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2. März 2005 | Gespräch mit dem Bürgeramt

Gegen Ausweitung des Leinenzwangs

Konstanz (fs) Im April soll die neue Umwelt- und Polizeiverordnung für Konstanz im Gemeinderat verabschiedet werden. Diese sieht unter anderem vor, den Leinenzwang für Hunde wesentlich zu erweitern. Hundehalter setzen sich gegen diese Erweiterung ein. Bei einem Treffen mit dem Bürgeramt wurde die Vorlage diskutiert. Gesprächspartner auf Seiten der Stadt waren Christine Barth und der Leiter des Bürgeramtes, Hans-Rudi Fischer. Als Vertreter der Hundehalter diskutierten Christa Müller-Fehrenbach, 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins, Heidi Schätzle, Leiterin des Tierschutzheims Konstanz, Arnd Winter für die Arbeitsgruppe Hundehaltung in Konstanz und Frieder Schindele, Gemeinderat der NLK. Der 2. Vorsitzende des Tierschutzvereins und FDP-Fraktionsvorsitzende Dieter Fulde war leider verhindert.

Argumente gegen Leinenzwang -
Zusammengefasst von Arnd Winter

  1. Artgerechte Hundehaltung erfordert Freilauf und die Möglichkeit zum gemeinsamen Spiel von Hunden. Dies ist wichtig für das Sozialverhalten der Tiere.
  2. Hunde erfüllen wichtige Aufgaben. Aber Rettungs- Polizei- und Blindenhunde brauchen ebenso Gassigang.
  3. Hundegegner finden Anlässe zur Beschwerde. Deswegen wird diese Position verstärkt wahrgenommen.
  4. Die Arbeitsgruppe Hundehaltung in Konstanz macht verschiedene Vorschläge und Angebote zu einem harmonischen und unbelasteten Miteinander.

Fazit: Wir machen uns für eine Neufassung der Umweltschutzverordnung stark. Darin sollte eine klare Ausweisung für Gebiete mit Leinenzwang enthalten sein. Hierzu unterbreiten wir folgenden Vorschlag für die bestehende Formulierung in ¤ 16, 3 Satz 1 Umweltschutzverordnung der Stadt Konstanz: In der Innenstadt (Laube, Bodanstraße, Bahnhofplatz, Fischmarkt, Konzilstraße, Rheinsteig), im Stadtpark und an der Seestraße sind Hunde an der Leine zu führen. Durch diese Formulierung würde der unscharfe Begriff Zentrum genau definiert.

Weiterhin ist durch ¤22, 2 Satz 5 bereits das Verbot der Hundemitnahme für Kinderspielplätze, Liegewiesen, Friedhöfe, Wochenmärkte, Freibäder und Sportanlagen geregelt. Dem spricht aus unserer Sicht nichts entgegen.


Unsere Argumente im Detail:

1. Artgerechte Hundehaltung erfordert Freilauf und die Möglichkeit zum gemeinsamen Spiel von Hunden. Dies ist wichtig für das Sozialverhalten der Tiere

Die in dem Entwurf vorgeschlagene Ausweitung des Leinenzwangs hat zur Folge, dass alle Zugänge zum Wasser im Stadtgebiet von Konstanz darunter fallen. Es ist somit nicht mehr möglich, Hunde in oder an das Wasser zu lassen. Zu einer artgerechten Hundehaltung gehört die Möglichkeit, den Hund frei laufen zu lassen. Auch wenn die vorgeschlagene Regelung keinen Leinenzwang für das gesamte Stadtgebiet vorsieht, wird doch ein sehr großer Teil der städtischen Grünflächen nicht mehr für den leinenlosen Gassigang zur Verfügung stehen. Aus unserer Erfahrung als Hundehalter wissen wir auch, wie wichtig das Spielen mit Artgenossen für Hunde ist. Es fördert das friedliche Begegnen von Hunden untereinander. Ein angeleinter neigt sehr viel mehr zur Aggression anderen Hunden gegenüber.

