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28. Oktober 2009 | Reichenau-Wahl: Diletanten am Werk

Prädikat unprofessionell

Konstanz (wak) Wie unprofessionell dürfen Bürgermeisterkandidaten eigentlich sein? Zwei der bei der Bürgermeisterwahl auf der Reichenau unterlegene Bewerber, Horst-Hubertus Krug, Mitglied der SPD, und der parteilose Andreas Berthold, haben vor der Wahl die vielleicht wichtigste Grundregel, die für Kandidaten gilt, nicht beachtet. Sie griffen einen ihrer Mitbewerber, Wolfgang Zoll, direkt an. Sie verbreiteten ein Gerücht und behaupteten, Zoll habe eine falsche Berufsbezeichnung angegeben.

Berthold hegte öffentlich Zweifel

„Ich bin überrascht. Es bedarf hier Klärung“, hatte der aufgeschreckte Berthold noch am Samstag vor der Wahl in einer Pressemitteilung geschrieben, die er per Mail an die Medien versandte. Gleich mitgeschickt hatte Berthold auch noch das Schreiben einer Konstanzer Rechtsanwältin. Die hatte in Zweifel gezogen, dass Wolfgang Zoll tatsächlich Fachbereichsleiter bei der Stadtverwaltung in Ludwigsburg ist.

Zoll drohte mit einer Anzeige

Der Angegriffene dementierte. Wolfgang Zoll, promovierter Theologe, Ex-Pfarrer und Quereinsteiger in die Verwaltung, erklärte am Samstag vor der Wahl auf eine Anfrage von dornroeschen.nu: „Ich kann Ihnen nur versichern, dass ich in Ludwigsburg das Amt eines Fachbereichsleiters versehe. Ich habe die Rechtsanwältin entsprechend informiert.“ Zoll weiter: “An den Gerüchten ist absolut nichts dran.“ Zoll war empört und drohte am Tag vor der Wahl - in einem Telefonat mit dornroeschen.nu - gar mit einem gerichtlichen Nachspiel.

Berthold machte Rückzieher

Andreas Berthold wenige Stunden später an seinen Mitbewerber Zoll: „Vielen Dank für Ihre Klarstellung. Ich glaube Ihnen.“ Auch die Medien informierte Berthold entsprechend.

Zolls Appell an den Mitbewerber

Zuvor hatte Zoll an Berthold appelliert: „Sie als Rechtsanwalt wissen, dass solche Gerüchte vor Wahlen in übler Absicht offenbar bewusst gestreut werden. Bitte beteiligen Sie sich nicht an dieser üblen Gerüchtemacherei.“ Berthold hatte die Mail von Zoll in einer Pressemitteilung an die Medien gleich mitgeschickt.

dornroeschen hielt sich raus

dornroeschen.nu verzichtete vor der Bürgermeisterwahl darauf über den Fall zu berichten, da selbst unbewiesene und dementierte Anwürfe und Gerüchte einen Kandidaten – in diesem Fall wäre es Wolfgang Zoll gewesen – beschädigen können.

Wahlschlappe für Gerüchte-Verbreiter

Die Quittung für diletantisches Agieren – und auch, weil sie die Wählerinnen und Wähler nicht von sich überzeugen konnten - erhielten die beiden Mitbewerber, die sich an der Verbreitung der Gerüchte beteiligt hatten: Andreas Bethold holte nur 1,7 Prozent der Stimmen. Enttäuschend war auch das Abschneiden von Horst-Hubertus Krug, der es sogar nur auf 1,1 Prozent brachte. Der vollkommen unbeteiligte Holger Amann erhielt nur 7,4 Prozent der Stimmen. Auf Wolfgang Zoll, Fachbereichsleiter bei der Stadt Ludwigsburg, entfielen 65,5 Prozent und er ging als klarer Gewinner aus der Wahl hervor. Möglicherweise führten die Gerüchte auch zu einer Solidarisierung mit dem angegriffenen Zoll. Die Amtszeit von Volker Steffens endet am 31. Dezember.



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2 Kommentare

  1. 1. GRH

    Es wäre erstaunlich und ist eigentlich kaum vorstellbar, wenn die das Gerücht in die Welt setzende Konstanzer Rechtsanwältin und die es verbreitenden beiden Kandidaten unterlassen hätten, sich in wenigen Sekunden über die Internet-Seite der Stadt Ludwigsburg über die berufliche Stellung des Dr. Zoll zu informieren.
    Mein Prädikat: unfair und dumm!!

  2. 2. neumann

    Dilettanten schreibt man so. Mit den Kenntnissen der deutschen Sprache seid Ihr auch beim Südkurier gut aufgehoben…

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