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11. Februar 2009 | Die neue Gagfah hätte gern 13 Millionen

228 Konstanzer Wohnungen im Angebot

Konstanz (gro) 228 Mietwohnungen im Bereich Alemannenstrasse, Markgrafenstrasse und Klingenbergstrasse sind neuerdings wieder auf dem Immobilienmarkt. Sie gehören der Gagfah I-Investment GmbH & Co. KG (Essen) und haben eine Wohnfläche von insgesamt gut 12.000 Quadratmetern. Die Gagfah hätte für ihr Gesamtpaket gerne mindestens 13 Millionen Euro. Fachleute halten diese Erwartung für überzogen. Den Mietern, denen angesichts eines drohenden Eigentumswechsels auch in diesen Tagen nicht allzu fasnächtlich zu Mute sein dürfte, wurden die Wohnungen bislang nicht angeboten; die allermeisten wissen noch nichts vom beabsichtigten Weiterverkauf. Mit der Weitervermittlung der Gross-Immobilie ist anscheinend die landeseigene BW-Bank beauftragt worden.

Vor über 90 Jahren in Berlin gegründet

Mit dem Namen Gagfah, dem grössten deutschen, an der Börse gehandelten Wohnungsunternehmen, können die Wenigsten etwas Konkretes verbinden. Das ist kein Wunder, der Name ist ein Überbleibsel aus vergangenen Zeiten. Gegründet wurde die Gagfah als Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Angestellten-Heimstätten am 18. August 1918 in Berlin. Die Gesellschaft gelangte ins Eigentum der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), die die Gagfah im Jahre 2004 für 3,5 Milliarden Euro an die US-amerikanische Firma Fortress verkaufte.

Auch der Büdingen-Park gehörte der Gagfah

Zum Zeitpunkt des Verkaufs im Jahre 2004 hatte die Gagfah in Deutschland 81.000 Mietwohnungen unter ihren Fittichen. Inzwischen ist die Gagfah AG mit 175.000 eigenen und rund 25.000 verwalteten Wohnungen anderweitiger Eigentümer zum grössten börsennotierten Wohnungsunternehmen Deutschlands angewachsen. Sitz der Aktiengesellschaft ist seit 2004 Luxemburg, wo die US-amerikanische Konzern-Mutter, die Fortress Investment Group LLC, mit 51,22 Prozent die absolute Mehrheit an der Gagfah hält, der einst eine Zeitlang auch das umstrittene Büdingen-Gelände an der Seestrasse gehörte.

Herbert Weber: „Noch ist die Mieter-Struktur gesund“

Die Mietwohnungsanlagen der Gagfah entlang der Markgrafenstrasse wurden nach dem zweiten Weltkrieg errichtet und vor gut 10 Jahren „light saniert“. Herbert Weber, seit fast 34 Jahren Vorsitzender des Mieterbunds Bodensee, hält die Preisvorstellungen der Gagfah für „gefährlich“. Die Mieterstruktur in den fraglichen Mietshäusern sei „gesund“. Doch das werde sich schnell ändern, wenn bei einem Verkauf überzogene Preise erzielt würden. Weber hält einen Quadratmeterpreis von 800 Euro pro Quadratmeter für „angemessen“. Ein solcher Preis, sagt Weber, der auch als Gutachter gefragt ist, mache „auskömmliche Mieten“ und „notwendige Sanierungen“ möglich. Es gebe einen ansehnlichen Sanierungsstau, den Mietshäusern mangele es unter anderem an dringend erforderlicher Wärmedämmung.

„Belange der Mieter von grösster Bedeutung“

Herbert Webers Einschätzungen hin oder her: Die Gagfah I-Invest GmbH & Co KG will jedenfalls, wie man hört, gut ein Drittel mehr erlösen für ihre 228 Konstanzer Wohnungen im Markgrafen-Viertel, insgesamt rund 13 Millionen Euro. „Die Belange der Mieter sind für uns von grösster Bedeutung“, heisst es in einer aktuellen Selbstdarstellung der Gagfah S.A Luxemburg. Deswegen seien „die umfangreichen Mieterschutzregelungen, die wir in Sozial-Chartas formuliert und festgeschrieben haben, ein Ausdruck unseres sozialen Handelns“. Dazu war gestern, trotz mehrfacher Versuche dornroeschens, weder in Luxemburg, noch in Essen, noch bei der BW-Bank Näheres zu erfahren.



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