Konstanz (gro) Die Galerie Geiger präsentiert seit Beginn der Woche mit Günther C. Kirchberger jenen Maler, der wie kaum ein anderer Künstler dafür gesorgt hat, dass Deutschland nach dem Krieg den internationalen künstlerischen Anschluss wiederfand. Als seine Stuttgarter Gruppe-11-Freunde Mitte der Fünfziger am Neckar immer noch als besonders wilde Avangardisten belächelt wurden, wurde er in London als hochinteressante Neuentdeckung gefeiert. Längst gehört Kirchberger zu den international gefeierten modernen Klassikern. Dass repräsentative Arbeiten des Künstlers bereits zum zweiten Mal in Konstanz zu sehen sind - dieser Glücksfall geht auf eine alte Freundschaft zurück. Vor Jahrzehnten lernte sich Roland Geiger und Kirchberger berufshalber kennen: der Künstler Kirchberger, der eine große Vorliebe für die Drucktechnik entwickelt hatte und der Drucktechniker Geiger, der sich in die Kunst verliebt hatte. Aus der Begegnung wurde eine Freundschaft fürs Leben. Und davon profitiert heute das kunstinteressierte Konstanz. Längst lächelt niemand mehr über den einstigen Maler-Rebell. Im Gegenteil, Günther C. Kirchbergers Bilder wirken auch auf den unbefangenen Betrachter häufig merkwürdig vertraut, so unterschiedlich ihre Charaktere auch sind. Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen stand und steht Kirchberger Zeit seines Künstlerlebens in einem neugierigen Dialog mit den tonangebenden Malern dieser Welt, zum zweiten strahlen schon die frühen Bilder Kirchbergers eine überzeugende Souveränität aus; etliche frühe Arbeiten des Stuttgarters erinnern an Picasso und umgekehrt lassen etwa manche Bilder Cy Twomblys spontan an den Kirchberger der neunziger Jahre denken. Stephan Geiger, der Sohn des Galeristen Roland Geiger, der in Bonn über Moderne Kunst promoviert, hat sich dem Schaffen und Leben Kirchbergers intensiv gewidmet. Im Katalog zur laufenden Ausstellung, die vor allem das Schaffen des Künstlers bis 1960 beleuchtet, hat Stefan Geiger darüber nicht nur kundig, sondern auch sehr lesbar geschrieben, was man dazu wissen sollte. Kirchberger, der zur Ausstellungseröffnung nach Konstanz kam, gestand, dass er nach wie vor vor allem nachts seine Einfälle habe. “Darum muss ich so eingerichtet sein, dass ich direkt aus dem Bett zur Leinwand finde.” Das kann er in seinem Haus in Bad Boll, wohin er sich vor über acht Jahren aus der Stuttgarter Stadtmitte zurückzog. Zuvor war er über 30 Jahre zwischen Krefeld, wo er an der Akademie lehrte, und dem Neckar hin und her gependelt. Am Rande der Vernissage am vergangenen Samstag kam es zu einer Begegnung mit einem Wahlkonstanzer aus der Gegend von Kornwestheim, mit Michael Eberle, der in Kirchberger einst seinen großen Mentor in Sachen Kunst hatte. Ihm erzählte der Künstler, dass er fast am Bodensee gelandet wäre. Doch das Grundstück, das “damals noch bezahlbar gewesen wäre” war etwas zu klein für den Mann, dessen Bilder immer zuerst im Kopf entstehen und manchmal mitten in der Nacht ihre Geburt erleben. - Die Ausstellung in der Galerie Geiger am Fischmarkt dauert bis Anfang März.
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