Johannes Dörflinger und die unsterblichen Irrtümer
Konstanz/Kreuzlingen (gro) Mit 22 Skulpturen aus feuerbeschichtetem Edelstahl definiert Johannes Dörflinger ein Stück deutsch-schweizerischer Grenze ganz neu – und wirkt damit nebenher einigen anscheinend schier unsterblichen Irrtümern entgegen. So oft es auch behauptet worden ist: Niemals stand auf dem 300 Meter messenden Grenzabschnitt zwischen Gleisanlagen und See ein „Nazi-Zaun“; auch wenn das Geburtsjahr der vor fast 9 Monaten niedergerissenen Grenzbefestigung erst in diesen Tagen wieder einmal mit 1940 angegeben wurde: Das heutige Gebiet Klein Venedig gab es damals noch gar nicht. Es wurde erst in den 50er und 60er Jahren aufgeschüttet, und zwar mit Schutt und Müll. Die Deponie wurde schließlich begrünt und entlang des Grenzverlaufs 1973 mit einem Maschendrahtzaun bestückt. Dörflingers Skulpturen sind, selbst wenn auch das immer wieder erklärt wird, keineswegs in der Lage, den ollen Maschendrahtzaun zu ersetzen. Die Kunstgrenze sorgt, ganz im Gegenteil und auf eine souveräne Weise, für eine neue, bewusst erlebbare Durchlässigkeit dieses Grenzabschnitts. Mit anderen Worten: Eine Grenze, die nicht mehr trennt, kann sich endlich sehen lassen.
Die Skulpturen entstanden nicht nur im Kopf und im Herzen des Künstlers. Sie sind das Ergebnis eines mehrjährigen Entwicklungsprozesses, an dem sich Architekten, Statiker, Ingenieure, Handwerker und nicht weniger als 16 Behörden zwischen Bodensee, der Zentralschweiz und Brüssel beteiligten. Nicht deswegen empfinden manche Betrachter, vielleicht durchaus im Sinne ihres Schöpfers, die Kunstwerke als abstrahierende Momentaufnahmen von Gesten der Bewegung, des Tanzes, des Suchens und des Staunens. Die Skulpturen begrüßen, leuchten und berühren.
Bis ins alte Ägypten und in das sagenhafte Atlantis
Zu bestaunen ist allerdings auch, dass sich der Künstler gegen den Vorwurf wehren muss, er habe esoterische Anwandlungen. Weil er, Johannes Dörflinger, seine Skulpturen in Verbindung stelle mit den Großen Arkana, den großen Trümpfen oder Figuren des Tarot. Auch hier begegnen wir einem fundamentalen Irrtum. Zunächst vor allem insofern, als unterstellt wird, die Auseinandersetzung mit den Hintergründen eines Kartenspiels, dessen mythische Wurzeln womöglich bis ins alte Ägypten und das sagenhafte Atlantis zurück reichen, sei etwas Unmoralisches oder gar Gefährliches.. Zweitens wird anscheinend übersehen, dass es geradezu typisch ist für die Kunst, sich mit einem Phänomen wie dem “Tarrochi” und seinen Figuren zu beschäftigen. Das machte schon Albrecht Dürer, das machte Dali und das machte Nicki Saint Phalle mit Jean Tinguely. Die beiden Künstler schufen in 15-jähriger Arbeit den inzwischen weltberühmten Tarot-Garten, übrigens auch an einer Grenze, wenn auch nur an der Grenze zwischen der Toskana und Umbrien.






Mag ja sein, dass es künstlerisch “wertvolle” Kunst darstellt. Aber an dieser exponierten Lage hätte ich mir doch gewünscht, dass man einen Bezug zur lokalen Geschichte oder aktuellen Gegebenheiten herstellt. Aber wer weiss, vielleicht findet ja jemand heraus, dass auch in Konstanz vor zig hundert Jahre schon einmal irgendein Postbote ein Tarrot-Spiel initiiert hatte. Dann wäre es natürlich wirklich klasse, was wir da nun stehen haben
Ansonsten kann ich nur sagen: vollkommener Blödsinn! Kunst hin oder her, aber das ist einfach nur Schrott ohne jeglichen Bezug zu unserer Kultur. Aber das scheint wohl der Zeitgeist zu sein…
Wie wärs mit “Kunst als Sieg über den Geschmack”? Das träfe es eher … Was nix koscht, kann itt gut sei.