Auf der Suche nach dem gerechten Beitrag
Konstanz (gro) Grob rechnerisch ist alles klar: Rund 300.000 Euro sollen beim „Südkurier“ im redaktionellen Bereich eingespart werden, um das Unternehmen angesichts sinkender Erträge und steigender Kosten weiter flott zu halten. Unklar ist jedoch, zu wessen Lasten genau dieser Konsolidierungsbeitrag gehen soll. Eine Arbeitsgruppe des Medienhauses hat Vorschläge erarbeitet. Sie finden wenig Gefallen bei den Betroffenen. Die Suche nach dem allseits gerechten Beitrag gestaltet sich schwierig. Die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (Ver.di) fordert unter anderem, vor weiteren Überlegungen erst einmal die exakten Unternehmenszahlen auf den Tisch zu legen.
Erster Vorschlag am 25. Juli
In einem ersten Diskussionsbeitrag hatte die Geschäftsleitung des „Südkurier“ am 25. Juli anlässlich einer Betriebsversammlung vorgeschlagen, Redakteure, die eine zum Teil hohe Anzahl von Überstunden vor sich her schieben, sollten auf zwei Drittel ihres Freizeitanspruchs verzichten. Konkret sollten sie sich damit einverstanden erklären, nur jeden dritten zustehenden „freien Tag“ in Anspruch zu nehmen, sei es durch Freizeitausgleich oder durch eine finanzielle Abgeltung. Zwei von drei „freien Tagen“ sollten dem Unternehmen spendiert werden.
Manch ein Berg von „freien Tagen“
Manche Redakteure schieben einen regelrechten Berg von so genannten „freien Tagen“ vor sich her, besonders häufig im Sport und in der Feuilleton-Redaktion, immer wieder auch im Ressorts Politik und in den Lokalredaktionen, wo die tariflich ausgehandelte Fünf-Tage-Woche wegen der meist restriktiven Personalpolitik der Zeitungsverlage sehr oft nicht eingehalten werden kann.
Scheinbare Selbstverwaltung der Redaktionen
Die Redakteure haben sich zwar fast überall längst stillschweigend damit abgefunden, dass die Arbeit an Samstagen und an Sonn- und Feiertagen untertariflich abgegolten wird. Gegen den trotzdem verbleibenden Anspruch auf Freizeit wehren sich viele Zeitungsverlage dadurch, dass sie das Problem in die scheinbare Selbstverwaltung der Redaktionen verlagern - nach dem Motto: „Ihr müsst selber schauen, wie ihr damit zurechtkommt.“ In der Praxis führt das etwa beim „Südkurier“ (und das ist keine Ausnahme!) dazu, dass Redakteure bis zu 100 „freie Tage“ (oder 20 Wochen) vor sich her schieben.
Gravierende Schönheitsfehler
Angesichts solcher Zustände ist es kein Wunder, dass ein der Redaktion abzuhandelnder Konsolidierungsbeitrag die hohe Zahl der „freien Tage“ ins Gespräch brachte. Der Vorschlag hatte allerdings gravierende Schönheitsfehler. Zum einen forderte er ausgerechnet die fleissigsten Redakteure zum besonders grossen Verzicht auf, zum anderen fehlte es an eindeutigen Zahlen. Von einem Verlust des Unternehmens ist bis dato nichts bekannt, die Unternehmensgruppe „Südkurier“ schreibt, wie man hört, nach wie vor Schwarze Zahlen.
Arbeitsgruppe sucht nach Kompromiss
Eine in der Folge eingesetzte Arbeitsgruppe aus Redakteuren inklusive Betriebsratsmitgliedern und Vertretern der nachgeordneten redaktionellen Mitarbeiter hat nun, wie man hört, eine Art Kompromissvorschlag ausgearbeitet. Danach sollen „freie Tage“ zu einem Drittel dem Verlag spendiert werden, ein Drittel der “freien Tage” soll finanziell oder durch Freizeitausgleich vergütet werden und das dritte Drittel soll in die Zukunft hinein als Anspruch gültig bleiben. Und wer keine „freien Tage“ anzumelden hat, soll dem Unternehmen einfach 10 Arbeitstage spendieren.
Ziel müsste eine Betriebsvereinbarung sein
Damit ist vorerst ein wesentliches Manko nicht ausgeräumt, und zwar das Fehlen einer definierten Gegenleistung. Zwar ist klar, dass die Südkurier GmbH in dem allfälligen Konsolidierungsbeitrag der Redaktion eine Zuwendung sieht, die den Erhalt der Arbeitsplätze zum Ziel hat. Doch das, so fordern Ver.di und Deutscher Journalisten-Verband (DJV), müsse klar beschrieben werden; eine derartige Sonderregelung bedürfe einer Betriebsvereinbarung unter massgeblicher Mitwirkung der Tarifpartner.
Zweimal zeigte sich das Unternehmen spendabel
Zumindest atmosphärisch dürfte sich jetzt rächen, dass es die Mitarbeiter des „Südkurier“ mehrmals stillvergnügt hinnahmen, wenn sich der Verlag übertariflich grosszügig zeigte. Nach besonders stressigen Phasen veranlasste die Geschäftsleitung in jüngster Zeit zweimal Sonderzahlungen in Höhe von jeweils 300 Euro für jeden Mitarbeiter. Diese Boni wurden mehr oder weniger stillschweigend eingestrichen; sie lagen allerdings weit unter den Beträgen, die die Firmenleitung nun von der Redaktion einfordert.







