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24. Januar 2007 | Carlyle Group kauft Océ-Immobilien – 4 Hektar

Der „Expräsidenten-Club” greift nach Konstanz

Konstanz (gro) Die US-amerikanische Carlyle Group kauft das komplette Gelände und alle Bauten der Océ an der Max-Stromeyer-Strasse. Es sind rund 40.000 Quadratmeter Grundfläche. Das Grundstück ist zur Hälfte überbaut und etwa zweieinhalb Mal so gross wie das Areal, auf dem das Lago steht. Mit der Carlyle Group streckt der so genannte „Expräsidenten-Club“ seine Hände nach Konstanz aus. Den Spitznamen erhielt die mit ihrem Hauptsitz unweit des Weissen Hauses in Washington D.C. residierende Investmentfirma, weil einige ehemalige Regierungschefs zum engsten Beraterkreis der Firma gehören. Die Carlyle Group, die an mehreren Rüstungsfirmen beteiligt ist und auch in Immobilien investiert, gilt als eine der wirtschaftlichen Hauptnutzniesserinnen des Irakkrieges. Die vier Hektar große Erwerbung in Konstanz soll entwickelt und weiter verwertet werden.

Am 1. Februar unter Dach und Fach

Der Eigentumswechsel soll, wie man hört, zum 1. Februar vollzogen werden. Dabei dürfte es sich nur noch um eine Formsache handeln, denn die rechtlichen Grundlagen mit den wichtigsten notariellen Beurkundungen wurden allem Anschein nach bereits im abgelaufenen Jahr geschaffen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, Kenner der Situation schätzen, dass für die vier Hektar und die zum Teil neuen Bauten insgesamt knapp 20 Millionen Euro bezahlt werden. Die Stadt, deren Führungspersonal spätestens seit Mitte Dezember von dem bevorstehenden Eigentümerwechsel informiert gewesen sein dürfte, wird von ihrem Vorkaufsrecht keinen Gebrauch machen können. Dafür fehlen der Kommune die Mittel. Für die Mitarbeiter von Océ an der Max-Stromeyer-Strasse ändert sich nichts. Das Unternehmen bleibt dort zu Hause – nur dass es dort nun ab 1. Februar 2007 als Mietsache untergebracht ist.

25.000 Quadratmeter Nutzfläche in den Bauten

Die Konstanzer Tochter des Venloer Weltkonzerns Océ muss seit ihrer Restrukturierung mit einem überdimensionierten Raumangebot zurecht kommen. Der allergrösste Teil der Bauten mit einer Nutzfläche von rund 25.000 Quadratmetern ist fremdvermietet, unter anderem an die Siemens AG und an Altana/Nycomed. Der eigene Bedarf von Océ/ODT dürfte bei etwa 5000 Quadratmetern liegen. Zwar funktioniere „das Business mit dem Océ Business Park“, so hört man bei Océ, doch das eigentliche Geschäft sei es natürlich nicht.

Océ Konstanz wieder mit schwarzen Zahlen

Bis 2000 gehörte die stattliche Immobilie der CGK Computer Gesellschaft Konstanz mbH (die wiederum der Siemens AG zuzurechnen war). Océ erwarb seinerzeit die CGK mitsamt der Liegenschaften. Aus der CGK wurde die Océ Document Technologies GmbH (ODT), die sich mit aktuell gut 170 hochqualifizierten Mitarbeitern als ein weltweit führendes Unternehmen auf dem Gebiet der Zeichenerkennung und des automatischen, elektronisch gesteuerten Dokumenten-Managements behauptet und seit dem vergangenen Jahr, trotz anhaltend schwieriger Bedingungen auf dem globalisierten Markt, wieder schwarze Zahlen schreibt. Das Konstanzer Unternehmen ODT ist Ableger eines weltweit operierenden Konzerns, der mit Büroausrüstungen sein Geschäft macht. Hauptsitz von Océ ist das holländische Venlo, wo das Unternehmen, das heute in 80 Ländern 22.000 Menschen beschäftigt, im Jahre 1877 von dem Apotheker Lodewijk van der Grinten gegründet worden ist.

