Wenn aus Brückenbauern Totengräber werden
Konstanz (gro) Irgendwie erinnern sie an gerupfte Gockel, die ausladend gegliederten Beton-Stelen am unteren Ende der Bodanstrasse auf beiden Seiten der Geleise. Sie sollen nächsten Monat die Stahlbrücke aufnehmen und halten, die das Hafenareal und Klein Venedig wieder besser zugänglich machen könnte. Ob das klappt ist noch nicht sicher. Sicher ist nur, dass städtische Planer und Bauverantwortliche stümperhaft handelten. So stümperhaft, dass aus den Brückenbauern Totengräber werden könnten. Wenn die Konstanzer Bauverwaltung schon bei einer simplen Brücke Kostenentwicklung und Vertragspartner nicht im Griff hat, wie soll sie da mit dem ungleich ehrgeizigeren Projekt eines Konzert- und Kongresszentrums fertig werden? Das fragen sich nicht nur Skeptiker des Vorhabens auf Klein Venedig.
Erst im Oktober die umfassende Information
Zur Erinnerung: Die Kosten für die Brücke wurden im Haushalt 2005/06 mit rund 1,2 Millionen Euro festgehalten. Inzwischen sind die Kosten geradezu explodiert, und zwar auf aktuell knapp 4,2 Millionen. Das hat dazu geführt, dass der Gemeinderat Ende vergangener Woche aus den Ferien in den Ratssaal gerufen werden musste. Nun sind zum weiteren Mal unerwartete Zusatzkosten zwar genehmigt worden, damit die Stahlkonstruktion Ende September wie vorgesehen eingehängt werden kann. Doch erst im Oktober will das Baudezernat einer aktuellen städtischen Mitteilung zufolge „jeden Schritt“ offenlegen, „um jeder Bürgerin und jedem Bürger nachvollziehbar zu machen, wie es zu den Mehrkosten kam und wer diese zu vertreten hat“.
Nachhaltige Unklarheit
Es drängt sich der Verdacht auf, dass dies auch im Oktober schwerlich gelingen wird. Denn schon im Hinblick auf die Mehrkosten, die durchs Einhängen der Brücke entstehen, herrscht eine derartige Unklarheit, dass diese Frage laut Stadtverwaltung erst noch „gerichtlich geklärt“ werden muss. Baudezernent Kurt Werner sagt zwar, er habe da „eine ganz klare Haltung“. Der Bürgermeister meint damit, dass diese Kosten in Höhe von 310.000 Euro zu Lasten des beauftragen Bauunternehmens gehen müssen. Doch die vom Baudezernat getroffenen Vereinbarungen lesen sich da nach Recherchen von dornroeschen.nu keineswegs so eindeutig.
Fatale Versäumnisse
Ohne weiteres einzusehen ist zwar, dass gestiegene Stahlkosten und Zusatzwünsche des Gemeinderats zur Erschliessung des Bahnsteigs 2 (für die Geleise 2 und 3) durch einen weiteren Aufzug „gewollte“ Mehrkosten bringen. Fatal aber ist es, dass es das Baudezernat versäumt hat, veränderte Kostenplanungen dem Stadtkämmerer rechtzeitig zu melden. So wurde zum Beispiel der Nachtragshaushaltsplan 2006 nicht entsprechend angepasst. Ersatzweise wurde im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) des Gemeinderats am 7. Dezember 2006 im Rahmen eines Berichts über „aktuelle Sachstände“ vorgeschlagen, 2007 und 2008 für den Brückenbau jeweils 850.000 Euro zu veranschlagen und die „Differenz zur Kostenschätzung“ über Haushaltsreste aufzubringen.
Klarlegung dauert Monate
All dies und weitere Nachlässigkeiten Im Umgang mit Steuergeldern haben zu einer bis heute undurchsichtigen Gemengelage geführt, für deren Klarlegung die Stadtverwaltung selber Monate (!) in Anspruch zu nehmen gedenkt. Kommunale Geschäftsordnung und Bundesbaugesetz wollen es, dass der Bau von Brücken zum Bereich Tiefbau gehören. Damit wurde Amtsleiter Christian Harcke zum verantwortlichen Mann. Angesichts des aktuellen Desasters mit der Brückenplanung erinnert man sich geradezu schmerzhaft ans Hochbauamt und an Johannes Kumm.
