„Ich habe den Krieg verhindern wollen“
Konstanz (wak) An den in Konstanz verhafteten Hitler-Attentäter Georg Elser erinnert von Sonntag an eine Portraitbüste an der Schwedenschanze. Das Mahnmal, das in dem Garten steht, in dem Elser am 8. November 1939 bei seiner gescheiterten Flucht in die Schweiz festgenommen wurde, trägt die Inschrift „Ich habe den Krieg verhindern wollen“. Kurz vor Kriegsende – drei Wochen vor seinem eigenen Selbstmord - gab Hitler noch den Befehl, Elser, der nach der Tat in mehreren KZs inhaftiert war, zu ermorden.
Attentat scheiterte am 8. November 1939
Am kommenden Sonntag jährt sich das versuchte Attentat Georg Elsers auf Hitler zum siebzigsten Mal. Am 8. November 1939 explodiert um 21.20 Uhr im Bürgerbräukeller in München die von Elser gebastelte Bombe, die Hitler töten sollte. Der Sprengsatz verfehlte ihn, weil er den Saal früher als üblich verlassen hatte. Noch am selben Tag verhinderten Grenzbeamte, dass Elser über die Schweizer Grenze entkommen konnte.
Endstation Schwedenschanze
Bereits knapp zwei Stunden vor der Explosion der Bombe hielten zwei Grenzbeamte im Garten der Schwedenschanze den damals 36-jährigen Elser auf. Er war von München über Friedrichshafen nach Konstanz zurückgekehrt und versuchte vergeblich, in die Schweiz zu gelangen. Den Zöllnern war eine dunkle Gestalt im Garten aufgefallen. Hülsen und eine Postkarte des Bürgerbräukellers machten Elser verdächtig. Am Tag nach dem Anschlag erst wurde den Beamten bewusst, dass der Festgenommene etwas mit dem Attentat zu tun haben könnte. Elser wurde nach seiner eher zufälligen Festnahme im Garten des Sozialzentrums Wessenberg nach München und Berlin gebracht und von der Gestapo verhört. Am 13. November gestand er in München die Tat.
Arbeiter in Konstanzer Uhrenfabrik
Wochenlang hatte sich Elser vor dem missglückten Anschlag über Nacht im Bürgerbräukeller einschließen lassen, wo er das Attentat vorbereitete. Von 1925 bis 1929 war Elser - ein einfacher Schreiner, der aus einem Dorf in Württemberg stammte - in einer Konstanzer Uhrenfabrik angestellt. Bei seiner Arbeit in der Fabrik erwarb er sich mutmaßlich auch Kenntnisse, die es ihm später möglich machten, den ausgeklügelten Zeitzünder für seine Bombe zu konstruieren.
Elsers privates Leben in Konstanz
Von 1925 bis 1932 lebte Elser in Konstanz. Er mietete Zimmer in der Inselgasse, in der Gebhardstraße und in der Fürstenbergstraße. 1926 trat Georg Elser in den Trachtenverein „Oberrheintaler“ in Konstanz ein und kaufte sich eine Zither; er wurde Mitglied im Zitherclub Konstanz. Elser war auch Mitglied der Konstanzer Naturfreunde, an deren Veranstaltungen er häufig teilnahm. Obwohl eher ein Einzelgänger, war er wegen seiner korrekten Arbeitsweise und seiner freundlichen Art geschätzt. Zusammen mit einer Konstanzer Kellnerin hatte Elser einen Sohn, der seinen Vater allerdings nie kennenlernte. Die Frau starb 1980 und sein Sohn 1997.
Nach 70 Jahren Elser-Denkmäler
Verschiedene Veranstaltungen würdigen zum Jahrestag am kommenden Sonntag die Tat Elsers. In fünf Städten erinnern in Zukunft Denkmäler an Georg Elser, darunter eines in Berlin, wo in der Straße der Erinnerung im Alt-Moabiter Spreebogen bereits eine Büste des Hitler-Attentäters steht. Weitere Mahnmale erinnern in München und in Konstanz, wo seine Flucht in die Schweiz scheiterte, an den Widerstandskämpfer.
Lichtinstallation in München
Das Licht-Denkmal für Georg Elser in der Münchner Maxvorstadt symbolisiert seit wenigen Wochen einmal am Tag den Anschlag auf Hitler. Die Lichtinstallation der Künstlerin Silke Wagner soll eine Detonation, das Bomben-Attentat, nachahmen. Das Neonlicht leuchtet jeden Tag nur eine Minute lang – von 21.20 bis 21.21 Uhr, dem Zeitpunkt der Explosion.
Portraitbüste in Konstanz
Das Konstanzer Mahnzeichen soll am Sonntag, dem Jahrestag des gescheiterten Attentats, am historischen Ort seiner Festnahme an der Schwedenschanze enthüllt werden. Eine Abbildung der Portraitbüste findet sich bereits im Ausstellungskatalog „Sommer `39“, in dem der Historiker Tobias Engelsing auch die Geschichte des Hitler-Attentäters und von Georg Elsers privatem Leben in Konstanz erzählt. Foto: Frieder Schindele | TMW






