Groteskes Spiel am Himmel des umstrukturierten Konstanzer Kulturbetriebs: Wo sich die einzelnen Kulturinstitute eigentlich besser abstimmen sollten, wird zum Auftakt der Neuformierung innerbetriebliche Abzocke praktiziert. Philharmonie-Intendant Christian Lorenz (Bild) schickt sich an, den kompletten Zuschuss für Konstanz aus dem Stuttgarter Topf fürs Bodenseefestival 2007 zu kassieren. Es sind über 70.000 Euro. Das Stadttheater unter der Leitung von Christoph Nix geht dagegen leer aus. Angeblich, weil ein allfälliger Zuschuss zu spät beantragt worden ist. Tatsächlich aber geht das Stadttheter doch wohl deshalb leer aus, weil Lorenz sich frühzeitig den ganzen Zuschuss gesichert hat. Möglich wurde diese eklatante Ungerechtigkeit unter anderem auch deswegen, weil das Konstanzer Kulturamt per Verwaltungsanordnung gegen den Willen des Gemeinderats abgeschafft wurde. Der angeblich ahnungslose Christian Lorenz Von Beginn an, seit 19 Jahren, ist das Stadttheater Konstanz eingebunden ins Bodenseefestival. Nun soll es sich plötzlich zu spät gemeldet haben? Genau das war jedenfalls im „Südkurier“ nachzulesen. Christoph Nix habe das in Frage kommende Stück („An der Arche um Acht“) zu spät annonciert, hieß es dort. Deshalb werde der für Konstanz vorgesehene Zuschuss komplett an die Philharmonie überwiesen. Lorenz, so war ferner nachzulesen, habe im Übrigen keine Ahnung von diesen Vorgängen“. „Aus finanziellen Gründen nicht möglich“ Dabei heißt es in einem schriftlichen Bescheid ans Theater wörtlich: „Der wesentlichste Grund für diese Entscheidung ist, dass wir mit der Südwestdeutschen Philharmonie eine Zuschussvereinbarung getroffen haben, die nahezu die Hälfte des Zuschusses des Landes Baden-Württemberg zum Internationalen Bodenseefestival ausmacht.“ Die andere Hälfte ist, wie in früheren Jahren, für die Stadt Friedrichshafen vorgesehen. „Eine Bezuschussung Ihres Theaterprojektes“, so heißt es seitens der Festivalleitung gegenüber dem Stadttheater Konstanz weiter, sei „aus finanziellen Gründen nicht möglich.“ Das Schreiben wurde im Anschluss an eine Sitzung des Festival-Aufsichtsrates am vergangenen Donnerstag in Friedrichshafen verfasst. Obwohl in dieser Sitzung der Haushaltsplan fürs Festivaljahr zu verabschieden war, fehlte ein Vertreter aus Konstanz. Einstimmig sprach sich das von überseeischen Interessenvertretern entblößte Festival- Gremium dagegen aus, das von Nix vorgeschlagene Theaterstück finanziell zu unterstützen. Bürgermeister Boldt hatte zu dieser Zeit im Konstanzer Gemeinderat zu tun, und Waltraut Liebl-Kopitzki, die früher als Kulturamtsleiterin die Konsanzer Interessen vertrat, ist mittlerweile angehalten, sich nach Möglichkeit aus der Kultur herauszuhalten. Das Kulturamt hatte für die Kommunikation gesorgt Auch Christian Lorenz konnte nicht an der Aufsichtsratssitzung in Friedrichshafen teilnehmen; auch er zog eine Präsenz im heimischen Gemeinderat vor. Er wusste ja sein Schäfchen im Trockenen. Dafür hatte er in früheren Sitzungen der Festival-Programmkommission gesorgt. In solchen Sitzungen war, wie man hört, immer wieder auch ein Beitrag des Stadttheaters nachgefragt worden. Christoph Nix war allerdings nie darauf angesprochen worden. Das ist umso verwunderlicher, als die von Oberbürgermeister Horst Frank ins Leben gerufene „Arbeitsgruppe Kultur“ für eine bessere Abstimmung der kommunalen Kulturinstitute sorgen soll. Bisher hatte das Kulturamt in solchen Angelegenheiten für die nötige Abstimmung gesorgt. Liebl-Kopitzki soll mit ihrem neuen Amt über den Rhein Doch das Kulturamt ist inzwischen per Verwaltungsdekret unter ausdrücklicher Ausschaltung des Gemeinderats aufgelöst, verkleinert und im Rahmen einer Neuorganisation des Kulturbereichs in das „Amt für Schulen, Bildung und Wissenschaft“ umbenannt worden. Die gegenüber Frank und Boldt möglicherweise etwas zu selbstbewusste Waltraut Liebl-Kopitzki soll sich in kulturellen Dingen möglichst zurückhalten. Für eine solche Einschätzung spricht unter anderem, dass sie mit ihrem umbenannten und verkleinerten Amt, das gefährlich nahe am Altstadt-Kulturzenrum liegt, fortziehen soll, und zwar auf die andere Seite des Rheins, ins Torkelgebäude neben dem Landratsamt.
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