Müller-Fehrenbachs lyrische Grenzüberschreitung
Konstanz/Kreuzlingen (gro) Ein Politiker als Lyriker - viele Konstanzer und Kreuzlinger Nachbarn ließen sich den ersten öffentlichen Auftritt des CDU-Gemeinde- und Kreisrats Woilfgang Müller-Fehrenbach nicht entgehen. Gisela Auchter, eine „MüFe“-Kennerin, war dabei und schildert den denkwürdigen Abend im Kreuzlinger Museum Rosenegg.
Als „Homo Politicus“ war er in der Presse, auch im „dornroeschen“, angekündigt worden; als einer, der über eine „ansehnliche Stimmkraft“ verfüge, und das bereits seit Jahrzehnten in Ausübung vieler öffentlicher Ämter, insbesondere in kulturellen Belangen, sowie als Verfechter eines adäquaten Konzerthauses für Konstanz und seine Philharmonie sowie als Sänger und Vorsitzender des Sinfonischen Chors. Als Ergänzung dieser Vielseitigkeit – sozusagen in Form einer „see-alemannischen Grenzüberschreitung“ – konnten die Konstanzer einschließlich der unmittelbaren Schweizer Nachbarn ihn nunmehr von einer ganz neuen, „romantischen“ Seite kennen lernen: als Lyriker, und zwar in einer Lesung eigener Werke im Kreuzlinger Museum Rosenegg. Die Sängerinnen und Sänger des Sinfonischen Chors wissen es besser. Es ist dort längst ein liebgewordener „alter“ Brauch, dass „MüFe“ sie anlässlich ihrer Jahresabschlussfeiern mit einem seiner aktuellsten, meist noch tintenfeuchten Gedichte in die Weihnachtsferien entlässt.
Das wusste und weiß auch Helen Wittenauer, die langjährige Stimmbildnerin im Sinfonischen Chor. Sie war es, die die Idee hatte, tatkräftig die Initiative ergriff und als Mitglied des Stiftungsrates des Museums Rosenegg das Forum für „MüFe’s“ erste öffentliche Lesung organisierte. Das Museum versteht sich nicht zuletzt auch als Begegnungsstätte der Menschen diesseits und jenseits des allmählich fallenden Grenzzauns.
Das Ambiente des geschmackvoll restaurierten Stucksaals gab den harmonischen Rahmen.
Dicht gedrängt saß das Publikum an jenem Adventssonntag. Schon nach wenigen Augenblicken hatte der Autor die Lacher auf seiner Seite. Aber nicht nur das. Gebunden in einen Strauß verschiedener Themenkomplexe wie „Mitenand uf de Weg go“, „Orte hübe un drübe“, „Noschtalgisches un Winsch“ nahmen die Adventsgedichte – „Vum erschte Advent bis Heiligobed“ – jahreszeitgemäß den größten Raum ein.
Schnell wurde den Zuhörern bewusst, dass sie es hier nicht nur mit viel Humor und Komik zu tun hatten, mit dem die kleinen Tücken und Missgeschicke des Alltags liebevoll geschildert werden. Denn es schwingt viel Tiefsinn, Wärme und Nachdenklichkeit in den Versen Müller-Fehrenbachs mit, die Liebe zu Natur und Heimat, zur Muttersprache und zu den eigenen Wurzeln, immer wieder auch die Erinnerung an Kindheitsträume und das Wissen um die Vergänglichkeit unseres Daseins. Nie wird der Ton scharf oder verletzend, stets bewahrt er Lyriker sich ein Lächeln in seinem Blick auf die Dinge des Lebens.
Umrahmt wurde der Lesenachmittag von der in Konstanz lebenden und aus der Schweiz stammenden Flötistin Constanze Brahn mit einer Corelli-Sonate. Auch dies eine Form des deutsch-schweizerischen Kulturaustauschs. - Schnell verflog die Zeit. Dankbarer Applaus und angeregte Unterhaltung im Anschluss bei einem Umtrunk, den das Museum mit Schweizer Gastfreundfreundlichkeit zur Verfügung stellte.
Gratulation zu einem erfolgreichen Debüt! Hoffen wir nun darauf, dass die Lyrik dieses leidenschaftlichen Beobachters des ganz normalen Lebens mit allem, was es umgibt, in Buchform oder auf Tonträgern einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich sein wird.
Gisela Auchter





