Konstanz (gro) Wilfried Seipel soll der Konstanzer Kultur zu mehr Struktur verhelfen: Der Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums Wien soll einer Kommission vorsitzen, die die Konstanzer Kultureinrichtungen unter die Lupe nimmt und neu ordnet. Anlass dafür ist das Ausscheiden des Kulturdezernenten. Bürgermeister Horst Maas geht Ende Mai nach acht Jahren erfolgreicher Arbeit in Pension. Ein neuer Kulturdezernent wird im März gewählt. Seipel war von 1983 bis 1985 Direktor Städtischen Museen Konstanz. In seine Amtszeit fiel die bisher bestbesuchte Konstanzer Ausstellung. Über 50.000 Besucher kamen ins Konzil, um bis zu 5000 Jahre alte Zeugen der altägyptischen Kultur anzuschauen. Insgesamt verbrachte Seipel gut fünf Jahre in Konstanz. Vor seiner Amtzeit als Museumsdirektor lehrte der Ägyptologe und Historiker, der an der Freien Universität Berlin und in Österreich studierte, an der Uni Konstanz. Später wurde er Direktor des Oberösterreichischen Landesmuseums in Linz, seit 1990 ist Seipel Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums Wien. Die besondere Mischung Seipel kennt bedeutende kommunale Kulturbetriebe in und auswendig - und er kennt Konstanz. Die Liste seiner Veröffentlichungen ist respektgebietend. In einem seiner letzten Werke (”Nobiles Officinae” zur gleichnamigen Ausstellung vergangenes Jahr in der Wiener Hofburg) beschäftigt sich Seipel mit den Hofwerkstätten zu Palermo zur Zeit der Staufer im 12. und 13. Jahrhundert. Diese ganz besondere Mischung an Kenntnissen und Erfahrungen machen ihn zu einem Guru für die Kultur-engagierten Konstanzer Struktursuchenden. In Konstanz gibt es seit Jahrzehnten Probleme mit dem hierarchischen Aufbau des städtischen Kulturbetriebs. Philharmonie, Stadttheater und Museen leben gleichberechtigt neben einander. Das Kulturamt, dem die städtische Schulverwaltung angegliedert, hat eingeschränkte Kompetenzen. Hinzu kommen die Musikschule und das Kulturzentrum am Münster. Mehr oder weniger stark befasst ist die städtische Kulturarbeit mit kulturtreibenden Vereinen und Institutionen, mit dem alternative Kulturzentrum K 9, dem kommunale Zebra-Kino und dem Kulturladen. Erfahrung mit Erfolg und Kritik Seipel ist nicht nur ein erfahrener Kultur-Macher, er hat auch viel Übung mit Kritik, vor allem wegen seiner Finanzpolitik. Der selbstbewusste Historiker, Ausstellungsmacher und Buchautor ist stets bestrebt, der kulturellen Arbeit nicht nur theoretisch viel Gewicht zu verleihen, sondern dafür auch möglichst viel Geld locker zu machen.
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