Konstanz/Zürich (gro) Behördlich verordnete Prüderie in der Schweizer Nachbarschaft dürfte den Konstanzer Kinobetreibern derzeit nützlich sein. Wer in Zürich „Das Parfüm“, den prächtig gelungenen Film nach dem Bestseller von Patrick Süsskind mit Dustin Hoffmann (Bild: S. Granitz), sehen will, muss mindestens 16 Jahre alt sein. Im Thurgau ist man nicht ganz so streng, da traut man auch erst 14-Jährigen zu, den Film ohne Schaden zu verkraften. In Deutschland ist der Streifen schon ab 12 Jahren zugänglich. Der Film wurde mit Spannung erwartet. Kein Wunder, dass sich unter jugendlichen Schweizern herumgesprochen hat: In Konstanz gelangt man jünger ins „Parfüm“. Jedes Jahr ist Zürich Schauplatz der Love Parade, einer ebenso riesigen wie freizügigen Party, die mit dazu beigetragen hat, den Ruf der einstigen Geld- und Bünzli-Agglomeration an der Limmat zu verwandeln. Heute gilt Zürich als eine durchaus weltoffene Metropole. Doch die für die Freigabe von Kinofilmen zuständige Behörde zeigt nach Ansicht von Beobachtern, dass Teile des alten, kontrollsüchtigen Kantönligeistes immer noch vorhanden sind - auch im Zeitalter reichlich rabiater Fernseh-Reality-Shows und der täglichen Massenmordberichte aus dem Irak. Die Zürcher Rialto AG, die „Das Parfüm“ in der Schweiz in die Kinos bringt, hat zwar Widerspruch gegen die rigide Zugangsbeschränkung eingelegt. Doch es bestehen kaum Chancen, die Freigabe zu lockern. In der „Sonntagszeitung“ wird Anita Schlegel, die Geschäftsführerein des Rialto-Verleihs zitiert, die in der restriktiven Altersfreigabe „den Eindruck von Zensur“ ausmacht. Schließlich gehöre das Buch in Gymnasien zum literarischen Lehrstoff, und zwar bereits für 14-Jährige. Die Behörde kritisiert den Film als eine „Mischung aus skrupellosem Massenmord, abartigem sexuellem Begehren und Nekrophilie“, Vorwürfe, die vor allem Kopfschütteln auslösen. In der Schweiz haben bislang 300.000 Menschen den Film unter der Regie von Tom Tykwer („Lola rennt“) gesehen. In Konstanz läuft der Film wegen der großen Nachfrage in zwei Kinos: Im CineStar im Lago und im Scala an der Marktstätte.
3 Kommentare
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Ich habe den Film nicht gesehen, aber das Buch während meiner Dienstreise nach London gelesen. Und es hat mir sehr gefallen, außer diesen Moment, daß Laura trotzdem ermördert wurde. Ehrlich gesagt, ich habe gehofft, es wird nichts mit ihr passieren. Meine Freundin, die auch das Buch gelesen hat, verzichtet den Filn zu gucken.
lesen ist seeliger als schreiben!
enzo
Ein schöner Film kann aber durchaus auch entzücken. Und “Das Parfüm” ist so ein Film. Allein Dustin Hoffmann lohnt einen Besuch. Am besten heute, wenn’s Kino mal wieder echt preiswert ist. Das Buch kann man immer noch lesen. Patrick Süsskind hat übrigens aufgepasst, dass aus seinem Buch was Anständiges wurde, auch wenn es einige Schweizer Nachbarn so unanständig finden.