Konstanz/Meersburg (fsf/gro) Bildhauer Peter Lenk will dafür sorgen, dass Annette von Droste-Hülshoff künftig ein bisschen anders gesehen wird. “Die meisten haben diese Dichterin falsch in Erinnerung”, sagt Lenk, “die Biedermeierlöckchen täuschen, die Droste war eine kluge, mutige und leidenschaftliche Frau.” In zwei Jahren wird sie als Kunstfigur zusammen mit dem Abbild eines anderen prominenten Meersburgers an der Meersburger Hafenmole die Touristenschiffe begrüßen: Mit dem Kunstwerk wird nicht nur der Dichterin, sondern auch Franz Anton Mesmer, dem Entdecker des animalischen Magnetismus und Erfinder der Hypnose, ein Denkmal gesetzt. Mesmer, mit einem Magneten in der Hand, wird auf einer metallenen Erdkugel dargestellt, in der Kugel eingeschlossen die Gegner des Gelehrten. Aus der weltbekannten Frisur der Droste soll sich als Windspiel ein Zweig heraus entwickeln – Hinweis auf “Die Judenbuche”, die berühmte Kriminalnovelle der aus dem Westfälischen stammenden Dichterin, die 1826 ins Meersburger Schloss zog. Ganz anders als im Konstanzer Hafen, wo Lenks Imperia neben der weltlichen und kirchlichen Macht auch die Fleischeslust aufs Korn nimmt, wird das Figurenensemble in Meersburg ohne Anspielungen erotischer Natur auskommen. “Das hätte mir gerade noch gefehlt, dass sich ehemalige Führungskader von VW auch in Meersburg spezielle Anregungen holen”, sagt der Bildhauer aus Bodman. Das Doppeldenkmal soll stattliche 14 Meter hoch werden. Dieter Baumanns Vermächtnis Im Juli dieses Jahres gab der Meersburger Gemeinderat seine Zustimmung für den Auftrag an Lenk. Das Kunstwerk wird an der östlichen Hafenmole unweit des Zollhauses platziert. Zurück geht die Angelegenheit auf das Vermächtnis von Dieter Baumann, des vor zwei Jahren verstorbenen Vorsitzenden des Verschönungsvereins Meersburg. Baumann wollte nicht nur Bänke aufgestellt, sondern generell für das Erscheinungsbild der Burg- und Weinstadt etwas getan wissen. Ein Werk von Lenk war seit langem der Wunsch Dieter Baumanns. Bereits im Juli 2003 bewilligte Kuno Werner, der Geschäftsführer der Bodensee- Schiffsbetriebe, die Aufstellung einer solchen Arbeit auf der Meersburger Hafenmole. Die Anfänge der Revolution Freifrau Anna Elisabeth Franziska Adolphine Wilhelmine Louise Maria von Droste zu Hülshoff hieß die Dichterin mit vollem Namen, die fünf Jahre bei ihrer Schwester Jenny Freiin von Lassberg auf der Alten Meersburg wohnte. Droste starb 1848 im Alter von 51 Jahren und konnte gerade noch die Anfänge der Badischen Revolution miterleben. Der Arzt, Jurist, Philosoph und Theologe Anton Mesmer holte die Hypnose vom Jahrmarkt, und begründete den “animalischen Magnetismus, auch Mesmerismus genannt”. Nach heftigen Streitigkeiten mit neidischen Gegnern zog es ihn über Wien und Paris 1814 nach Meersburg, wo er vereinsamt nach einem Jahr starb. Er gilt heute als klarer Denker. Auf ihn geht der Entwurf der ersten demokratisch- republikanischen Verfassung für Deutschland zurück. Droste und Mesmer sind beide in Meersburg begraben. Tausende besuchen jedes Jahr die Gräber der beiden prominenten Meersburger. Die treibenden Kräfte Treibende Kraft des Projekts “Lenk-Mole” ist Brigitte Baumann, unterstützt von Bürgermeisterin Sabine Becker. Baumann ist im Vorstand des Verschönungsvereins. Nach gut zwei Jahren setzt sie jetzt den Wunsch ihres Mannes um: “Mesmer und Droste sollen in Meersburg die Touristen aus aller Welt begrüßen”. Die Kosten für das Kunstwerk liegen liegen bei 80.000 Euro. Für die Umsetzung wurde der “Förderverein Hafenmole Meersburg” gegründet. Der Verein sucht noch mehr spendable Sponsoren. Wer mithelfen will: Das Spendenkonto bei der Sparkasse Bodensee hat die Nummer 241.448.84, BLZ 690 500 01.
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