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12. Dezember 2006 | Zu Wiedemanns Unbehagen in Sachen Schaal

Stadtverwaltung: „Alle waren eingeweiht“

Konstanz (gro) Alle Gruppierungen des Gemeinderats seien über die Absicht der Stadtverwaltung eingeweiht gewesen, die Leitung des Amts für Wirtschaftförderung im kommenden Jahr vollumfänglich an Friedhelm Schaal zu übertragen. Das stellt Walter Rügert im Auftrag des Oberbürgermeisters klar. Demnach war es Horst Frank selber, der darüber informierte, und zwar am 20. November in einer internen Runde, an der Vertreter aller gemeinderätlichen Schattierungen teilnehmen konnten. Damit tritt die Verwaltung der von dornroeschen verbreiteten Behauptung entgegen, bei der geplanten Installierung Schaals als 100-prozentigen Amtsleiter handle es sich womöglich um einen heimlich verfolgten Freundschaftsdienst des Oberbürgermeisters zu Gunsten eines besonders treuen kommunalpolitischen Mitstreiters. Die Vermutung stammt von NLK-Stadtrat Jürgen Wiedemann, der allerdings weiterhin irritiert bleibt.

Der Chefposten war verwaist

Wiedemann hatte seinem Unbehagen, wie unlängst schon berichtet, in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses Luft gemacht. Anlass dafür gab der Stellenplan des städtischen Etats für 2007/08, in dem die Stelle des fraglichen Amtleiters wieder zu 100 Prozent veranschlagt ist. Friedhelm Schaal, der seit 2000 die Stadtmarketing GmbH anführt, wurde die Leitung des Amts für Wirtschaftsförderung bereits vor etwa eineinhalb Jahren übertragen, nachdem sich für den verwaisten Chefposten unter 190 Bewerbern nicht ein einziger geeigneter Bewerber hatte finden lassen.

Im Januar kommt die Personalie auf den Tisch

Seither ist Friedhelm Schaal der Leiter des Amts. Doch laut Anstellungsvertrag werden ihm dafür nur 30 Prozent der normalerweise üblichen Bezüge zugestanden (nicht 50 Prozent, wie in dornröschen unlängst irrtümlich behauptet). In der Hauptsache ist Schaal nach wie vor Leiter der Stadtmarketing GmbH. Der Vertrag läuft noch bis 2010. Doch wenn es nach dem Oberbürgermeister geht, soll Schaal das Stadtmarketing aufgeben und das Amt für Wirtschaftsförderung demnächst ganz übernehmen. Noch im Januar, so hat Horst Frank laut Rügert in jener internen Fraktionssitzung zusätzlich erklärt, werde dem Gemeinderat ein entsprechender Vorschlag schriftlich zur Entscheidung vorgelegt. Außerdem sei ein Protokoll von der Sitzung allen Fraktionen und Gruppen zugegangen.

„Interne Runde ist kein Beschlussgremium“

Trotz dieser Erklärungen ist das Unbehagen Wiedemanns, wie er gestern Abend gestand, „keineswegs beseitigt“. Weder er noch sein Ratskollege Frieder Schindele, die beiden Vertreter der Neuen Linie Konstanz (NLK), hätten an jener internen Fraktionssitzung teilgenommen. Es sei zwar ein Protokoll verschickt worden. Doch das ändere nichts an seiner Sicht, sagte Wiedemann; und aus seiner Sicht werde in dieser Personalangelegenheit nicht mit offenen Karten gespielt. Ergänzend dazu erklärte Schindele, eine interne Runde sei “kein Beschlussgremium”, sondern ein informeller Kreis, in dem sich Personalangelegenheiten einer gewissen Tragweite „nicht einmal halb offiziell regeln lassen“. Zeit dafür wäre gewesen, sagte Schindele weiter. Schließlich habe die Personalie in Zahlen ja auch längst ihren schriftlichen Niederschlag im Entwurf des Haushaltsplans gefunden.

Die Frage nach dem Sparpotential

Die beiden NLK-Stadträte sagten, sie zweifelten nicht an der fachlichen Qualifikation Friedhelm Schaals als Wirtschaftsförderer. Bedenklich sei viel mehr das Verfahren. Denn eigentlich sei es im Zusammenhang mit der personellen Ausstattung des betreffenden Amtes immer auch um das Zusammenwirken von Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing gegangen - und um das Sparpotential, das dabei auch in personeller Hinsicht entstehen könnte. Die Frage einer Privatisierung des Wirtschaftsförderungsamts sei ebenfalls angeregt worden, sagen Schindele und Wiedemann.

Zusätzlich habe die Verwaltung den Auftrag bekommen zu prüfen, ob die Tourist Information in eine solche neue Struktur einbezogen werden kann. Und während in anderen Bereichen allenthalben personelle Einsparungen durchgesetzt würden, stosse man hier nicht auf Ansätze für neue, schlankere Strukturen, sondern - ganz im Gegensatz zur allgemeinen Tendenz - auf eine Stellenausweitung.



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Ein Kommentar

  1. 1. Gerd J. Mörsch

    Die NLK hatte sich 1992 aus Bürgern gegründet, die nicht machtlos der Verwaltung untergeordnet sein wollten. Festzuhalten ist, dass die Stadträte der NLK zum Ursprungsgedanken in dieser Personaldebatte stehen, was grundsätzlich zu begrüßen ist und dieser unabhängigen Gruppierung auch weiterhin ihr Mandat im Stadtparlament sichern sollte.
    Augenfällig in der Berichterstattung ist, dass schon bei der damaligen Amtsstellenleiterausschreibung 190 (!) Mitbewerber nicht die Fähigkeiten gehabt haben sollen, die jetzt F. Schaal anscheinend hat. Hier liegt bereits der Schlüssel zu einem berechtigten Misstrauen der NLK.

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