Menschlichkeit ist das beste Argument
Konstanz (gro) Mit schwerem Gerät und tapferen Männern gegen Neonazis, Drogensüchtige und Schwule – so versucht Russlands Diktator Wladimir Putin seinen Überfall auf die Ukraine zu verkaufen: als „Spezialoperation“ zur Rettung des slawischen Grenzlands, das partout von Russland abrücken und sich eng mit dem verderblichen Westeuropa zusammentun möchte. Gegen solche Lügen und gegen die gewissenlose Brutalität, mit der Putin vorgeht, ist Menschlichkeit das beste Gegenargument – Menschlichkeit, wie sie auch die Konstanzer zeigen, im Stillen wie beim hilfreichen Zupacken.
Überwältigende Mehrheit will den Wandel
Für den Kremlherrn ist die innenpolitische Entwicklung der Ukraine während der jüngst vergangenen Jahrzehnte deswegen besonders unangenehm, weil es nicht einzelne Machtinhaber sind, die den politischen Wechsel seit Jahrzehnten wünschen, sondern weil es die überwältigende Mehrheit des ukrainischen Volkes ist, die den Wandel fordert. Um diese schlichte Wahrheit zu verdrehen, ist Putin jedes Mittel recht, auch das Gefasel (siehe oben) von Neonazis und Schwulen. Ausserdem, so setzt Putin einen weiteren Unsinn drauf, gelte es, einen Genozid abzuwenden, den die Ukrainer an ihren russisch-stämmigen Landsleuten im Osten, im Donbass und im Bezirk Luhansk im Schilde führten.
Kriegsverbrechen schwerster Art
Tatsächlich sind es Putin und seine engsten Gefolgsleute, denen heute schon Kriegsverbrechen schwerster Art vorgeworfen werden müssen, seit die russische Armee am 24. Februar in die Ukraine eingerückt ist. Der moralische Schaden, der dem russischen Staat in den vergangenen dreieinhalb Wochen dadurch angerichtet worden ist, dürfte sogar wesentlich schwerer wiegen als der existenzbedrohende, finanzielle und wirtschaftliche Schaden durch Sanktionen und durch den Rückzug zahlreicher Unternehmen aus aller Welt.
Hilfe ist bitter nötig
Der Konstanzer Gemeinderat befasst sich heute in seiner Sitzung ab 16 Uhr im Bodenseeforum mit dem Thema Ukraine, und zwar gleich zum Beginn der Konferenz. Im Mittelpunkt steht ein Bericht von Sozialbürgermeister Andreas Ochsner. Unter seiner Leitung arbeitet der „Krisenstab Ukraine“, der dabei hilft, die zahlreichen, bitter nötigen Hilfsangebote für die Flüchtlinge aus der Ukraine zu koordinieren.
Wer helfen kann, sei es durch einen Schlafplatz, mit einer Wohnung oder mit Kleidung, durch Sprachvermittlung, in Sachen Corona oder psycholgischer Beratung, mit Spenden oder mit einem Platz für Haustiere – Hilfe ist hochwillkommen.
Kontakt über www.konstanz.de/ukraine oder über Telefon KN 900 30 30.
Ukrainerin: „Kann nur hoffen, dass ich mich irre“
Der Gemeinderat soll, so sieht es die Tagesordnung der heutigen Gemeinderatssitzung vor, eine Resolution verabschieden zum Thema Krieg und Not in der Ukraine. Eine Ukrainerin, die seit über 10 Jahren in Konstanz lebt, sagte dazu gestern: „Ein Mann wie Putin, dem der Ruf seines eigenen Heimatlands so egal ist, dass er es vor der ganzen Welt tödlich blamiert, dem ist jedes andere Land mindestens ebenso egal. Ich kann nur hoffen, dass ich mich irre.“