Johannes Kumm beweist, dass es anders geht
Kam zu zählen sind die Objekte und Projekte, die der Konstanzer Stadtbaumeister durchgezogen hat – ohne je die Kostenplanung empfindlich verletzt zu haben. Im Gegenteil: Häufig verstand es Johannes Kumm, die projektierten Kosten am Ende zu unterschreiten. Eine seiner Glanztaten war die Errichtung des Altstadtkulturzentrums am Münster, bei dem sieben vom Verfall bedrohte, mittelalterliche Gebäue saniert und zu einer Einheit zusammengefasst wurden. Kumm verstand es nicht nur hier, die veranschlagten Projektkosten zu unterschreiten sondern etwa auch beim Neubau der Schänzlehalle.
Respektiert und gefürchtet
Es gibt auch in diesen Fällen Skeptiker. Sie unterstellen Johannes Kumm, er sei eben intelligent und erfahren genug, Kostenplanungen so abzufassen, dass er, Kumm, am Ende immer noch genügend finanziellen Spielraum habe, um mit den gewährten Mitteln zurecht zu kommen. Dagegen spricht allerdings die Tatsache, dass Johannes Kumm zwar zu den geachtetsten, aber eben auch zu gefürchtetsten Männern gehört, die in Konstanz im Auftrag von Stadt und Gemeinderat Unternehmen und Handwerker anleiten, beaufsichtigen und kontrollieren. Foto: Frieder Schindele | TMW






Das Schlimme hierbei ist, dass wir, die Bürger, optimal verarscht werden. Jedes Parkprotokoll, jede Regulierung der Innenstadthändler im Außenbereich und vieles Kleinkarierte triff uns, unsere Geldbörse. Jedes kleine Vergehen, z.B. der Maultaschenklau im städtischen Altersheim, wird dem Kleinsten und mitunter ärmsten Bürger dieser Stadt angelastet. Hier werden wir zur Verantwortung gezogen und sogar für kleinste Vergehen fristlos entlassen, doch diese Herren werden weiterhin im leitenden Amt der Stadtverwaltung sitzen. Da fehlt sogar der Anstand mal klipp und klar auch eigene Schuld und Versagen einzuräumen. Die Ämterchefs werden von uns Bürger für Leistung bezahlt. Wir sind die Arbeitgeber dieser Angestellten, und deshalb fordern wir eine sofortige arbeitsrechtliche Handlung der Geschäftsführung, dem OB, gegen das Versagen auf Kosten der Bürger, die auch die Gehälter dieser Versager bezahlen müssen!
Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass für die Kongresshausplanung echte Profis engagiert werden!Das darf auch “e bizzele meh” kosten.
Billigangebote sind immer teurer. Deshalb Geld in die Hand nehmen und was Gescheites daraus machen. Aber ob das in Konstanz funktioniert???????
Siehe unten.
Ja, liebe Stadträte, jetzt rächt sich die Wahl eures ortsfremden Baubürgermeisters, da ihr statt Kumm - ein alter Konstanzer, der sich auskennt - , einen KN-Fremden als BM auf den Bauthron gesetzt habt.
Der Kumm als Amtsleiter vom Hochbau wüsste zumindest über den Baugrund am See bescheit. Auch ihr habt versagt, liebe Stadträte.
Hier kämpft jemand auf ganzer Linie gegen den Baubürgermeister. Haben wir nicht auch schon verbitterte Leserbriefe von Ihnen gegen Herrn Werner gelesen, lieber Gerd J. Mörsch (GJM)?
Wieso lassen Sie sich denn nicht in den Stadtrat wählen und machen es besser?
Liebe/r Herr/Frau Neumann,
die “verbitterte Leserbriefe” sind mir selbst nicht bekannt. Mir geht es bei aller Kritik meist nicht um Personen, sondern um die Sache, die dahinter steckt. Die Sache ist z.B. hier “Steuerverschendung durch Unkenntnis”. Ansonsten greife ich auch gerne verantwortliche Personen an, die rigoros unverantwortlich mit unserer schönen Bodenseelandschaft, dem schönen erhaltenswerten Seeufer und dem historischen Bestand dieser Stadt umgehen.
Gerne lasse ich mich zum Stadtrat wählen, damit ich die o.g. Kriterien “hautnah” im Rat vertreten kann, auch für Sie Herr/Frau Neumann.
Beste Grüße GJM
Wieso haben Sie es denn dann nicht im Juni versucht, lieber Herr Mörsch? Ich habe Ihren werten Namen auf keiner Liste finden können. Ob ich Sie gewählt hätte, wäre aber nochmals eine andere Frage gewesen. Ihre Kommentare sind stets nur Nörgelei und selten konstruktiv - das wäre mir für einen Gemeinderat zu wenig.
Außerdem sind Kommunalwahlen Personenwahlen, wie Sie es selbst so schön an anderer Stelle hier formulieren…
Beste Grüsse, Ernst Neumann.