Züchter und Halter des Deutschen Schäferhundes (DSH) wehren sich gegen den Niedergang ihrer Lieblingsrasse. Der wolfsähnliche Hütehund verkommt zum schrägen Designobjekt mit Skeletterkrankungen. Tierschutz interessiert Verbandsfunktionäre und kommerzielle Züchter nicht. Als sog. Schutzhund wird der DSH auf Aggressivität gedrillt. Jetzt proben Züchter und Halter den Aufstand dagegen. Um Tierschutz und Zucht zu verbinden, haben sie einen eigenen Schäferhundverband gegründet, den DSaS04. Einst war er der typisch deutsche Hund und ein Exportschlager sondergleichen. Heute hat der Deutsche Schäferhund (DSH) an Popularität verloren. Wie der Name sagt, wurde die Rasse vor über hundert Jahren durch die Kreuzung verschiedener Hütehundrassen von Max von Stephanitz als sog. Gebrauchshund geschaffen. Im Laufe der Jahre entwickelte er sich zum vielseitigen Universalhund, sei es als Such- und Rettungshund für Verschüttete, als Rauschgift- oder Sprengstoffahnder, als Blindenführhund und als Helfer bei unzähligen anderen Aufgaben. Wegen seiner Intelligenz und seines Multitalents ist er heute weltweit verbreitet.
Ausgerechnet im eigenen Mutterland kommt der DSH unter die Räder. Aus dem Gebrauchshund machten etliche Züchter ein modisches Designobjekt. Aus dem Deutschen Schäferhund wurde der Deutsche Schräghund. Äußerlich am auffälligsten ist nämlich die widernatürlich abfallende Rückenlinie, die nicht wenige seiner Art aufweisen und die auf Ausstellungen und Bildern auch noch unterstrichen wird, indem die Tiere in einer völlig unnatürlichen Haltung mit eingeknickten (Karnickel-)Hinterläufen präsentiert werden. Für einen wolfsähnlichen Hund ein grottenhäßliches Bild, aber es gibt Züchter und Halter, die die Entwicklung irreführend als “Schönheitszucht” bezeichnen. Dabei nehmen sie erhebliche und für das Tier sehr schmerzhafte Skelettschäden in Kauf. In Verruf gekommen ist der ehemalige von Haus aus recht friedliche Hütehund aber auch durch die ausgerechnet vom mitgliederstarken Verein für Deutsche Schäferhunde (SV) geförderte Standardausbildung zum “Schutzhund”, ein Verwendungszweck, der nur Sinn macht für Polizei, Wachdienste u.ä. Zur Schutzhundausbildung gehört es, den Hund oft unter Anwendung von Gewalt zum Angriff auf Menschen abzurichten, was seinem Naturell widerspricht. Gerät ein solcher Hund an nicht fachkundige Halter, wie es gang und gäbe ist, kann das Tier zum unkalkulierbaren Risiko für Menschen und andere Tiere werden. Der Widerstand gegen diese Fehlentwicklung wächst unter verantwortungsbewußten Züchtern und Haltern. Im SV werden sogar Landgerichte bemüht für die Grabenkriege zwischen den verfeindeten Fraktionen, Mitglieder verlassen scharenweise den SV wegen des satzungswidrigen, aber vom Vorstand geförderten ruinösen Umgangs mit der Rasse. Ausgerechnet der von Max von Stephanitz gegründete Verein schaufelt der Rasse das Grab, während der als erklärter Gegner von jeder Modezucht in dem seinen rotieren dürfte. Wie David gegen Goliath ist jetzt ein noch kleiner aber schnell wachsender Kreis von Schäferhundfreunden aus ganz Deutschland zur Rettung seiner Rasse angetreten. Im westfälischen Unna wurde am letzten Sonntag der deutschlandweit antretende Verein Deutscher Schäferhunde alter Schlag (DSaS04) gegründet. Initiator und Vorsitzender des neuen Vereins ist der umtriebige und r> ührige Züchter Ulrich Dressel aus Langen im Emsland. Die aggressive Ausbildung des DSH zum Schutzhund lehnt er rigoros ab. “Im Ernstfall verteidigt der Hund auch ohne Haßtraining seinen Menschen. Das liegt in seiner Natur als Rudeltier.”, meint Ulrich Dressel. “Wer eine Auffahrrampe zum Aufbocken seines Autos sucht, findet die im Baumarkt. Ein Hund ist dafür ungeeignet.”, spottet er über die Bemühungen vieler Züchterkollegen, dem DSH statt der wolfsähnlichen Gestalt eine zu verleihen, die mehr an Hasen und Karnickel erinnert. Ulrich Dressel hat mit seinem Verein, der noch vor der Wahl seines Vorstands eine Tierschutzbeauftragte ernannt hat, anscheinend eine Lawine losgetreten. So hat schon eine Landesgruppe des bisherigen DSH-Monopolvereins SV ihr Interesse am Übertritt zum neuen Schäferhundverein DSaS04 signalisiert. Es könnte bald eng werden für den in Augsburg sitzenden Vorstand des an Mitgliederschwund leidenden “Verein für Deutsche Schäferhunde (SV)”. Kontakt: Ulrich Dressel, 1. Vorsitzender des DSaS04,
Ein Kommentar
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Hallo, ich habe den Artikel mit grossem Interesse und Freude gelesen.
Ich selber habe zwei DSH noch aus alter DDR-Linie und zwei Belgische Schäferhunde Tervueren. In Belgien ist der DDR-Schäferhund recht selten, man kennt nur den “schönen” DSH in gelb mit schwarzer Decke.
Wir haben durch unsere Tervueren schon einige Menschen kennengelernt, die klagten, dass sie nun schon den 2. oder 3. DSH aus Hochzuchtlinie mit HD-Krankheit hatten. Oder sie hatten Deutsche Schäferhunde mit Bauchspeicheldrüsenprobleme. Sie wollten dieses “Känguruh” nicht mehr haben und entschieden sich für den Belgischen Schäferhund.
Ich bin sehr froh darüber, dass endlich jemand da ist, den DSH von seinem Leid zu befreien.