Konstanz (gro) Der große Gastropreis des Konstanzer Wirtekreises geht dieses Jahr ans Casino-Restaurant in der Seestrasse. Trotzdem war das Fest im Inselhotel zumindest zeitweise eine notte Italiana. Denn zwei weitere „Ingrids“ erhielten Gastronomen aus dem Sehnsuchtsland der Deutschen: Luigi Pesarao („Old Marys Pub“, links auf dem Bild) und Maurizio Canestrini („Pinocchio“). Niemand freute sich so intensiv und ausgelassen wie diese beiden Italiener es taten. Schon der Auftakt der fünfteiligen Preis-Parade hatte einen starken italienischen Touch. Denn die „Ingrid“ in der Kategorie „Ambitionierte Küche“ wurde Michael König und Franz Wäschle von der „Cantina Rabajà “ zugesprochen. Beide sind dem Piemont verbunden. In der Kategorie „Weinstube/Bar“ wurde Andreas Fritz mit seiner Weinstube Franz Fritz durch eine „Ingrid“ ausgezeichnet. Die Überraschung gelang perfekt Es gibt wenige Geheimnisse, die in Konstanz so zuverlässig gewahrt werden wie die Preisträger des Gastropreises, der am Montagabend zum dritten Mal verliehen wurde, dieses Jahr in insgesamt fünf Kategorien. Der Abend, mit Sushi, Sashimi, Miso und Yakitori, Sesam-bestreuter Entenbrust und süssen japanischen Leckereien zum Nachtisch, liess zunächst vermuten, dass diesmal einige gastliche Stätten mit fernöstlichen Spezialitäten zum Zuge kommen würden. Tatsächlich wurde nicht nur das Publikum überrascht. Auch die Preisträger selber fielen aus allen Wolken. Michael König wirkte beinahe fassungslos, so überrascht war er; Andreas Fritz konnte seinen Stolz nicht verbergen und verwies artig auf seine tüchtigen Mitarbeiter; die Herren von der Seestrasse, Erich Sauermann, Christian Schlenker und Bernd Blumenauer, nahmen’s mit dem Hauptpreis zwar höchst erfreut, aber auch sehr gemessen – schliesslich sind sie irgendwie auch Banker, wenn auch Spielbanker. Zwei philosophierende Italiener Luigi Pesaro und Maurizio Canestrini dagegen waren schlicht und einfach begeistert, und sie liessen ihren Gefühlen freien Lauf. Kurz zuvor hatten die beiden noch philosophiert und laut darüber nachgedacht, dass es gar nicht so einfach sei mit diesem Gastropreis. Vor allem, dann, wenn man anhaltend „gut“ sei. Canestrini war vor einem Jahr mit dem Hauptpreis ausgezeichnet worden. „Das war’s dann wohl für eine Weile“, sagte der „Pinocchio“-Chef , „es muss ja neue Preisträger geben, die Welt liebt die Abwechslung, egal wie gut man längerfristig ist.“ Da jubelten die leidenschaftlichen Gastgeber Eine Viertelstunde später war die Überraschung um so grösser, als Canestrini für sein „Pinocchio“ in der Kategorie „Internationale Spezialitäten“ seine zweite, wenn auch kleinere „Ingrid“ entgegen nehmen durfte. Und als gleich darauf Pesaro für sein Lebenswerk geehrt wurde, lagen sich die zwei leidenschaftlichen Gastgeber jubelnd in den Armen. Mit gefeiert hat Anna Pesaro, und für Maurizio Canestrini, der mit seiner Frau Silvia und mit seiner Tochter Olivia eine Zeitlang die Tanzfläche ausgreifend in Beschlag nahm, kam die zweite „Ingrid“ gerade noch rechtzeitig. Heute starten die Canestrinis zu einer siebentägigen Rundreise durch Nord- und Mittelitalien. Schon bald dürften die Gäste des „Pinocchio“ in den Genuss neuer kulinarischer Anregungen aus der Emilia, der Toskana und aus Umbrien kommen. „Der Dünnelekönig von Stadelhofen“ Erneut hat sich das Konzept der Preisverleihung bewährt. Zuerst war es eine Künstlerin, Andrea Mikschl, die als Jurymitglied die kleine, aber überaus feine Küche der „Cantina Rabaja“ würdigte, dann liess sich Herbert Reiner kundig aus über die Vorzüge der „Weinstube Franz Fritz“, um dann das Pult vorübergehend frei zu geben für Natalie Leiner, die die Vorzüge des „Pinocchio“ pries, bevor Reiner erneut als Laudator fungierte und Luigi Pesaro, den „Dünnelekönig von Stadelhofen“, würdigte. Engelsing lobt den Konstanzer Charakter Tobias Engelsing, erster Sprecher der Jury und seit neuestem Direktor der Konstanzer Museen, verwies nicht nur auf die Vorzüge des Casino-Restaurants, sondern nutzte die Gelegenheit von Ort und Stelle und wies auch auf eine allgemeine, segensreiche Charaktereigenschaft der Konstanzer hin. Sie hielten nun einmal viel vom Feiern, und so komme es, dass in einem Haus, das als Kloster erbaut worden sei, weniger gebüsst und gebetet, sondern immer wieder kräftig gefeiert werde. Die echte Ingrid und Bildhauer Peter Lenk Unter den 300 Gästen im Festaal des Inselhotels, der einige hundert Jahre lang die Kirche des Konstanzer Dominikanerklosters gewesen war, sah man zahlreiche Partner der Gastronomie, ferner den Schöpfer der bronzenen „Ingrid“, den Bodmaner Bildhauer Peter Lenk mit seiner Frau Bettina. Mit am Tisch die wahre, die leibhaftige Ingrid: Ingrid Wilms aus Herrenberg, die mit ihrem Mann ins „Insel“ gekommen war. Die gestandene Wirtin war es, die sich vor zehn Jahren als Modell für jene Frauenstatue zur Verfügung gestellt hatte, aus der vor vier Jahren der Konstanzer Gastro-„Oscar“ entwickelt wurde. Die Wiedemanns führten durch den Abend Durch den Abend führten Bärbel und Jürgen Wiedemann, die seit wenigen Monaten nicht nur das Hotel-Restaurant „Barbarossa“, sondern auch das „Viva“ in Litzelstetten betreiben. Wiedemann war es, der zusammen mit Dieter Wäschle („Petershof“) den Konstanzer Gastro-Preis aus der Taufe hob und mit ihm ein gesellschaftliches Ereignis, das der Konstanzer Gastronomie in neuer Art und Weise Aufmerksamkeit und Anreiz verschafft. Ein bezaubernder Chor aus Japanerinnen Zum Gelingen des Abends trug ganz wesentlich Jürgen Waidele mit seinem Ensemble bei, ferner ein Auftritt von Hans-Karl Rotzingers Karate Dojo, und für einen weiteren fernöstlichen Akzent sorgte neben der Speisenfolge ein Zwischenspiel des „Bisho-Chores“. Die auschliesslich aus Japanerinnen bestehende Gesangsgruppe bezauberte mit Liedern aus Fernost, deutschen und internationalen Weisen. Nebenbei war zu erfahren, dass mindestens zwei Konstanzer Wirte, Jürgen Wiedemann und Manfred Hölzl, durchtrainierte Karatekämpfer sind.
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