Klein Paris wird demnächst abgerissen
Konstanz (gro) „Klein Paris“ wird abgerissen, aus dem weitum bekannten Bordell soll eine Spielhalle werden, eventuell ergänzt durch Wohnungen. Damit verschwindet das traditionsreichste Konstanzer Etablissement für käufliche Liebesdienste von der Bildfläche. Das 1200 Quadratmeter grosse Anwesen im Nordwesten der Stadt an der Ausfallstrasse Richtung Reichenau und Radolfzell wechselte zuletzt für 680.000 Euro die Eigentümer. Über 40 Jahre lang war das „Klein Paris“ für liebessehnsüchtige Konstanzer und nicht zuletzt für ebenso emotionsträchtige Thurgauer Männer ein beliebtes Lokal mit erotischer Anschlussmöglichkeit.
Der allerletzte Pächter öffnet
Das Taxi, das am Sonntagnachmittag gegen 17 Uhr vorfährt, hält nur kurz auf dem Parkplatz vor dem Doppelhaus Nummer 216/218. Der Fahrgast aus der Schweiz lässt sich von dem grossen Schild „GESCHLOSSEN“ überzeugen, steigt gar nicht erst aus, sondern lässt sich nach einem kurzen Stopp weiter fahren. Trotz des abweisenden Schildes – ganz verlassen ist das „Klein Paris“ noch nicht. Nach geduldigem Klopfen öffnet der allerletzte Pächter des ruhmreichen Etablissements.
Diskretion bleibt das unverzichtbare Geschäftsprinzip
Diskretion, das wird schnell klar gemacht, war, ist und bleibt ein unverzichtbares Geschäftsprinzip der Rotlicht-Branche. „Lassen Sie meinen Namen aus dem Spiel, ich habe einen 19-jährigen Sohn, der würde sich schwer damit tun“, sagt der letzte Pächter des ehemaligen Bordells, das inzwischen regelrecht ausgebeint worden ist. Theke und Gerätschaften sind entfernt, doch es reicht für einen guten, starken Espresso. Der Gastgeber, nennen wir ihn diskret Dietmar Kausmann (wirklicher Name der Redaktion bekannt), bleibt bei seinem Ramazzotti „mit Eis und viel Zitronensaft“.
Damals waren es nur 400.000 Euro
Pächter des „Klein Paris“ wurde der gelernte Kaufmann Kausmann vor gut einem Jahr. Er hatte einen Investor an Land gezogen, einen Markdorfer, der das nötige Kleingeld hatte, um das Anwesen zu ersteigern, das wegen der anhaltenden Zahlungsunfähigkeit des vorherigen Eigentümers auf Betreiben der Gläubigerbank und dank gerichtlicher Anordnung auf den Markt gekommen war. Der Preis damals: Rund 400.000 Euro
Die neuen Eigentümer kommen aus Radolfzell
Kausmann hatte sich mit dem Markdorfer Neueigentümer darauf verständigt, das Etablissement zu renovieren und neu auszurichten. Aus dem etwas schäbig gewordenen Haus solllte ein exquisiter Club mit einem aus der Sex-Szene herausragenden Angebot werden. Doch Kausmanns Partner sprang ab, als dieser für seine frisch erworbene Immobilie, wie man hört, 680.000 Euro geboten bekam. Für diesen Preis ist das „Klein Paris“ nun samt Umschwung an eine Familie aus einer Radolfzeller Landgemeinde verkauft worden, die nun, wie man weiter hört, an der Reichenauerstrasse in Konstanz eine hochmoderne Spielhalle errichten will. Foto: Frieder Schindele | TMW






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