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25. April 2009 | Olga und Natascha schicken Musikpaket fürs Theatercafé

Brandneuer Russen-Pop aus Minsk

Konstanz (gro) Russendisco heute im Theatercafé: Mit den allerneuesten heissen Scheiben aus dem musikalischen Untergrund der weissrussischen Millionenmetropole Minsk wird im Theatercafé der Endspurt einer Ära eingeläutet. Gerade noch rechtzeitig traf das gutverschnürte Paket in der Oberen Augustinergasse ein, bei Peter Thum (Bild), der heute im Café an den Turntables stehen wird, um das Volk mit einer Musik zu rocken, die von Berlin her in den vergangenen 10 Jahren mehr als nur einige Winkel westeuropäischer Diskotheken erobert hat. In acht Tagen schliesst das von Donath Heppeler 1985 gegründete Theatercafé – um nach einem Totalumbau zum Sommerbeginn ganz neu aufzumachen.

Mehr als 300.000 Hinweise in 0,19 Sekunden

Wer im Internet mit der Suchmaschine Google nach Beiträgen zu Russen-Pop und –Rock fahndet, erhält in 0,19 Sekunden Hinweise auf nicht weniger als gut 300.000 Internetseiten mit Informationen zum Thema. Wer ein bisschen russisch kann, wird besonders gut bedient via www.zvuki.ru. Aber auch sonst ist an Auskünften keine Not.

Russendisco mit Wladimir Kaminer

Vor allem Foren sind geeignet, die musikalische Modeerscheinung namens Russendisco näher zu bringen. In Kreisen des Konstanzer Bildungsbürgertums gehört das Thema seit einer Woche sogar zum guten Ton. Russendisco war auch letzten Samstag, da allerdings im Theaterfoyer, im Anschluss an eine Lesung von Wladimir Kaminer, dem Wahlberliner russischer Herkunft, der seinen Lesungen („Russendisco“!) aus eigenen Werken allenthalben die musikalische Entsprechung gekonnt anzufügen versteht.

Stranniki, Lesnye Bratya, Zemfira und Jolka

Zu den grossen Namen des Genres namens Russendisco gehören Rockbands wie „Stranniki“ oder „Lesnye Bratya“, die in den „Beatles“ und den „Rolling Stones“ ihre Vorbilder sahen. Heutzutage werden die Sängerinnen Zemfira und Jolka angehimmelt, und meistens sind es in der Russendisco einfach Coverversionen, die da gespielt und gehört werden. Aber was für welche!!

Vom Reggae bis zum Tango

Nichts ist inzwischen sicher vor den russischen Popmusikern. Was zunächst wie ein Reggae daherkommt, entwickelt sich nach einer Minute zu einem von House-Elementen durchsetzten Tanz in Wolgagefilden; kubanischer Son wird von den famosen Russen musikalisch ebenso integriert wie Blues und Tango, Czardasch und Sirtaki, Rumba, Merengue und Samba. Und das ist gut so. Denn die Russen impfen die manchmal gar zu artifiziell gewordene Popularmusik mit ihren eigenen Elementen so wunderschön leidenschaftlich, dass daraus fast immer eine neue, passionierte, auf jeden Fall aber höchst sentimentale Musik erwächst.

Es war eine nicht ganz leidenschaftslose Affäre

Ach ja, Natascha und Olga. Peter Thum kennt die beiden jungen Frauen persönlich. Eine vermutlich nicht ganz leidenschaftslose Affäre, so ist aus weissrussichen Geheimdienstkreisen um Alexander Lukaschenko zu erfahren, machte den Anfang einer Geschichte, die zunächst als ganz normaler interkultureller Austausch konzipiert war. Es kam aber allem Anschein nach zu Weiterungen, nachdem Thum von Vilnius (Litauen) her mitten im russischen Winter des Jahres 2006 nach einer längeren Bahnfahrt in einem verlassenen Grenzort von Olga aufgegriffen worden war, die ihn schliesslich durch einen anhaltenden Schneesturm, der mehrere Zwischenhalte nötig machte, nach Minsk chauffierte.

Bewährte Kontakte bis heute erhalten

Seinerzeit kam Thum erstmals mit russischer Popmusik in Kontakt. Schnell wurde daraus herzliche Zuneigung. Sie schlug sich dann nieder in einigen musikalischen Abenden, die im seinerzeitigen „Laugele“, beim algerischen Berber Said Kendriche, am Fischmarkt, über die nächtliche Bühne gingen. Die Kontakte blieben erhalten. Bis heute versorgen Olga, und nun neuerdings auch Natascha, Peter Thum in mehr oder weniger regelmässigen Abständen mit den neuesten Produkten der mittlerweile fast schon etablierten Russendisco. Foto: Frieder Schindele | TMW



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