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23. März 2006 | Noch 11 Wochen bis zur Wiedereinweihung

Dreifaltigkeitskirche war der Stadt ein Klotz am Bein

Konstanz (gro) Nach und nach zeigt sie sich, die neu herausgeputzte Dreifaltigkeitskirche. Die frische Ostfassade, die jetzt unverstellt sichtbar geworden ist, gestattet allerdings nur einen ersten, äußerlichen Blick auf ein gewaltiges Erneuerungswerk, mit dem vor fast sieben Jahren begonnen wurde und das weit über 7 Millionen Euro verschlungen hat. Die Wiedereinweihung des Gotteshauses ist in gut 11 Wochen, am 11. Juni, dem diesjährigen Dreifaltigkeitssonntag. „An diesem Tag werden wir auf alle Fälle die Wiedergewinnung der Kirche feiern“, versichert Klaus Keller-Uhl, „egal ob die Arbeiten komplett abgeschlossen sind oder ob sie noch eine Weile andauern.“ Die Kirche gehörte fast 200 Jahre der städtischen Spitalstiftung zum Heiligen Geist, und sie war am Ende, bevor sie ans Erzbistum Freiburg abgegeben wurde, ein rechter Klotz am Stadtsäckel.

Klaus Keller-Uhl - der gute Geist der alten Kirche

Der ehemalige Stadtrat Keller-Uhl ist so etwas wie der gute Geist der ehemaligen Klosterkirche, in welcher der heute amtierende Neue-Linie-Stadtrat Frieder Schindele einst als Ministrant und der Schreinermeister Richard Walser als Mesmer wirkten. Die Schwarzen Bettelmönche des Augustinerordens hatten die Kirche im 13. Jahrhundert gegründet und für fast 650 Jahre zum spirituellen Mittelpunkt ihres Lebens gemacht. Unermüdlich rührt Klaus Keller-Uhl die Trommel für das Gotteshaus, sammelt Spenden für die Renovierung und Sympathien für eine Kirche, die dem Untergang geweiht schien, als die Stadt sie nach mehreren erfolglosen Versuchen im Jahre 1998 endlich wieder los wurde.

Ein „ewiger“ Vertrag für 196 Jahre

196 Jahre lang, von 1802 bis 1998, hatte die Kirche der städtischen Spitalstiftung gehört, und das Gotteshaus war dabei trotz ein paar Teilrenovierungen ziemlich herunter gekommen. Dabei hatte sich die Stadt vertraglich „auf ewig“ verpflichtet, nicht nur für den baulichen Zustand der Kirche, sondern auch für ein Pfarrhaus, den Pfarrer und den Mesmer Sorge zu tragen. Auch die so genannte Kultpflicht, bis hin zum Beschaffen der Kerzen und der Altarwäsche, hatte die Spitalstiftung 1802 übernommen. Als Gegenleistung war der Städtischen Institution damals neben der Kirche das gesamte Klostergelände übereignet worden.

Die Schwarzen Mönche des Augustinerordens handelten allerdings nicht ganz freiwillig, sondern im Hinblick auf die politischen Umwälzungen durch Napoleon I. und die sich abzeichnende Säkularisierung klösterlicher Besitztümer. Immerhin, so konnten die kirchlichen Kreise hoffen, blieb das Gotteshaus durch den Vertrag als seelsorgerischer Mittelpunkt einer Gemeinde, der späteren Dreifaltigkeitsgemeinde, erhalten.

Die Kirche wurde zur finanziellen Belastung

Nachdem Stadt ud Spitalstiftung den Grundbesitz des ehemaligen Augustinerklosters verbraucht hatten, reduzierte sich nach und nach das kommunale Interesse an der Kirche, und der „ewige“ Vertrag wurde als Klotz am Bein empfunden. Die finanzielle Belastung durch die Kirche schlug sich im Haushalt der Stadt mit jährlich gut 800.000 Mark nieder. Das Erzbistum Freiburg konnte schließlich nach mehrjährigen Verhandlungen dazu bewegt werden, den Vertrag aufzulösen und die Dreifaltigkeitskirche zu übernehmen.

Ablösesumme reicht nur für die Hälfte

Die Spitalstiftung wurde das Gotteshaus erst los, nachdem sie sich bereit erklärt hatte, eine Ablösesumme in Höhe von fast 8 Millionen Mark zu bezahlen, so viel, wie eine Erneuerung schätzungsweise kosten würde. Für die Stadt war der Abschluss ein gutes Geschäft. Denn eine grundlegende Renovierung, zu der die Spitalstiftung vertraglich verpflichtet gewesen wäre, war inzwischen überlebenswichtig geworden. Und bald stellte sich heraus, dass die Ablösesumme gerade einmal für die Hälfte der Kosten reichen würde.

Akut vom Untergang bedroht

Schon zum Zeitpunkt der Übernahme durch das Erzbistum war die Dreifaltigkeitskirche, wie spätere Untersuchungen klar machten, akut vom Untergang bedroht. Der ganze Bau war in Bewegung geraten und lief Gefahr, langsam, aber sicher immer weiter nach Osten hin in den morastigen Untergrund abzukippen. 2,3 Millionen Euro und zwei Jahre waren allein dafür nötig, den Untergrund zu stabilisieren und das Abtriften des mittelalterlichen Bauwerks zu stoppen. Mittlerweile ist das Gotteshaus von den Fundamenten bis hinauf zum Dach saniert, die 1740 eingezogene Barockdecke ist neu gefestigt worden und hat ihre strahlend weisse Pracht zurück erhalten, Fresken und andere Wandmalereien sind renoviert und zum Teil neu herausgearbeitet, auch eine neue Heizung hat die Kirche jetzt. Die alte, eine kostengünstige Industrieheizung, hatte sich als Dreckschleuder erwiesen. Ihretwegen wurde der Innenraum mit einem regelrechten Schmutzschleier überzogen.

Neues Konzept für den Kirchenraum

Nicht nur das Äußere, auch der Charakter der Dreifaltigkeitskirche wird erneuert. Das vor 738 Jahren gegründete Gotteshaus wird eine so genannte City-Kirche, die mit einem modernen Programm auch Passanten anspricht. Der Altarraum bleibt in etwa so erhalten wie er zuletzt war, doch die Kirchenbänke verschwinden zu Gunsten eines unterschiedlich nutzbaren Kirchenraums, der auch für Ausstellungen und Meditation zur Verfügung stehen wird.



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