Konstanz (gro/fsf) Die Schlaraffen haben endlich ihr „Fantasia“ gefunden. Es liegt auf einer Sandbank vor dem Spielcasino im Konstanzer Trichter. Gestern traf man sich auf der neu geborenen Insel zur Grundsteinlegung. Möglich wurde das alles durch den rekordverdächtigen Tiefstand des Bodensees. Die Schlaraffen sind keine Fasnachtsvereinigung, sondern ein weltweit verbreiteter Freundschaftsbund von Künstlern, Akademikern und Handwerkern. Er wurde 1859 in Prag gegründet. Wahrzeichen der Schlaraffen ist der Uhu. Weltweit gibt es etwa 11.000 Schlaraffen in über 280 Clubs, die „Reyche“ genannt werden, auch in Japan, Brasilien, Kanada und Südafrika. Die Clubsprache bei der Schlaraffia ist auf der ganzen Welt Deutsch. Ihre Konstanzer „Burg“ haben die Schlaraffen in der Salmannsweilergasse, in Räumlichkeiten gegenüber dem „Elefanten“. Im Winter jede Woche Sippung Zu ihren Clubabenden, den so genannten Sippungen, treffen sie sich jede Woche in ihrer Burg, jedoch nur im Winterhalbjahr, der so genannten Winterung, zwischen dem 1. Oktober und dem 30. April. Bei der Schlaraffia handelt es sich um einen Männerbund. An zwei Sippungen der Winterung nehmen jedoch immer die besseren Hälften der Schlaraffen teil. In der anderen Hälfte des Jahres trifft man sich zu privaten Festen und Anlässen, mit und ohne Anhang. Keine fasnächtliche Vereinigung Immer wieder werden die Schlaraffen zu Unrecht für eine Fasnachtsvereinigung gehalten. Das liegt am offiziellen Ornat und an etlichen Skurrilitäten. So belegen sich die Schlaraffen unter einander mit allerlei Ulknamen. Außerdem pflegen sie eine ans Mittelalterliche angelehnte Clubsprache, in der Wein „Lethe“, das Bier „Quell“ heißt, die Geige „Wimmerholz“, die Schwiegermutter „Burgschreck“ und die Pfeife „Schmauchtopf“. Freundschaft, Kunst und Vergnügen Hauptgrundsatz der Schlaraffia ist das Hochhalten der Freundschaft, der Leitspruch heißt „In der Kunst liegt das Vergnügen“. Gäste werden „Pilger“ genannt, Männerwitze sind absolut verpönt, Berufliches ist aus den Abenden in der „Burg“ ebenso verbannt wie es Politik und Religion sind. Wer würde einer solch patenten Vereinigung nicht ihr “Fantasia” vor der Seestraße gönnen! Das Schlaraffen-Eiland wird wachsen, denn der See sinkt vorerst weiter ab. Wenn das so weitergeht, wird in etwa zwei Wochen der historische Tiefstand des Jahres 1858 erreicht, als der Konstanzer Pegel auf 2,26 Meter gefallen war.
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