Züricher möchten den großen Wurf
Konstanz (wak) Zwei Büros haben zwei richtig gute Ideen. Beide Teams haben am Donnerstagabend in Konstanz dem Technischen und Umweltausschuss des Gemeinderats ihre Ideen präsentiert und gezeigt wie sie sich den neuen urbanen Bahnhofsplatz in Konstanz vorstellen. Die Landschaftsplaner und Städtegestalter möchten das „Fenster der Stadt“ zum See öffnen. Während sich das Team Nummer eins auf den Bahnhofsplatz beschränkte, möchte das Züricher Büro, das dem Platz eine wahrlich großstädtische Atmosphäre und Aufenthaltsqualität geben möchte, den ganz großen Wurf machen und plant vom Lago bis zum Fischmarkt. Entstehen würde ein weitläufiger städtischer Platz, auf dem Fußgänger Vortritt haben und Busse und Autos nicht schneller als 20 Stundenkilometer fahren dürfen.
Die Stadt zum See
Die Züricher, das Landschaftsarchitekturbüro Hager, nimmt den Slogan der Stadt wörtlich und öffnet „Die Stadt zum See“. Der neue Bahnhofsplatz könnte die Altstadt mit dem See verbinden. Der Platz wäre in Zukunft ein neues Tor zum See. Der gesamte Bahnhofsplatz erhielte eine Oberfläche mit einheitlichen Belag. Fußläufige Beziehungen stünden im Mittelpunkt. Das Fugenbild liefe quer über den Platz und würde die platzbildprägenden Gebäudefassaden verbinden. Der eigentliche 6,8 Meter breite Fahrbereich könnte sich optisch vom restlichen Platz abheben. Ein Blindenleitsystem wäre in die Oberfläche integriert, so dass sich auch Sehbehinderte und Mobilitätseingeschränkte sicher in der neuen Begegnungszone bewegen könnten.
Den See in die Stadt holen
Die Züricher Planer möchten ein Stück Uferlandschaft und Parkatmosphäre auf den neuen Bahnhofshofsplatz herüberziehen und mit einer Allee aus hochastigen Platanen einen visuellen Bezug zum See herstellen. Sitzbänke aus Holz würden im Schatten von Platanenschirmen zum Sitzen einladen. Wasser auf dem Platz spielt beim Entwurf der Züricher nur eine untergeordnete Rolle, als Anspielung auf den See möchten sie aber nicht ganz auf das Element verzichten. Ein Merkmal, das den Entwurf der Züricher entscheidend von dem des anderen Büros abhebt, ist die Einbeziehung der Markstättenunterführung und des Fischmarkts. Die wichtigste Verbindung zwischen Altstadt und See, die Markstättenunterführung, würde neu zum Bahnhofshofsplatz hin geöffnet, wo eine breite Treppenanlage auch mit Stufen zum Sitzen entstünde, die der Unterführung ihre Enge und ihren schmuddeligen Schlundcharakter nehmen würde.
Tempo 20 am Fischmarkt
In Richtung Bodanstraße würde eine imaginärer Linie über den Platz auf die neue Bahnhofsbrücke zuführen, die schon demnächst, am 21. November, für Fußgänger freigegeben wird. Der Platz vor dem Lago würde durch eine klare Trennung vom neuen Bahnhofsplatz noch einmal aufgewertet. Busse sollten von der Bodanstraße bevorrechtigt in die Begegnungszone einfahren dürfen. Für den Bereich des Fischmarktes schlagen die Planer eine nur noch weiche Trennung zwischen Fahr- und Gehbereichen vor. Der nichtmotorisierte Verkehr würde Raum gewinnen und Autos müssten sich auch am Fischmarkt an Tempo 20 halten.
Fahrradparkhaus und Kurzzeitstellplätze geplant
Auf dem Bahnhofsplatz entstünden – neben den ästhetischen Elementen – sämtliche funktionale wie überdachte Bushaltestellen, Fahrradabestellanlagen inklusive Fahrradparkhaus, 20 Kurzzeitstellplätze oder  Plätze für Taxen.
Alternativer Entwurf
Ihren Entwurf vorgestellt hat bei der Sitzung - neben den Zürichern - auch die ArGe Lohrer-Hochrein, Landschaftsarchitekten, München, mit Ambrosius Blanke, Verkehrsplaner Bochum. Sie bezeichneten in ihrem Erläuterungstext den Bahnhofsplatz als „Einstiegsplatz“ in die Stadt. Die Oberflächen der Fahr-, Warte-, Geh- und Aktionsbereiche würden sich in der Helligkeit unterscheiden und den Raum so optisch aufteilen. So entstünde auf dem Platz auch ein sicherer Fußgängerbereich. Die ArGe, die von einem sogenannten verkehrsberuhigten Geschäftsbereich mit Tempo 10 oder 20 ausgeht, möchte ebenfalls Schatten spendende Bäume pflanzen, als dichte Blöcke oder locker gestellte Gruppen. Skulpturale Sitzmöglichkeiten und Wasserspiele würden dem neuen urbanen Platz ein Gesicht geben. Der Entwurf sähe – wie der der Züricher - sämtliche funktionale Elemente vom Blindenleitstreifen bis zu Bushaltestellen und dem Fahrradparkhaus vor.
Kostenobergrenze 2,5 Millionen Euro
Die Stadt hat bereits festgelegt, dass die Neugestaltung eines urbanen Bahnhofsplatzes nicht mehr als 2,5 Millionen Euro kosten dürfe. Während die Züricher bei ihrer Kostenschätzung – ohne Planungs- und Nebenkosten – auf Bruttobaukosten in Höhe von rund 2,2 Millionen Euro kämen, schätzt die ArGe die Kosten für die Umsetzung ihres Entwurfs auf rund 2,6 Millionen Euro.
Tempo 30 für Laube vorgeschlagen
Die Vorschläge der Büros fanden die gefühlte Zustimmung der Mehrheit im Rat. Alexander Fecker (CDU) zeigte sich begeistert von der Idee, bis zum Fischmarkt zu planen. Heinrich Everke (FDP) schlug vor, zeitgleich mit der Einrichtung der Begegnungszone den Rheinsteig, die Laube und die Konzilstraße zu Tempo 30 Zonen zu machen. Den Verkehr in der Altstadt verringern wollen auch SPD und FGL. Statt über die alte Rheinbrücke möchten sie den Verkehr verstärkt über die neue Rheinbrücke führen, so die Altstadt vom Verkehr entlasten oder die Konstanzer gleich zum Umsteigen auf den Bus bringen. Bevor die Räte eine Entscheidung fällen, werden sie sich noch Begegnungszonen in Deutschland und der Schweiz anschauen.






Gute Ideen, aber die Doofen im Stadtrat werden noch mehr Autos in die Stadt holen.
Ich möchte ja auch lieber MIT DEM AUTO DURCH DAS LAGO FAHREN!!!!!!!!!!
Hier ein schöner Artikel darüber, wie stark Begegnungszonen die Unfallgefahr senken:
http://www.bmj.com/cgi/content/full/339/dec10_3/b4469