Konstanz (gro) Der Aufsichtsrat der Altana AG entscheidet heute über die Zukunft des größten und ertragsträchtigsten Unternehmens der Stadt. Beobachter gehen davon aus, dass die dänische Nycomed die in Konstanz angesiedelte Pharmasparte des Altana-Konzerns für etwa 4 Milliarden Euro übernimmt. Es geht bei der heutigen Aufsichtsratsentscheidung auch um die Zukunft der Stadt. Bleibt das neu formierte Pharma-Unternehmen vollumfänglich in Konstanz, dürfte weiter mit guten Einnahmen aus der Gewerbesteuer zu rechnen sein. Kommt es anders, beginnt demnächst das große Zittern. Vor allem Sport- und Kultureinrichtungen sind gefährdet, wenn für den städtischen Etat jährlich etliche Millionen Euro nicht mehr zur Verfügung stehen sollten. Nycomed ohne eigene Forschung Die dänische Pharmafirma Nycomed ist mit einem Umsatz von 747 Millionen Euro etwa ein Drittel so groß wie die Pharmasparte von Altana. Die Dänen haben keine eigene Forschung. Sie sind spezialisiert auf die so genannte Einlizenzierung und Vermarktung von Wirkstoffen. So wurde Nycomed auch Altanas Vertriebspartner für Pantoprazol in Skandinavien und in Belgien. Zusammengehen nicht ohne Charme Beobachter sehen in einem Zusammenschluss mit Altana Pharma kaum die Chance für nennenswerte Synergien. Trotzdem hätte eine Fusion der beiden Unternehmen seinen Charme. Schließlich besteht Altanas Problem in einer leeren Pipeline; die Konstanzer sind also womöglich auf Einlizenzierungen angewiesen, mit denen Nycomed Erfahrungen hat. Andererseits könnten die Dänen von den imposanten, weltweiten Vertriebskapazitäten des am Bodensee angesiedelten Pharmaunternehmens Nutzen ziehen. Schweickart hätte Wort gehalten Die nötigen Finanzmittel für einen entsprechenden Umbau mit dem Ziel eines erweiterten kaufmännischen und vertrieblichen Bereichs sowie einer teilweise neu auszurichtenden Forschungs- und Entwicklungsabteilung wären von vorne herein in Sicht. Schließlich gehört Nycomed drei potenten Finanzinvestoren: Nordic Capital, Blackstone und Crédit Suisse Private Equity. Außerdem würde bei dieser Lösung Altanas Vorstandsvorsitzender Nikolaus Schweickart so sein Versprechen halten, Altana Pharma nicht direkt an Finanzinvestoren zu verkaufen, und das, nachdem aus der Industrie keinerlei Interesse signalisiert wurde. Das neue Verwaltungsgebäude wächst heran Für die Zukunft des Standorts Konstanz lässt sich damit vorerst wenig vorhersagen. Angesichts der Tatsache, dass derzeit an der Byk-Gulden-Straße für 50 Millionen Euro ein neues Verwaltungsgebäude entsteht (2. Bild), ist die Hoffnung berechtigt, dass die Bodenseemetropole schnell zum Schwerpunkt des neu gebildetenen Pharma-Unternehmens heranwächst. Einsparungspotential gibt es, wie man hört, auch anderswo in Hülle und Fülle. Die Restriktionen der Gesundheitspolitiker Etliche Auslandsvertretungen von Altana Pharma dürften weitgehend obsolet geworden sein. Trotz gelegentlich geradezu aufopfernder Lobby-Arbeit habe sich kaum irgendwo auf der Welt der Trend zu restriktiven Entscheidungen der Gesundheitspolitiker aufhalten lassen, heisst es in Pharmakreisen. Mit massiven Eingriffen in den Medikamentenmarkt würden in erster Linie Forschung und Entwicklung beeinträchtigt. Diese Politik könnte am Ende auch Konstanz treffen.
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