Löwe brüllt bald wieder bayerisch
+++ Aktuell Der Vergleich sieht vor, dass der Lindauer Hafen mit dem Löwen und dem einzigen Leuchtturm Bayerns in das Eigentum der Stadt Lindau übergeht. Im Gegenzug werden den Konstanzer Stadtwerken umfangreiche Nutzungsrechte eingeräumt. +++
Konstanz (wak) Wenn alles gut geht, brüllt der Löwe an der Lindauer Hafeneinfahrt bald wieder bayerisch. Ob das Wappentier als Single in die Obhut der Bayern zurückkehrt oder ob er noch ein Gehege unter dem weiß-blauen Himmel bekommt, verkünden die Lindauer Oberbürgermeisterin Petra Meier to Bernd-Seidl und der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank am heutigen Mittwoch um 10 Uhr an Bord des Motorschiffes „Karlsruhe“ im Lindauer Hafen.
Streit dauerte sechs Jahre
Der Streit schwelt seit sechs Jahren. Damals – es war im Jahr 2003 - kauften die Konstanzer Stadtwerke von der Deutschen Bahn überraschend die Bodensee-Schiffsbetriebe samt zwölf Häfen, Immobilien, 15 Schiffen und auch noch dem Lindauer Löwen. Die Konstanzer Stadtwerke zahlten gerade einmal 12,5 Millionen Euro und erwarben die Weiße Flotte somit zum Schnäppchenpreis.
Wahrzeichen Löwe und Leuchtturm
Dass den Konstanzern der Lindauer Hafen gehörte, war für die Bayern schon schlimm. Am wenigsten aber vermochten es die Lindauer zu verschmerzen, dass ihr Löwe mit dem Kauf plötzlich badisch geworden war. Der Lindauer Hafen war schließlich mit dem sechs Meter hohen Löwen und
dem 33 Meter hohen Leuchtturm als die Wahrzeichen des Hafens 1856 gebaut worden. Erbaut hatte ihn der bayerische König Maximilian I - sein Sohn König Maximilian II vollendete ihn.
Oberbürgermeisterin wollte Löwengehege
Schon bald, nachdem der bayerische Löwe zwangsweise die badische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, verhandelten die Stadt Lindau und das bayerische Verkehrsministerium mit den Konstanzer Stadtwerken. Die Konstanzer wollten sich zu einem symbolischen Preis von nur einem Euro vom bayerischen Wappentier trennen. Einig wurden sich die Parteien aber nicht: Denn die Konstanzer waren nur bereit, den Löwen herzugeben, den Hafen aber wollten sie behalten. Unklar war, nicht nur wer die Unterhaltskosten tragen sollte. Petra Meier to Bernd-Seidl erklärte, der Löwe brauche auch ein Gehege. Sie meinte damit, die Hafenanlage mit ihren 46.000 Quadratmetern Fläche. Sie zählt zu den schönsten am ganzen Bodensee.
Städtekrieg am Bodensee spitzte sich zu
Dem Vernehmen nach soll den Lindauer Bürgern ihr Löwe so wichtig sein, dass sie gar einen Seekrieg unter Führung von Petra Meier to Bernd-Seidl angezettelt hätten. Ob die Lindauer dabei auch an den Raub der Konstanzer Imperia gedacht haben könnten, ist nicht überliefert. Dass sich die Parteien vor dem Oberverwaltungsgericht treffen würden, schien aber unausweichlich.
Vergleich geheim bis 10 Uhr
Überraschend haben sich die Bayern und Badener nun aber doch noch auf einen Kompromiss geeinigt. Die Initiative ergriffen hatten die Lindauer Oberbürgermeisterin und der Konstanzer Oberbürgermeister. Schon am 7. Oktober einigten sich Vertreter der Stadt Lindau und die Konstanzer Stadtwerke, deren Aufsichtsratsvorsitzender Horst Frank ist, auf einen Vergleichsvorschlag. Wie er aussieht, wollen Petra Meier to Bernd-Seidl und Horst Frank aber erst um 10 Uhr auf dem Schiff verkünden. Welche Summe – im Raum standen einmal 1,8 Millionen Euro – fließt und welche Werte den Besitzer wechseln, ist bis zur Verkündung des ausgehandelten Ergebnisses noch geheim. Sicher ist nur: Der Lindauer Löwe brüllt bald wieder bayerisch. Foto: Frieder Schindele





