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28. Mai 2009 | Fünf Direktorate am Klinikum – Von Boldt keine Spur

Organigramm fast so rätselhaft wie die Bonuszahlungen

Konstanz (gro) Die offiziellen Organisationsformen des Konstanzer Klinikums geben ähnliche Rätsel auf wie die immer noch nicht geklärten Bonuszahlungen in Höhe von mindestens 120.000 Euro, die an den früheren Verwaltungschef Axel Hauser fliessen sollen. Im Übrigen ist Hauser nach wie vor Verwaltungsdirektor des Klinikums. Andererseits ist er – offiziell? - nur halbtags tätig fürs Klinikum. In der Hierarchie der „Organe des Eigenbetriebs Klinikum“ steht Oberbürgermeister Horst Frank - nach dem Gemeinderat (als Stiftungsrat) und nach dem (gemeinderätlichen) Krankenhausausschuss - an dritter Stelle, gefolgt von der Krankenhausleitung. Von Bürgermeister Claus Boldt, dem zuständigen Dezernenten, ist im Organigramm nichts zu finden.

Der originale Link zum Organigramm

Wem die inneren Zusammenhänge in Sachen Klinikum jetzt schon zu kompliziert erscheinen, der sei auf folgenden Link hingewiesen: www.klinikum-konstanz.de/info/klinikum/organigramm/Aufbau_Spitalstiftung_Konstanz.pdf Man gelangt zu dem Link über Umwege auch über die offizielle Internetseite der Stadt Konstanz.

Ahnungslose Mitglieder des Stadtparlaments

Die Stadtverwaltung macht aus der Organisationsform ihres Eigenbetriebs namens Klinikum, so könnte man meinen, dank der Veröffentlichung im Internet, überhaupt kein Geheimnis. Fragt man jedoch Mitglieder des Gemeinderats, sieht das ganz anders aus. Und schnell stellt sich heraus, dass das offizielle Organigramm bei den Mitgliedern des Stadtparlaments weitgehend unbekannt ist.

Viele Köche verderben den Brei

Bei näherer Betrachtung des im Internet mehr oder weniger erfolgreich versteckten Organigramms fällt neben der Auslassung des zuständigen Dezernenten Boldt vor allem die ausufernd wirkende Verbreitung von Direktorien auf. Der Eindruck „ausufernd“ drängt sich auf, weil fünf mehr oder weniger bedeutende Leitungspositionen einem so genannten Direktorium insofern entgegen stehen, als es dessen Wesen ist, eine umfassende Leitungs- und Steuerungsfunktion konzentriert auszuüben. Mit anderen Worten: Viele Köche drohen auch am Klinikum den Brei zu verderben.

Retter in der Not – Ein Bündel von Problemen

Das im Internet versteckte Organigramm des Klinikums Konstanz ist aktuell. Das geht unter anderem daraus hervor, dass Johannes Weindel als „Direktor Finanzen und Wirtschaft“ eingetragen ist. Weindel, Geschäftsführer des Klinikums Friedrichshafen, hat sich vor wenigen Monaten des Konstanzer Klinikums als Retter in der Not angenommen, nachdem es unter dem verflossenen und mittlerweile nach Stockach abgeschobenen Direktor Martin Stuke in Gefahr geraten war, sich wegen des von der Bundesregierung verfügten, neuen Abrechnungssystems („Gesundheitsreform“) hoffnungslos zu verschulden. Hinzu kamen Probleme mit anspruchsvollen, bereits angelaufenen Sanierungsplänen sowie Notmassnahmen nach einem Brand und die beabsichtigte Verlagerung und Integration der Konstanzer orthopädischen Fachklinik, des Vincentius-Krankenhauses in den Krankenhauskomplex an Luisenstrasse und Mainaustrasse.

Krankenhausleitung mit Direktorium aus drei Direktoren

Zurück zu den Direktorien am Klinikum Konstanz: Laut dem aktuell gültigen Organisations-Schema besteht die (vom Oberbürgermeister „befehligte“) Krankenhausleitung aus drei Direktorien: aus dem „Direktor Medizin“ (Prof. Gert Müller-Esch), dem „Direktor Finanzen und Wirtschaft“ (Johannes Weindel) und dem „Krankenhausdirektorium“. Dieses wiederum besteht aus dem „Ärztlichen Direktor Gert Müller-Esch“, der „Pflegedirektorin Barbara Hitzler“ und dem „Verwaltungsdirektor Axel Hauser“.

Drohende Verluste und konfuse Kalkulationen

Angesichts dieser komplizierten Verhältnisse, drohender Verluste und „konfuser Kalkulationen“ hatte das auf Initiative der SPD-Fraktion als Gutachterin hinzu gezogene, Düsseldorfer „Deutsche Krankenhaus-Institut“ (DKI) zu einer verwaltungspolitischen Neuorientierung des Klinikums geraten. Die Vorschläge wurden von der hauseigenen Leitung, dem so genannten Klinikdirektorium (laut Organigramm Müller-Esch, Hitzler und Hauser), energisch zurück gewiesen. Diese Kritik ist vom DKI in einer mindestens ebenso lebhaften Retourkutsche als absurd und abwegig bezeichnet worden.

FGL und SPD wollen offene Diskussion im Rat

Die Freie Grüne Liste (FGL) hat sich, unterstützt von der SPD-Fraktion, in der jüngsten Gemeinderatssitzung mit ihrer Forderung durchgesetzt, die Analyse des DKI-Gutachtens in der nächstmöglichen öffentlichen Sitzung des Stadtparlaments öffentlich zu diskutieren. Das wird am 25. Juni sein, mehr als 2 Wochen nach den Kommunalwahlen. Und rund 2 Monate, nachdem die beabsichtigten, horrenden Bonuszahlungen an einen früheren, aber immer noch leitenden Krankenhausdirektor bekannt geworden waren. Die Angelegenheit, so heisst es in der Verwaltung, werde derzeit noch geprüft. „Seit bald 2 Monaten?“, fragte ein Mitglied des Gemeinderats und meinte die Frage „rein rhetorisch“. Zwei Stunden reichten „eigentlich völlig aus“, die Angelegenheit der Bonuszahlungen zu klären. Die Zeitschinderei diene offenbar nur dazu, die „Angelegenheit bis weit hinter die Kommunalwahlen hinaus zu verschleiern“.



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