Konstanz (gro) Der Mann war Kneipenwirt und Hochschulprofessor und gehört zu den einflussreichsten Künstlern Europas: Daniel Spoerri, der Mann, der mit seinen Assemblagen den Zufall in Bann schlägt, der Kochbücher veröffentlichte, der die “Eat Art” erfand und sich unter anderem mit der Mythologie von Heilritualen an bretonischen Quellen befasste. Am vergangenen Wochenende war er in Konstanz, und wer ihn am Fischmarkt verpasst hat, kann nun dort bis zum 19. Januar immerhin eine Werkschau studieren, die in der Galerie Geiger beispielhafte Arbeiten Spoerris aus drei Jahrzehnten vereinigt. Daniel Spoerri, der als Daniel Isaak Feinstein vor über 74 Jahren in Galati (Rumänien) geboren wurde und auf der Flucht vor den Nazis in der Schweiz bei seinem Onkel Zuflucht fand, beginnt seine künstlerische Laufbahn als Ballett-Tänzer an der Berner Oper, wird Filmregisseur, zieht nach Paris, trifft Jean Tinguely und Yves Klein - und baut seine ersten Assemblagen: in den Raum wachsende Collagen aus allerlei Fundstücken. Mit Künstlerkollegen gründete er vor 44 Jahren in Paris die “Neuen Realisten”. Ein Höhepunkt der künstlerischen Laufbahn wird seine Ausstellung mit 120 Werken im Centre Pompidou (die anschließend als Wanderausstellung auf Weltreise geht). Das war vor 14 Jahren, und Spoerri hatte da schon seine Zeit als Hochschullehrer in Köln und als Professor in München hinter sich. Spoerri initiierte das “Musée Sentimental” im Rheinland und schuf in der Toscana den vom italienischen Kultusministerium zur Stiftung erhobenen “Giardino di Daniel Spoerri”, in dem sich 79 Installationen von 40 Künstlern erwandern lassen. Allein in diesem Jahr hatte Spoerri über 30 Ausstellungen in Europa, unter anderem in London und Wien, in Paris und Bari, in Belgien, Graubünden und Frankfurt. Spoerris Arbeiten gehören zu den Sammlungen der wichtigsten Museen dieser Welt, etwa in London, New York, Rom, Berlin und Tokio. Und nun das Phänomen Daniel Spoerri also auch in Konstanz. Und das bereits zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren. Des Rätsels Lösung: Spoerri wurde gewissermaßen zum Objekt von Stephan Geiger, der die Galerie am Fischmarkt zusammen mit seinem Vater Roland Geiger betreibt; Stephan Geiger promoviert über das Phänomen Spoerri und sein künstlerisches Schaffen. Im Übrigen, so gestand der Künstler, komme er auch immer wieder sehr gerne in den “Elefanten” nach Konstanz …
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