Ein Club mit dem Kapital von 44 Milliarden Dollar

Genau 110 Jahre jünger als Océ ist die Carlyle Group, benannt nach dem New Yorker Hotel „The Carlyle“, wo im Jahre 1987 die entscheidenden Sitzungen der Gründungsmitglieder stattfanden. Der Kontakt mit dieser Investmentfirma führt geradewegs hinein ins dynamische Herz des modernen Kapitalismus. Salim bin Laden, ein Halbbruder des Terroristen-Paten Osama Bin Laden, gehörte zu den ersten Geldgebern der Investmentfirma, die nach neuesten Schätzungen über ein Kapital von rund 44 Milliarden Dollar verfügt. Zu den Investoren zählen der Milliardär Georges Soros, der mit Währungsspekulation reich wurde, und die saudiarabische Familie bin Laden. Zwei Jahre vor dem ersten Golfkrieg wurde Frank C. Carlucci, ehemaliger US-amerikanischer Verteidigungsminister und CIA-Vizedirektor, ins Unternehmen geholt. Seitdem ging es mit der Carlyle Group steil bergauf.

Die Bushs, Fidel Ramos und John Major

Die beiden Bushs, sowohl der ehemalige US-Präsident Georges H. Bush als auch der derzeit amtierende Präsident Georges W. Bush, waren schon im Vorstand des Unternehmens beschäftigt. Zum engen Beraterkreis der Carlayle Group gehört nicht nur John Major, der das Vereinigte Königreich von 1990 bis 1997 als Premierminister und unmittelbarer Vorgänger Toni Blairs regierte, sondern auch der philippinische General und ehemalige Staatschef Fidel Valdez Ramos (der in den USA studierte und diente und für die Amerikaner in Korea kämpfte). Nach wie vor ist auch Bush senior für Carlyle tätig. Daher der Spitzname „Expräsidenten-Club“, der nicht zuletzt durch die exzellenten Beziehungen ehemaliger Politiker in kurzer Zeit eine der erfolgreichsten Investmentfirmen dieser Welt geworden ist.

Börsenwert um sagenhafte 800 Prozent gesteigert

In Deutschland ist die Carlyle Group an einigen Automobilzulieferfirmen beteiligt. Zur Zeit läuft die Übereignung einer Tochterfirma der Bayer AG, die für 1,2 Milliarden an die Finanzinvestoren Advent International und die Carlyle Group geht. Derzeitiger Chef der Carlyle Group, die keine Geschäftszahlen veröffentlicht, ist seit dem 1. Januar 2003 Louis Gerstner Jr. (64). Er gilt als genialer Unternehmer. Zuvor hatte Gerstner die vom Absturz bedrohte IBM saniert und zwischen 1992 und 2002 den Börsenwert von Big Blue um 180 Milliarden Dollar gemehrt. Der Kurswert der IBM-Aktie stieg während dieser neun Jahre um ebenso sagenhafte 800 Prozent.

„Positiv für die Zukunft von Konstanz“

Wirtschaftsbosse sehen in dem Zugriff des „Expräsidenten-Clubs“ auf die Océ-Immobilie „durchaus positive Aspekte“ für Konstanz. Es zeige das Interesse an diesem Standort. Die Investoren engagierten sich schliesslich deshalb, weil sie sich ein Geschäft versprächen. Ein solches Geschäft, so heisst es, könne vom Wohnungsbau über den Handel bis hin zur Industrieansiedlung und zu Schulungsstätten reichen. Die vier Hektar seien schliesslich komplett erschlossen und auch verkehrstechnisch, sowohl an die Bahn als auch ans Strassennetz, bestens angeschlossen.

Quellen: u.a. www.wikipedia.de; www.heise.de; www.computerwoche.de; faz.net



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