Kahlschlag an der Rebbergstrasse
Konstanz (gro) Schwer zu sagen, was schwerer wiegt: Uli Stiers Empörung oder seine Verletztheit. Zusammen bilden sie den Stoff, aus dem Verdrossenheit erwächst, Verdrossenheit gegenüber Politikern und der Politik, die sie machen. Gegenüber einer Politik, die sich offenbar nicht an vernünftigen Massstäben und Gerechtigkeit, sondern an Interessen orientiert. Diese Art von Politik, so sieht es Uli Stier, hat seit dem vergangenen Wochenende ein Gesicht: den rabiaten Kahlschlag an der Rebbergstrasse. Dort ist am Fusse spitälischer Weinberge auf dem Grundstück Rebbergstrasse 16 ein landschaftlich prägender Baumbestand umgelegt worden. Zehn Bäume, darunter mächtige Tannen, wurden niedergemacht. Die Rebbergstrasse ist in Aufruhr.
Es begann mit dem Tod von Gaby Tschor
Noch im vergangenen August hatte das Baurechtsamt mitgeteilt, dass höchstens 5 der zehn Bäume gefällt werden dürften. Dieser Bescheid, datiert vom 5. August 2008, ging schriftlich an den oben genannten Uli Stier. Ihm gehört das Nachbargrundstück Rebbergstrasse 14. Er hätte das daneben liegende Anwesen gerne erworben, zumal sein Häuschen die eine Hälfte des Doppelhauses ist, dessen andere Hälfte auf dem fraglichen Nachbargrundstück liegt. Es stand samt Grundstück zum Verkauf, nachdem Gaby Tschor, die Eigentümerin, verstorben war.
Den Testamentsvollstrecker unter Druck gesetzt
Uli Stier war sich mit dem Testamentsvollstrecker von Gaby Tschorr einig geworden. Gemäss nachvollziehbarer Schätzungen und Verkäufen in der Nachbarschaft war ein Preis von 375.000 Euro für die Hinterlassenschaft ermittelt und für angemessen befunden worden. Am 12. August, der Notariatstermin war vereinbart, sollte der Vertrag besiegelt werden, die 375.000 Euro würden zu drei gleichen Teilen an den Tierschutzverein Konstanz, an eine Kinderklinik und an ein Blindenheim fliessen, genau so, wie es die Verstorbene in ihrem Testament verfügt hatte. Doch am Vorabend des Notartermins, am 11. August 2008, meldete sich Rechtsanwalt Dieter Fulde beim Testamentsvollstrecker. Fulde warnte ihn nachdrücklich vor einem Verkauf des Grundstücks an Uli Stier, ja, Fulde habe eine solche Transaktion regelrecht „verboten“.
Verkauf unter Dieter Fuldes Regie
Dieter Fulde, usprünglich für die FDP, damals aber schon für die Freien Wähler im Stadtrat, ist Zweiter Vorsitzender des Konstanzer Tierschutzvereins. Fulde erklärte sich gegenüber dem Testamentsvollstrecker auch als Beauftragter von Blindenmission und Kinderklinik. Jedenfalls beharrte Fulde nach Erkenntnissen Stiers unnachgiebig auf einem Verkauf des Grundstücks Rebbergstrasse 16 gemäss seiner, Fuldes, Regie. Dadurch sagt Uli Stier weiter, sei ihm klar gewordenes, dass es dem Anwalt vor allem darum gegangen sei, das Grundstück ins Eigentum des von ihm, Fulde, selber ins Spiel gebrachten Bauträgers zu bringen.
Verkauf ging planmässig über die Bühne
Deswegen, so vermutet man in der Rebbergstrasse, habe es auch nichts genützt, dass Uli Stier, der brüskierte Grundstücksnachbar, zunächst gute Miete zum bösen Spiel gemacht und sich bereit erklärt habe, sein Preisangebot für das Grundstück zu erhöhen. Doch Stier fand kein Gehör, und das Grundstück ging, offenbar gemäss Fuldes Wunsch, an die Konstanzer Bauträgerfirma BDS. Im Auftrag der neuen Grundstücksbesitzer sind nun zum vergangenen Wochenende 10 zum Teil mächtige Bäume gefällt worden.
Kahlschlag ist die logische Konsequenz
Der Kahlschlag ist kein Wunder, schliesslich soll auf dem 830 Quadratmeter grossen Hanggrundstück ein geräumiges Wohngebäude mit mindestens vier grosszügigen Wohneinheiten entstehen. Zum Vergleich: Nachbar Uli Stier wollte überhaupt nicht neu bauen, sondern die benachbarte Doppelhaushälfte, ein kleines Einfamilienhaus, sanieren, vermieten und dort später seine Mutter unterbringen.
Es gibt immerhin 30 Einsprüche
Soweit, so bedauerlich? Weit gefehlt, denn es geht nicht nur um Bedauerliches und um die Empörung eines Jazz-Saxophonisten namens Uli Stier: Die halbe Rebbergstrasse ist angesichts des kommunalrechtlich gestatteten Kahlschlags in Aufruhr. Und auch das ist kein Wunder. Schliesslich gab es gegen das Bauvorhaben in der Rebbergstrasse sage und schreibe 30 Einsprüche; darunter ist auch ein Einspruch der Spitalstiftung. Doch die Baugenehmigung samt der amtlichen Zurückweisung aller Einsprüche wurde in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses mehr oder weniger abgenickt. Kaum jemand beschäftigte sich mit der Angelegenheit näher, sondern erklärte sie mehr oder weniger schnell und wunschgemäss für „erledigt“.
