Boldt gibt den gerechten Hausvater
Konstanz (gro) Der für die Kultur zuständige Bürgermeister Claus Boldt hat anscheinend dafür gesorgt, dass das Stadttheater im Rahmen des diesjährigen Bodenseefestivals nicht leer ausgeht. Der für Konstanz zur Verfügung gestellte Festival-Zuschuss aus der Landeshauptstadt soll nicht allein der Südwestdeutschen Philharmonie zu Gute kommen, sondern aufgeteilt werden und zum Teil auch ans Theater fließen. Noch vor wenigen Tagen hatte es geheißen, das Stadttheater habe sich zu spät gemeldet, deshalb gehe das Fördergeld in Höhe von rund 70.000 Euro komplett ans Orchester. Dessen Geschäftführer, Christian Lorenz, habe die Ansprüche des Klangkörpers schon früh annonciert, allerdings nicht darauf geachtet, dass dem Theater womöglich ein althergebrachter „Zustupf“ vorenthalten werden könnte.
Lorenz muss nun allem Anschein noch einmal Abstriche machen. Schon bei der kompletten für Konstanz bestimmten Summe von etwa 70.000 Euro habe es sich um einen „Kompromiss“ gehandelt, erklärte die Festivalleitung vergangene Woche. Dass das Stadttheater nicht auch noch habe berücksichtigt werden können, habe vor allem finanzielle Gründe. Das Stadttheater, das seit 19 Jahren, also von Beginn an, mit Eigenproduktionen am Bodenseefestival teilnimmt, hatte 28.000 Euro für die Produktion des Jugendstücks „Um Acht an er Arche“ beantragt.
Nach der Ablehnung durch den Aufsichtsrat des Festivalaufsichtsrats am Donnerstag vergangener Woche in Friedrichshafen, einer entscheidenden Sitzung, an der die Konstanzer Vertretung durch Abwesenheit glänzte, kam es zu Vorwürfen, denen sich vor allem Philharmonie-Geschäftsführer Lorenz ausgesetzt sah. Er muss nun, wie es scheint, nochmals zurück stecken. Weiter bescheiden muss sich ferner wohl auch Friedrichshafen, damit dem Stadttheater Konstanz wenigstens ein Teil der beantragten Fördergelder zufließen kann.
Noch vor drei Tagen war zu befürchten, dass die Zuschussfrage trotz ihrer offensichtlich ungerechten Ausformung diesmal ungelöst bleiben würde. Als dornroeschen gegenüber Boldt am vergangenen Montag anregen wollte, den der Philharmonie bereits gewährten Zuschuss aufzuteilen und die Gelegenheit zu nutzen, als guter Hausvater der Konstanzer Kultur für einen gerechten Ausgleich zu sorgen, gab’s eine herbe Abfuhr. Der Kulturdezernent, so hatte selbiger über Stadtsprecher Walter Rügert ausrichten lassen, sehe „keinen Anlass, die Angelegenheit zu kommentieren“. Umso schöner, dass Boldt nun doch den guten Hausvater zu geben scheint.