2. Hunde erfüllen wichtige Aufgaben. Aber Rettungs- Polizei- und Blindenhunde brauchen ebenso Gassigang wie Familienhunde

Hunde erfüllen wichtige Aufgaben in unserer Gesellschaft. Dabei denken wir nicht nur an die Rettungs-, Schutz-, Polizei-, Zoll- und Blindenhunde. Auch der ganz normale Familienhund fördert die tägliche Bewegung des Besitzers und damit die Gesundheit. Auch Kinder, die mit Hunden groß werden, lernen früh den Respekt vor Tieren und gewinnen an sozialer Kompetenz. Unbestritten ist Hundehaltung für viele Menschen eine wichtige und zugleich in vielen Aspekten förderliche Sache. Neben einer besseren Gesundheit durch tägliche Bewegung schafft ein Hund eine gewisse Regelung des täglichen Ablaufs. Ganz gleich aber, ob der Hund ein Diensthund, ein Retter in Notlagen oder ein einfaches Haustier ist: Alle Hunde werden auch privat gehalten und müssen sich in der Stadt artgerecht bewegen können. Speziell ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger werden durch die neue Regelung keine Möglichkeit haben, ihren Hunden einen angemessenen Auslauf zu ermöglichen. Dasselbe gilt übrigens auch für Familien mit kleinen Kindern.

3. Hundegegner finden Anlässe zur Beschwerde. Deswegen wird diese Position verstärkt wahrgenommen

Es liegt in der Natur der Sache, dass Bürgerinnen und Bürger, die Hundehaltung in der Stadt nicht befürworten, von der Stadt Konstanz eher durch Beschwerden wahrgenommen werden als Hundefreunde und Hundehalter. Deswegen aber weitgreifende Regelungen zu erlassen, würde einfach denen nachgeben, die am lautesten rufen.

Wir möchten selbstverständlich nicht leugnen, dass es auch Problemhunde gibt. Unseres Erachtens werden diese Tiere und deren Halter aber bereits durch bestehende Gesetze und Verordnungen mit Leinen- und Maulkorbzwang belegt. Weitere Verordnungen werden hier keinen Zugewinn bringen.

4. Die Arbeitsgruppe Hundehaltung in Konstanz macht verschiedene Vorschläge und Angebote zu einem harmonischen und unbelasteten Miteinander

Wir sehen als verantwortliche Hundehalter durchaus auch verschiedene Problemlagen im Zusammenhang mit Hunden und möchten deswegen auch konstruktive Vorschläge für ein harmonisches und unbelastetes Miteinander im Stadtgebiet von Konstanz einbringen:

  • Wir erklären uns bereit, die Vorschriften und Verordnungslage der Stadt Konstanz im Zusammenhang mit Hundehaltung zusammenzutragen. Diese Zusammenstellung könnte mit Hundesteuer versendet werden. Damit wären Hundehalter klar informiert über Rechte und vor allen Dingen Pflichten der Hundehaltung in Konstanz.
  • Über die Arbeitsgruppe Hundehaltung in Konstanz könnten Initiativen gestartet werden, die die Nützlichkeit von Hunden auch in der heutigen Gesellschaft aufzeigen. Über einen Stand an einem Samstag in der Innenstadt können viele Menschen erreicht werden.
  • Es gibt bereits auf privater Initiative Hundehalter, die mit ihren Tieren an Schulen und Kindergärten gehen und dort Kindern, die ohne Haustiere groß werden, den richtigen Umgang mit Hunden erklären. Dies gehört unserer Meinung nach genauso zu den Fertigkeiten, die Kinder erlernen müssen, wie beispielsweise die Verkehrserziehung.
  • Über die AG Hundehaltung in Konstanz können regelmäßig (halbjährlich?) Informationsschriften für richtige und vorbildliche Hundehaltung verteilt werden. Es ist schließlich auch im Interesse aller Hundehalter, ohne Anfeindungen den Gassigang zu gestalten.
  • Ein möglicher Vorschlag zur Reduzierung von Hundekot auf öffentlichen Plätzen wäre ein weiterer Ausbau der Robi-Dog Stationen.


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