Dornröschen » Blog Archive » Knipst doch mal das Licht aus
Leserkommentare
 
Sponsoren
22. Oktober 2009 | Behindertenbeauftragter fordert ein „Yes, we can!“

Knipst doch mal das Licht aus

Konstanz (wak) Wenn der Behindertenbeauftragte Conrad Schechter dem Gemeinderat seinen zweiten Jahresbericht vorlegt, dann werden die Konstanzer Rätinnen und Räte voraussichtlich zustimmend nicken. Schechter hat sich als ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter der Stadt Konstanz längst einen Namen gemacht. Um nach zu fühlen wie sich Behinderte, zum Beispiel Blinde in Konstanz, fühlen, könnte die Stadt während der Ratssitzung auch einfach einmal das Licht ausknipsen, den Sitzungssaal in ein Dunkel-Rathaus verwandeln und mit den Räten „Blinde Kuh“ spielen.

Blinde Kuh spielen

Wer im Ratssaal lieber nicht „Blinde Kuh“ spielen will, auch keine 56 Seiten Jahresbericht lesen möchte und trotzdem erfahren will, wie Behinderte ihren Alltag erleben, könnte zum Beispiel einmal „Blinde kuh“ in Zürich spielen und in der „blindekuh“ einen Tisch reservieren.

Selbsterfahrung in Zürich

Am 17. September 1999 öffnete das ungewöhnliche Restaurant zum ersten Mal seine Türen für Gäste. Mit der Eröffnung der „blindekuh“ begann die Erfolgsgeschichte des weltweit ersten Dunkel-Restaurants. Inzwischen wurde die Idee viele Male kopiert. Die Gäste im Restaurant sind allein von ihrem Riech- und Geschmackssinn, ihrem Hör- und Tastsinn abhängig. Die kulinarischen Köstlichkeiten auf den Tellern können die Gäste im Dunkel-Restaurants „blindekuh“ nicht sehen. Sie erkennen die Speisen an ihrem Duft, am Geschmacks und an der Form, wenn sie auf der Zunge zergehen.

In der Welt der Dunkelheit

Damit die Fremden in der Welt der Dunkelheit nicht verloren gehen, kümmern sich Blinde und sehbehinderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um die Besucherinnen und Besucher, betreuen und verwöhnen sie.

Nachahmer-Dunkel-Restaurants

Nachdem die „blindekuh“ in Zürich, die als weltweit erstes Dunkelrestaurant vor zehn Jahren eröffnet hatte, folgten im April 2001 die „Unsicht-Bar“ in Köln und im Juni 2002 das „Nocti Vagus“ in Berlin. Im September 2004 folgte das „Dans le Noir“ in Paris und im Dezember 2005 das „Taste of Darkness“ im Dialogmuseum in Frankfurt. Inzwischen hat sich das Konzept auch außerhalb Europas durchgesetzt. Noch immer erhält die „blindekuh“ aber Anfragen aus allen Teilen der Welt und sie soll bei der Umsetzung entsprechender Projekte helfen.

Barrierefreies Konziljubiläum

Conrad Schechter erinnert im Vorwort seines Jahresberichts daran, dass der Gemeinderat im vergangenen Jahr den Beitritt zur „Erklärung von Barcelona“ beschlossen hat. Schechter sieht diesen Schritt der Konstanzer nicht nur als ein klares Bekenntnis zur gleichberechtigten Teilhabe behinderter Menschen am gesellschaftlichen Leben. Es gehe auch um die Verwirklichung gleichwertiger Lebensverhältnisse für behinderte Menschen, um ein „Yes, we can!“. Gleichwertige Lebensbedingungen setzen Behinderte vor allem mit Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden und Plätzen oder im öffentlichen Verkehr gleich. Der Behindertenbeauftragte lobt ein barrierefreies Fahrgastschiff und eine Autofähre. Mit Blick auf das Konziljubiläum fordert Schechter schon einmal einen „barrierefreien“ Tourismus.

Bedenken gegen Begegnungszone

Einwände brachten Behinderte jüngst vor, als es um die Einrichtung einer Begegnungszone am Bahnhofsplatz ging, in der sich alle Verkehrsteilnehmer einen einzigen Verkehrsraum miteinander teilen würden (dornroeschen.nu berichtete). Fußgänger – auch Behinderte - müssten ihre vermeintlich sicheren Gehsteige verlassen und es gebe auch keine Fußgängerampeln mit Grünphasen mehr für sie. Foto: Frieder Schindele | TMW



 Kommentieren    Trackback    Drucken

Noch keine Kommentare

Neuen Kommentar schreiben ...