Kein Glück mit dem Saurennen
Konstanz/Horgenzell-Kappel (gro) Das „Kappeler Saurennen“ hat ihn bekannt gemacht, den oberschwäbischen Landwirt Josef N., dessen Anwesen gestern von der Polizei durchsucht wurde. Der Bauer wird verdächtigt, zwei Kanister mit giftigem Pflanzenschutzmittel vor Sipplingen in den Bodensee geworfen und mindestens einen Drohbrief geschrieben zu haben. Im Sommer 2001 hatte Josef N. damit gedroht, die Trinkwasserversorgung seines Heimatdorfes mit „ökologischen Minen“ schachmatt zu setzen. Da war er mit der Dorfgemeinschaft schon über Kreuz. Das Saurennen und ähnlich ungewöhnliche Projekte brachten Josef N. kein Glück.
Es gab keine Warnung
In dem Drohbrief, der am 18. Oktober bei der Bodensee-Wasserversorgung einging, wurde kein Geld gefordert. Der Übeltäter verlangte vielmehr, die Öffentlichkeit von dem Giftanschlag auf das größte Trinkwasserreservoir Europas zu unterrichten. Da die im Wasser ermittelte Giftmenge weit unter den Grenzwerten lag und somit keine Gefahr für die Bevölkerung bestand, unterblieb jedoch jede Warnung. Man entschied sich vielmehr dafür, den Seeabschnitt vor Sipplingen überwachen zu lassen und in aller Stille zu ermitteln.
Zwei Kanister gefunden
Taucher fanden schließlich zwei Kanister mit Herbiziden unweit der Stelle, wo in 70 Meter Tiefe das Wasser für die Versorgung von knapp 4 Millionen Menschen abgesaugt wird. Die Behälter waren geöffnet, der giftige Inhalt aber noch fast vollständig in den Kanistern. Den Hinweis auf den Landwirt gab es erst, nachdem die Ulmer „Südwestpresse“ am vergangenen Wochenende über den Giftanschlag berichtet hatte, und zwar unter Berufung auf „Stuttgarter Regierungskreise“. Als die örtlichen Medien die Geschichte gestern am See öffentlich machten, erinnerte sich ein seit kurzem in Konstanz lebender Überlinger an Josef N. und seine „ökologischen Minen“. Er machte die Staatsanwaltschaft Konstanz auf den Landwirt aufmerksam.
40 Beamte von Polizei und Staatsanwaltschaft tauchten am Montagvormittag bei dem Bauern in Kappel bei Horgenzell (Kreis Ravensburg) auf. Josef N. wurde vorläufig festgenommen, das Anwesen wurde durchsucht. Otto Röding, Leitender Staatsanwalt am Landgericht Konstanz, betonte zunächst, dass es sich lediglich um einen Anfangsverdacht handle. Im Nachtmagazin der ARD am frühen Morgen des Dienstags wurde Josef N. bereits als „dringend verdächtig“ bezeichnet. Am Tag darauf gab es weder eine Bestätigung noch eine Zurücknahme des dringenden Verdachts.
Sechs Monate auf Bewährung
Vor viereinhalb Jahren hatte Josef N. damit gedroht seine „ökologischen Minen“, Kanister mit giftigem Inhalt, in Kappel zu vergraben. Eine Hundertschaft der Polizei untersuchte damals, unterstützt von einem Hubschrauber, das Grundstück. Josef N., der damals Drohbriefe an Banken, an den Landrat und an die Landsregierung schickte, musste sich vor dem Amtsgericht Ravensburg verantworten und handelte sich im Dezember 2002 eine sechsmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung ein.
Aus fürs „Hoferlebnis“
Ein Verfahren wegen angeblichen Subventionsbetrugs wurde eingestellt. Es drohte jedoch die Zwangsverpfändung des Hofes. Da bewies Josef N., dass Not erfinderisch macht. Er versuchte, eine Art landwirtschaftlichen Freizeitpark zu schaffen. Das „Kappeler Saurennen“ sorgte für Schlagzeilen und auch ein „Drachenfest“ lockte Familien nach Kappel. Doch als Josef N. auch noch Kuhkämpfe ein „Traktorpulling“ veranstalten wollte, bildete sich eine Bürgergemeinschaft, die mit Hilfe von Ortschaftsrat und Gemeinderat der Entwicklung zum „Hoferlebnis“ eine Ende setzte. Was nicht zuletzt den Friedrichshafener Tierschutzverein freute, dem vor allem die Saurennen ein Dorn im Auge waren.
Josef N. ist sauer auf Behörden und Nachbarn, auf die Justiz, auf die Banken sowie auf die große und die kleine, die kommunale Politik. Richtig glücklich, so hört man in Horgenzell, habe man ihn in den vergangenen Jahren eigentlich nur mit seinen flinken Schweinen gesehen.





