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16. Oktober 2009 | Sozialraumorientierte Jugendhilfe: Wir sind der Sozialraum

Kevin nicht mehr allein zu Haus

Konstanz (wak) Immer wieder sorgen Tötungen von Babys und Kindern in Deutschland für Entsetzen. Seit dramatischen Vorfällen auch in jüngster Vergangenheit - nach Kindesmisshandlung und Kindstötungen - stehen die Jugendämter besonders im Fokus. Vor diesem Hintergrund entschloss sich das Kreisjugendamt Konstanz schon vor einiger Zeit zu einer konzeptionellen Weiterentwicklung seiner Hilfen, die sich unter dem Schlagwort „Sozialraumorientierte Jugendhilfe“ zusammenfassen lassen. Das Steinbeis-Transferzentrum Sozialplanung, Qualifizierung und Innovation aus Weingarten unter Leitung von Prof. Dr. Sigrid Kallfaß hat das Kreisjugendamt in dieser Entwicklung mehr als vier Jahre lang wissenschaftlich begleitet. Neue Angebote sind entwickelt worden.

Die Babyleiche von Engen

März 2009: In der Nähe von Engen im Kreis Konstanz wird die Leiche eines Neugeborenen gefunden. Das in eine Plastiktüte gewickelte kleine Mädchen war in der Nähe einer Grillhütte abgelegt worden. Junge Leute hatten dort in der Nacht ein Fest gefeiert und das Kind bei Aufräumarbeiten am Morgen gefunden. Es war offenbar „gerade erst geboren“, sagte ein Polizeisprecher damals. Von der Mutter gebe es keine Spur.

Kindeswohlgefährdungen verhindern

Die Aufgaben der Jugendämter sind vielfältig und sie stehen noch mehr als früher im Fokus: Sie sollen Eltern in Krisensituationen unterstützen und sie in Erziehungsfragen beraten. An oberster Stelle steht – so heißt es in Amtsdeutsch - der Schutz vor Kindeswohlgefährdungen.

Systematisches Vorbeugen

Die Gesellschaft hat sich verändert. Familiäre Strukturen zerbrechen. Auch deswegen hat das Kreisjugendamt – das für den Kreis, nicht aber für die Stadt Konstanz zuständig ist - neue Angebote entwickelt. Das Amt setzt noch mehr auf systematische Prävention. In dieser Woche hat es seine neuen Angebote dem Kreisjugendhilfeausschuss vorgestellt. Im Zentrum der Sozialraumorientierten Jugendhilfe steht die Vernetzung und Unterstützung von zahlreichen Partnern in den Städten und Gemeinden vor Ort, die Aktivierung und Begleitung bürgerschaftlich engagierter Menschen sowie der Ausbau ambulanter Hilfen für Familien.

Alle passen auf Kevin auf

Kevin lebt überall. Allein zu Haus’ soll er aber nicht länger sein. Es geht um Vernetzung und Kooperation. Verschiedene Akteure wie Kindergärten, Schulen, Vereine, Treffs und Gruppen sollen miteinander auf die Kinder achten. Klar ist, schwierige und wenig förderliche Familienverhältnisse können durch das soziale Umfeld noch schlimmer werden. Nachbarschaft, Peer-Group, Vereine und Schule können sie aber auch ausgleichen.

Aufmerksamer Sozialraum verändert Lebensbedingungen

Sozialraumorientierte Jugendhilfe will Angebote an Kinder, Jugendliche und Familien machen. Das Ziel ist, gefährdete zu integrieren. Dahinter steht die Idee, dass Menschen informell von- und miteinander lernen. Ausgegrenzte Menschen haben diese Chance nicht. „Der Sozialraum soll Lebensbedingungen verändern“, sagt Sabine Senne, Leiterin des Kreisjugendamtes. Frühzeitig sollen Besonderheiten auffallen. Die Amtsleiterin will erreichen, dass unbeteiligte Menschen, die anderen Menschen zum Beispiel in nachbarschaftlichen Lebenswelten begegnen, die Augen offen halten. Foto: Frieder Schindele |TMW

 



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