Erschütternde Konfusion
Konstanz (gro) Im Gemeinderat geht es heute auch um den Zeitplan für projektierte Neubauten am Klinikum, vor allem um den Trakt, in dem das Vincentius-Krankenhaus eine neue Bleibe finden soll. Die Nachfrage zum Zeitplan kommt von der Freien Grünen Liste (FGL). Das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) hat in seinem Ende Dezember vorgelegten Gutachten auch diesen Bereich untersucht. Die Düsseldorfer Experten zeigten sich, wie es in einem für den internen Gebrauch gedachten Papier festgehalten ist, „tief erschüttert“ über „die vorgefundene Konfusion bei den Baukosten“ und über die „notfallmässige Umplanung“. Gemeint ist die erst Ende November 2008 vom Gemeinderat nachträglich angeordnete Verlagerung des Neubautraktes von der Nordseite des Klinikbaus auf dessen Südseite.
Umplanung kostet mindestens 1 Million Euro
Das damalige Doppel-Direktorium des Klinikums unter Martin Stuke und Gert Müller-Esch hielt trotz wiederholter Mahnungen des Baurechtsamts viel zu lange an der Absicht fest, den Neubau hinter der Häuserzeile entlang der Allmannsdorfer Strasse auf der Südseite des Klinikums errichten zu lassen. Erst als gegen Endes vergangenen Jahres vom Regierungspräsidium Freiburg klargestellt worden war, dass angekündigte Einsprüche von Anwohnern gute Aussichten auf Erfolg hätten, lenkte die Klinikleitung ein. In aller Eile wurde nach dem oben genannten Beschluss vom 27. November die so genannte Südvariante planerisch in Angriff genommen. Die Umplanung verursacht nach Angaben der DKI-Gutachter Mehrkosten in Höhe eines „siebenstelligen Betrags“, also mindestens 1 Million Euro.
Fachleute: Externe Projektleitung ist nötig
Die Ursachen für das offensichtlich fehlerhafte und auch fehlerhaft verzögerte Planungsgeschehen zu Sanierung und Neubauergänzung am Klinikum liegen vorerst – jedenfalls für die Konstanzer Öffentlichkeit - noch im Dunkeln. Als grundsätzlicher Fehler gilt unter Fachleuten, dass das verantwortliche Dezernat das Gesamtprojekt der Sanierung ohne externe Projektsteuerung bewältigen wollte. Eigentlich ist das federführende Architekturbüro dafür verantwortlich, für angemessene Bauleitplanung und Projektsteuerung zu sorgen.
Es fehlte am ordnenden Eingriff des Dezernenten
Von Seiten der beauftragten Architekten wiederum hört man, das Direktorium des Klinikums habe darauf beharrt, dies selber in die Wege zu leiten. Von einem rechtzeitigen, ordnenden Eingriff des zuständigen Dezernenten Claus Boldt ist nichts bekannt. Sei’s drum: Geschehen ist das Notwendige nicht: Noch im vergangenen Dezember mahnten die auf Vorschlag der SPD vom Gemeinderat aktivierten Gutachter des Düsseldorfer Krankenhausinstituts eine „externe Projektleitung“ in einem geradezu flehentlich wirkenden Tone an. Es gibt diese externe Projektleitung bis heute nicht; es sei denn, man will Johannes Weindel, den vom Stadtparlament bestellten, angenehm erfolgreichen Interimsmanager an der Spitze der Klinikverwaltung, als einen Externen ansehen.
Es geht um die Existenz des Klinikums
Inzwischen ist die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens auf den Weg gebracht worden. Wie lange das Verfahren dauert, ist unter anderem vom Glück abhängig. Sicher ist nur, dass die verbindlichen Pläne für die Neubauten bis zum 15. Juni 2009 beim Sozialministerium in Stuttgart abgegeben sein müssen. Sonst verfallen die Zuschusszusagen des Landes. Dann wäre nicht nur die Sanierung gefährdet; dann stünde die Existenz des Konstanzer Klinikums auf der Kippe.





