Wenn Jugendliche töten
Konstanz (wak) Über Gewalttaten Jugendlicher, insbesondere über Tötungsdelikte, spricht Prof. Dr. med. Michael Günter am Donnerstag, 22. Oktober, in Konstanz. Die Öffentlichkeit reagiert fassungslos auf solche Verbrechen. Dies gilt erst Recht für Massenmorde Jugendlicher wie dem beim Amoklauf von Winnenden oder im Fall des S-Bahn-Opfers Dominik Brunner, der von Jugendlichen brutal zu Tode geprügelt wurde. In Zukunft würden solche Verbrechen noch häufiger passieren, behauptet Kinder- und Jugendpsychiater Günter. Oft seien solche Tötungshandlungen von Jugendlichen noch nicht einmal geplant, sondern entstünden aus der Eskalation einer unüberschaubaren Gewaltsituation heraus, behauptet der Psychiater.
Tod infolge von Tritten und Schlägen
Der vor vier Wochen von zwei Jugendlichen am Münchner S-Bahnhof Solln zu Tode geprügelte Manager Dominik Brunner starb an einer Vielzahl von Verletzungen. Todesursächlich seien 22 sehr schwere gewesen, die Brunner infolge von Tritten und Schlägen der gewalttätigen Jugendlichen erlitten habe, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München.
Für sich genommen war keine der Verletzungen tödlich. Das gehe aus dem vorläufigen Obduktionsergebnis hervor. Der 50-jährige Brunner hatte sich schützend vor vier Kinder gestellt.
Tod im Klassenzimmer
15 Menschen starben am 11. März beim Amoklauf von Winnenden. Ein 17-Jähriger erschoss an seiner ehemaligen Schule in Winnenden und in einem Autohaus in Wendlingen 15 Menschen und tötete sich anschließend selbst. Seither wir über von innen verriegelbare Klassenzimmer, Verbot von Kampfspielen und neue Warnsysteme neu diskutiert.
Das Phänomen Gewalt bei Jugendlichen
Wie es zu Gewaltfixierungen bei Jugendlichen kommt, wird Thema des Vortrags Dr. med. Michael Günter sein. Es wird aber auch um die Frage gehen, inwieweit alle Menschen die Neigung zu Gewalt haben. Die eigentliche Frage müsse lauten: Wie kommt es, dass Menschen friedlich miteinander umgehen? Gehen wird es deswegen beim Vortrag des Psychiaters auch darum, inwiefern die Faszination an der Gewalt, wie sie sich beispielsweise in der Berichterstattung der Massenmedien über Gewalttaten vorkommt, den Nährboden für Tötungsdelikte Jugendlicher darstellt.
Wer, was, wann, wo
Termin: 22.10.2009, 20.00 Uhr, Dozent: Prof. Dr. med. Michael Günter, Leitender Oberarzt, Abteilung Psychiatrie im Kinder- und Jugendalter an der Universität Tübingen spricht in der Domschule im Kreuzgang des Konstanzer Münsters, Münsterplatz, über Gewalttaten Jugendlicher. Veranstalter sind das Bildungszentrum Konstanz und die vhs Konstanz-Singen e. V., der Eintritt kostet 6 Euro. Anmeldung bei der vhs Konstanz-Singen e. V. Unter Telefon +49 (0)7531 59810.
Foto: Frieder Schindele | TMW