Der Technische Ausschuss als Alibi-Veranstaltung
Dass es so kam, dürfte auch am Baudezernat gelegen haben, das den betreffenden Punkt erst sehr spät auf die Tagungsordnung setzen liess. Andererseits dürfte es sich bei der fraglichen Baugenehmigung um eine Angelegenheit gehandelt haben, die von der Stadtverwaltung selbst zu entscheiden ist, also gar nichts zu suchen hat in einem gemeinderätlichen Gremium wie dem Technischen Ausschuss.
Das mag formaljuristisch seine Ordnung haben. Dann aber, so sehen es kommunalpolitisch immer noch interessierte Beobachter, hätte das Baudezernat darauf verzichten sollen, diese Angelegenheit in einer öffentlichen Sitzung eines parlamentarischen Gremiums der Kommune behandeln zu lassen. Denn nun wirkt das wie der Versuch, den Technischen Ausschuss für eine Art Alibi zu benutzen – für eine Entscheidung, bei der man sich „nicht so ganz wohl“ gefühlt habe.






Ich finde es auch sehr heftig, was da in der Rebbergstraße passiert. Ein Vertrag, der fast schon unterschrieben ist. Ein Rechtsanwalt, der unter Drohungen das Objekt einer Baugesellschaft zuschanzt und damit ein ganzes Straßenbild durch das Fällen von 10 großen Tannen für immer entstellt und mit dem Abriss einer Doppelhaushälfte - das ist wirklich der Hammer - die andere Hälfte einfach “im Regen, bzw. im Schnee” stehen läßt. Der Gedanke, die Mutter in die zweite Doppelhaushälfte zu holen. Ethik und Optik scheinen keine Rolle mehr zu spielen, wenn es im “Haifischbecken” zu brodeln beginnt. Ich bin entsetzt über diese Machenschaften und hoffe nur, dass die vermeintlichen “Sieger” selbst einmal diese Ohnmacht am eigenen Leib spüren werden.
Wolfgang Starke
Schwedenschanze 13
Wieder ein Fall für den Wachtmeister! Bin heute durch die Rebbergstraße gefahren, um mir das Ganze mal anzusehen. In der Tat, da wurde gnadenlos Tabula Rasa unter dem Gehölz gemacht. Wie es aussieht, wenn dazu noch eine Doppelhaushälfte abgerissen wird, kann man nur ein paar Dutzend Meter weiter in der selben Strasse sehen. Da ist das nämlich schon passiert. Es sieht wirklich grausam aus und ist es auch. Es ist wohl nichts mehr sicher in Konstanz, nicht die letzte Idylle.
So weit. Pikant aber ist, das Herr Stier in der Vergangenheit wiederholt durch große Sturheit, Unversöhnlichkeit, Machtstreben und Gewalttätigkeit auch und gerade gegen eigene Familienangehörige aufgefallen ist. Insofern dürfen seine “edlen Motive” und die Art seines Verhandlungsverhaltens sehr wohl angezweifelt werden. Nun hat sich vorher Erwähntes wohl mal gegen ihn selbst gewandt.
Dass gerade ihm jetzt so ein prinzipiell bedauerliches Geschick zuteil wird, könnte von manchem seiner “Opfer” als eine Art ausgleichende Gerechtigkeit angesehen werden. Zwitschern da nicht ein paar Vögelchen: Recht gschieht Dir, Uli Stier?
Schon im ersten Bericht zu diesem Thema im Oktober hatte ich die redlichen Absichten des Uli Stier angezweifelt. Natürlich hat Herr Stier vehement bestritten, dass ihm Anderes als die Rettung der Bäume vorschwebt. Ich würde es ihm gerne glauben…
Aber in Kommentaren zu SÜDKURIER-Artikeln liest sich, dass Uli Stier sein Grundstück meistbietend an einen Bauträger verkaufen möchte. Und wofür hat er sich bereits im August des letzten Jahres darum gekümmert, welche Bäume auf seinem Nachbargrundstück zu fällen möglich sind?
Natürlich wird er für alles eine gute Erklärung parat haben. Aber berechtigte Zweifel bleiben…
lieber Herr Wachtmeister,
über den ersten Teil Ihres Kommentars müssen wir ja immerhin nicht streiten. Zum zweitenTeil: Wenn Sie schon andere Mitmenschen angreifen, sollte es der Wahrheit entsprechen, was Sie schreiben und fairer Weise auch mit dem richtigen Namen unterschrieben werden. Im übrigen gehöre ich nicht zu denen, die meinen, alles richtig zu machen. Auch ich habe schon Fehler gemacht, leider, zu denen ich aber auch stehe.Manche kann ich leider nicht rückgängig machen.
Lieber Herr Neumann,
schade auch, daß Sie nicht mit dem richtigen Namen unterschreiben. Nur weil ich im Südkurier ein Inserat aufgebe, muß ich noch lange nicht mein Grundstück an einen Bauträger verkaufen wollen. Sie haben leider nicht viel Fantasie!Ich habe einfach nur mal die Lage sondiert und das Ergebnis war erschreckend. Im übrigen kann jedermann in die Rebbergstr. kommen und schauen, welches Grundstück ihm besser gefällt und wo überhaupt noch Bäume stehen: bei mir Nr. 14 oder bei der BDS ( Nr. 16 und 10 und 12)
Was anscheinend für viele in Konstanz undenkbar ist: Ich wollte einfach nur endlich, ohne Konflikte, ohne Gestank u. div. andere Belästigungen wie früher friedlich und in Ruhe mit meiner Tochter im Grünen und einigermaßen in Ruhe wohnen.
Uli Stier