moderate Preise

Zum Umsatz beitragen dürfte auch die Tatsache, dass es längst kein Lokal mehr in der Konstanzer Innenstadt gibt, wo man nach Beginn der allgemeinen Sperrzeit noch einkehren kann. Und das „Babalou“ hat eben (siehe oben) bis 5 Uhr geöffnet. Hinzu kommt eine allgemein als fair empfundene Preispolitik. Rainer, der auch die famose Tanzgruppe entlohnen muss, legt eine Karte vor, laut der etliche Getränke und Drinks unter 10 Euro zu haben sind. Ein Kaffee kostet ebenso 5 Euro wie ein Mineralwasser, und Longdrinks sind kaum teurer als in vielen anderen Lokalen. Gefährlich wird es, wenn es um Schaumweine aus Frankreich geht. Bei besonders edlen Tropfen wie einigen Dom Perignons kann die Rechnung dann schon mal vierstellig ausfallen. Wobei nicht vergessen werden sollte, dass die tanzenden, turnenden und strippenden jungen Frauen am Umsatz beteiligt werden.

Freier Eintritt in eine ehemalige Kirche

Ein besonderer Reiz, das „Babalou“ zu besuchen, dürfte für historisch interessierte Zeitgenossinnen und -genossen eventuell darin liegen, dass der letzte (linksrheinische) Konstanzer Nightclub in einer ehemaligen Kirche, der kleinen Kirche, die dem heiligen Jodok geweiht worden war, beheimatet ist. Näheres übers Internet.

www.barbabalou.de

Das nordöstlich angegliederte, ehemalige Siechenhaus der Kirche, ist dank einer aufwendigen Sanierung ins bestehende Etablissement eingegliedert worden. Unvoreingenommene Beobachter wünschen Rainer eine Erweiterung seines Betriebes zu einem möglichst grosszügigen Nachtclub, der nicht zuletzt von den Schweizer Nachbarn gerne angenommen würde, auch deswegen, weil dort – im Gegensatz zu den meisten eidgenössischen Nachbaretablissements – auf einen Eintrittspreis in den Club seit jeher verzichtet wird.

Bilder: Frieder-schindele.eu



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2 Kommentare

  1. 1. Bruno Neidhart

    Es gab auch mal eine Corso-Bar unweit St. Jodok (nicht Jakobus!) - gelegen an der Emmishofer Straße kurz vor der Schweizer Grenze. An ziemlich auf nulltextilreduzierte Stangenartistinnen im Rotlichttrüben mag ich mich nicht erinnern. Auf der kleinen Frontalbühne im Corso reichte damals eine lustig-harmlose Frivolität in Form einer locker-flockigen, turnähnlichen Darbietung. Und daraufhin kam vielleicht ein Illusionist oder sonst ein gerade durchziehender Kleinkünstler an die Reihe, musikalisch geführt von einem Kleini-Ensemble, das auch zum intimen Tanz aufspielte. Wie dem auch sei: Es ging eigentlich familiär zu. An Weihnachten dann regelmässig die kleine Anzeigennotiz im Südkurier: “Zur Freude aller, Weihnachten bei Faller”. Gemeint waren die damaligen Betreiber (Die interessante Frau F. lernte ich später noch persönlich kennen). Und im Turnverein nannten wir einen muskulären ländlichen Kollegen vom Ottenberg nur “Goldrand”, dens er sich mal im Corso einhandelte. Kaum im Lokal, legte er einen veritablen Turnvater-Jahn-Handstand auf den Tisch. Man klatschte. Und als er nach dem ersten Schluck Champus das zarte Kristallglas abstellte, fehlte vom oberen Goldrand ein grossformatiges, halbmondförmiges Stück. Fakire traten im Corno allerdings eher auf der Bühne auf! Unser Meisterschlucker überlebte. Für die Gilde der heutigen Konstanzer/Schweizer Nachtclub-”Nacktschwärmer” muss man ganz anders in die Vollen, um attraktiv zu bleiben. Ob das dann in einer ehemaligen Kirche zu geschehen hat, ist halt Geschmackssache. Ebenso, ob das sogar “einen besonderen Reiz” zu vermitteln vermag……

  2. 2. Kamor

    noch ein Nachtrag:
    nach dem Ende der Stripperbar und bevor ein Wettschuppen im Corso einzog, gab es eine bizarre Zwischenzeit in der die Betreiber eine Rockkneipe zu etablieren versuchten, aber wohl wegen der Lizenz zur Öffnung bis 5:00 den Charakter einer Bar aufrecht erhalten mussten.
    Die Folge war dass 1-2 mal im Laufe der Nacht einige Damen vom Babalou über die Strasse kamen und von Live- Rock begleitet ihre Stangenakrobatik darboten.

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