Androhung von Strafgeld bremst die Streiklust nicht
Konstanz (gro) Mit einem „Bussgeld in vierstelliger Höhe“ habe die Polizei Mitte vergangener Woche gedroht, als sich rund 400 junge Leute am Haus des Gewerkschaftsbundes unweit des Zähringerplatzes trafen, um lokale Protestaktionen für den bundesweiten Bildungsstreik zu planen. Dies berichten Teilnehmer des Vorbereitungstreffens vom vergangenen Mittwoch. Die Drohung bremst die Streiklust nicht. Konstanz gehört zu den über 60 deutschen Städten, in denen diese Woche mit zahlreichen Ereignissen und Aktionen zu rechnen ist. Zu dem Treffen Im DGB-Haus hatten die Konstanzer Organisatoren des Bildungsstreiks aufgerufen. Es kamen sehr viel mehr interessierte Jugendliche als erwartet. Da der Versammlungsraum sie nicht annähernd fasste, standen sie zu einem grossen Teil vor dem DGB-Haus auf der Strasse herum, was prompt die Polizei auf den Plan rief.
Für Banken und Grossunternehmen fliessen die Milliarden
Mit dem bundesweiten Bildungsstreik wollen Studenten, Schüler und Azubis diese Woche auf die aktuelle „Bildungsmisere“ auch in Konstanz aufmerksam machen. Nach mehr oder weniger halblebigen Protesten anlässlich der Einführung von Studiengebühren hat die so genannte Finanzkrise und deren Handhabung durch staatliche Behörden der Streiklust von bildungshungrigen Jugendlichen enormen Schub verliehen: Während etwa die ohnehin knapp bei Kasse stehenden Studenten wegen mangelnder Finanzausstattung der Universitäten und Hochschulen seit einigen Jahren zusätzlich zur Kasse gebeten werden, sprudeln nun für schlecht gemanagte Banken und Grossunternehmen der Industrie die Milliarden gleich tausendfach.
Am Mittwoch die zentrale Demonstration
Symptom für die sich wandelnde Einstellung der Jugend ist nach Meinung von Beobachtern die Tatsache, dass am vergangenen Mittwoch dem Aufruf der Organisatoren statt der erwarteten kleinen Gruppe von Interessierten rund 400 Leute gefolgt waren, die bei weitem nicht in den Versammlungsraum des DGB-Hauses passten. Sie standen daher draußen auf der Straße, was offensichtlich die Polizei anlockte, die dann mit einem empfindlich hohen Bussgeld drohte. Bei den Organisatoren fragte man sich: „Wollte man den Bildungsstreik schon im Vorfeld abdämpfen und womöglich totschweigen?“ Das wird nicht geschehen. In Konstanz sind zahlreiche Aktionen geplant. Nach Auftaktveranstaltungen am heutigen Montag und am Dienstag kommt es am Mittwoch zur zentralen Demonstration. Darüber und über die weiteren Aktionen, bei denen selbst eine „After-Action-Party“ im „Contrast“ nicht fehlt, informiert der Link http://projektgruppe-bildungsstreik.wikispaces.com/Verlauf+der+Woche
Studie scheint überholt zu sein
Wochenlange und flächendeckende Studentenproteste, wie sie in Frankreich in jüngster Zeit bereits mehrfach für Schlagzeilen sorgten, sind in Deutschland kaum vorstellbar. Die jüngste Entwicklung widerspricht aber einer zwei Jahre alten Studie von Konstanzer Wissenschaftlern, die feststellten, dass in den 80-er Jahren 54 Prozent der Studenten gesagt hatten, sie, die Studenten, seien sehr am politischen Geschehen interessiert, während es 2007 nur noch 37 Prozent seien. Das Fundament für linke Rebellion sei brüchig, zumal viele Studenten in den neuen Bachelor-Studiengängen wenig Zeit für ein Ehrenamt oder einen langen Bildungsstreik hätten, heisst es in der Studie weiter. Dauernd wollten Prüfungen gemeistert werden, und für Protestaktionen gebe es „keine credit points“.
Personalien aufgenommen und Bericht angekündigt
Dass die Polizei die aktuelle Bereitschaft zum Protest trotz der Studie recht hoch einschätzt, zeigte sich schon am 4. Juni, als Vertreter der „Initiative Bildungsoffensive Konstanz“ mit Gummibassin und Spruchband demonstrierten und auf einer Verkehrsinsel am Zähringerplatz gegen Studiengebühren und für selbstbestimmtes Lernen eintraten. Die Demonstranten warben damals laut einem Bericht des „Südkuriers“ für den heute beginnenden, bundesweiten Bildungsstreik, und zwar unter dem Motto „Die Bildung geht baden!“. Die Studenten und Azubis wurden von der Polizei aufgefordert, die feuchtfröhliche, unangemeldete Aktion „sofort abzubrechen“. Obwohl sich die jungen Demonstranten ohne Murren sofort gefügt hätten, habe die Polizei die Personalien, wie „Südkurier“-Mitarbeiterin Claudia Rindt weiter berichtet, aufgenommen und angekündigt, sie zusammen mit einem Bericht ans Ordnungsamt der Stadt Konstanz weiterzumelden.






Als Gegen-Bsp. darf ich eine briefliche “linke Rebellion” der Landesrektoren in Sachsen-Anhalt erwähnen, bei der es um 20% Mittelkürzung geht.
Die Dozenten/Professoren üben auch die Tätigkeiten “Trümmerfrau”, Sozialarbeiter und Wirtschaftsförderer aus; mit viel persönlichem Engagement und der Gewissheit, das wiss. Rückgrat nicht nur einer Region, sondern des BL S-Anhalt zu sein.
Landesrektorenkonferenz Sachsen-Anhalt zum „Strategiepapier zur Finanzpolitik in Sachsen-Anhalt“
http://www.hs-harz.de/1505.html