Schlemmen wie Gott in Baden
Konstanz (wak) Wenn 18 Köche aus Konstanz, dem Hegau und dem Untersee, dazu Winzer und Weinhändler, Bierbrauer und 600 Gourmets im Konstanzer Konzil zusammen kommen, geht es nicht etwa um die Wahl einer Päpstin, sondern ums hemmungslose Schlemmen. Gefühlt haben sich die Besseresser und Köche so ein bisschen wenigstens wie Gott in Baden.
Himmlische Verführer
Manfred Hölzl „Konzilgaststätte, Hubert Neidhart „Grüner Baum“ in Moos und ihre Kollegen hatten zum vierten Mal angerichtet – und alles war wieder einmal vom Feinsten. Die kulinarische Reise begann vielleicht mit Tom-Yum-Goong, einem sauer-scharfen Thai-Gemüsesüppchen mit extravagantem Garnelenzigarillo, serviert von Leonardo Amato, Viva Paradiese Island in Litzelstetten. Hubert Neidhart verwöhnte mit einer fantastischen gegrillten Bodenseelasagne mit Linsenkraut und verführte später noch mit gegrillter Eistorte mit Schattenmorellen.
Sauerbraten vom Kalbsbäckchen und Wildschweinbratwurst
Nicht ganz so exotisch aber genauso köstlich waren Hermann Stadelhofers Rheinischer Sauerbraten vom Kalbsbäckle, Kartoffelklöschen, Rotkohl, Markus Sibolds Geschmorte Spanferkelbäckchen mit Röstgemüse und geschmelztem Laugenknödel oder Jürgen Veesers Hausgemachte kleine Wildschweinbratwurst an schwarzer Trüffeljus mit Butterrotkraut und Speck-Lauch-Knödel. Obelix hätte vor Freude Hinkelsteine nach dem Koch geworfen! Florian Bottlang verfütterte Lauwarme Kartoffel-Kürbisrösti mit Linsensalat und gebackenem Ziegenkäse an die Gourmets – Dietmar Schaber Kürbissüppchen mit confiertem Schweinebauch und diverse Tapas aus dem Bandolino.
Hölzels Täubchen
Manfred Hölz hatte sich für Galantine vom Täubchen mit Linsen und Traubensößle und Wildsüppchen mit Gänseleberklößchen entschieden. Ein Genuss waren in Limonen-Olivenöl konfierte Lachsforelle auf orientalischem Couscous von Klaus Niedhart, Kürbisschaum mit Chili-Ingwerkarpfen von Thomas Honold, Ravioli mit Steinpilz-Mangold gefüllt auf Wildschweinragout, mit frischen Preiselbeeren und gehobeltem bergkäse von Egbert Tribelhorn und die Räucheraal-Hechtterrine mit Chillimousse, Zwiebelsprossen und violette Kartoffelchips von Bernd Blumauer.
Man spricht Italienisch
Heinz-Josef Diestel vom Staader Fährhaus punktete unter anderem mit im Briochteig gebackenem Rinderfilet dazu ein Kirsch-Honigchuttney und ein Rieslinggelee. Mauricio Canestrini vom Ristorante Pinocchio bestach unter anderem mit einer toskanischen Spezialität, gefülltem Kaninchenrücken an Kichererbsenpüree.
Die süßesten Verführer
Die süßen Versuchungen kamen dann ganz zum Schluss: Herbert Brands Kürbis-Ingwer-Grießflammerie, Henning Heises Limettenmousse mit Blaubeersuace, Vanille Espuma und Mandelhippe, Markus Jägers Ziegenkäse-Birnenstrudel mit Muskatnusseis und Grappasabayon und Michael Nolls Warmer Schokomuffin von Valrhona Grand Cru Schokolade, Mango-Chilliragout und Moscato di Asti Rahmeis mit Mascarpone.
Köche guckten Kollegen in die Töpfe
Die 18 Gänge begleiteten Weine der Spitalkellerei, des Markgrafen von Baden, dem Weingut Egelhof, dem Weingut Vollmayer oder der Überlinger Italiener De Sanctis, die einen wunderbaren sizilianischen Rotwein offerierten, den sie als kleines Extra mitgebracht hatten. Apropos Überlingen: Eine Woche vor ihrem eigenen Feinschmeckerabend ließen sich die Linzgau Köche schon einmal von ihren Konstanzer Kollegen verwöhnen. Gekommen waren Spitzenköche wie Peter Vögele vom Landgasthof Adler in Lippertsreute, Christian Klemm, den viele vom Golfplatz Lugenhof kennen oder Isolde Pfaff vom Löwen in Altheim, bei der auch ein Martin Walser gelegentlich gern einkehrt. Auch Köche aus dem Schwarzwald – wie der Rollweiler Italiener Pasquale Caputo – versäumten die Exkursion durch Konstanzer Küchen nicht.
Feinschmecker im Internet
Wieder einmal war der Feinschmeckerabend beste Werbung für die Kochkunst am Bodensee, der Frankreich eben doch nicht ganz so fern ist. Portraits der Köche, mehr über ihre Restaurants, Rezepte und Hinweise auf Feinschmeckerabende gibt’s unter www.amusegueules.de. Foto: Frieder Schindele | TMW






Das war bestimmt sehr lecker und auch was fürs Auge; zu mindest in den ersten Minuten nach dem Anrichten.
Basis für das Gelingen war bestimmt gutes Material, sei es in fester oder flüssiger Form.
Könnte es nicht mal eine Herausforderung sein, das Material in nicht so noblen Läden kaufen zu dürfen, so dass auch Ottonormalverbraucher es bezahlen kann?
Oder sich sogar an den SGB II Satz orientiert?
@wolfgangbecker
Stimmt, paar Minuten nach dem Anrichten waren diese schon gegessen. Oder bei schlechtem Material verfestigen oder verflüssigen die sich nach paar Minuten. Das Material haben die bestimmt im noblen Laden Zieger oder beim noblen Zwicker gekauft.