Der große Hockgraben
Konstanz (wak) Die Handlung spielt im Jahr 2009 n. Chr., nachdem die Schmieder-Kliniken schon große Areale des Konstanzer Seeufers mit Ausnahme eines kleinen Baches erobert haben. Nur dieser kleine Bach, der ein echtes Biotop mit vielen Pflanzen und Tierarten ist, leistet den Schmieder-Kliniken noch Widerstand. Ein Planungsworkshop mit Kommunalpolitikern, Planungsbüros, Anwohnern und den Investoren soll bis zum Sommer kommenden Jahres den großen Graben überwinden helfen und den Weg für eine Präventivklinik frei machen. Momentan trennt der Hockgraben die Beteiligten aber noch. Der Naturschutzbund (Nabu) fürchtet um den Lebensraum für Vögel, Fledermäuse und Pflanzen.
Mettnau-Kur auf Konstanzerisch
Überlingen hat die renommierte Fastenklinik Buchinger, die ganzheitlichen Wohlbefinden verspricht, und Radolfzell hat die Mettnau-Kur, in der ebenso gern Prominente einchecken. Konstanz könnte demnächst eine schöne neue Schmieder Präventionsklinik bekommen. Sie wäre dann die dritte Klinik am westlichen Bodensee, die Privatpatienten und Selbstzahlern vielleicht nicht das ewige Leben aber längere Gesundheit verspricht.
Schmieder will Grundstückstausch
Wer es sich leisten kann, könnte in der Schmieder Präventionsklinik einchecken, die in Sichtweite des Seeufers zwischen der Rosenau und der Villa Douglas entstehen soll. Einverstanden sein müssen aber die Konstanzer Räte. Denn um so bauen zu können, wie es sich Dr. Dagmar Schmieder vorstellt, bedarf es einer Änderung des Bebauungsplans. Anders als einmal vorgesehen möchten die Schmieder-Kliniken die Baufläche möglichst weit von der bereits bestehenden Klinik abrücken. Als die Kliniken Schmieder Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre ihre heute bestehende Klinik planten, sollte noch eine Erweiterungsmöglichkeit in unmittelbarer räumlichen Nähe zur Klinik geschaffen werden. Dort wollen die Kliniken Schmieder nun aber nicht mehr bauen. Denn den Patienten, die in der neuen Klinik einchecken, soll der Anblick von Schlaganfallpatienten und Unfallopfern erspart bleiben. Ihre neue Pärventionsklinik platzieren möchten die Schmieders deswegen ganz am westlichen Ende des Areals bei der Rosenau und damit möglichst weit weg vom bestehenden Gebäude. Im kommenden Jahr, voraussichtlich im dritten Quartal, würden die Investoren gern einen Realisierungswettbewerb ausloben. Bis dahin müsste aber klar sein, wo die neue Klinik entstehen kann. Dass die Stadt die Verschiebung der Baufläche – den Grundstückstausch - nicht einfach so abnickt, hat vor allem einen Grund: Es geht um den Bach, den Hockgraben, der auch in Zukunft ungehindert fließen soll.
Selbstzahler wollen keine Kranken sehen
Fakt ist, die Kliniken Schmieder, die einen hervorragenden Namen als Neurologisches Fach- und Rehabilitationskrankenhaus haben, möchten eine ganz neue Abteilung „Neurologische Prävention“ in einem neuen Haus eröffnen. Erstmals soll der Bereich Prävention hinzu kommen. Einem Papier der Kliniken Schmieder ist zu entnehmen, dass es in der neuen Klinik einerseits um die Diagnostik von Risikofaktoren und andererseits um das Lernen von Vorbeugemaßnahmen und Training gehen soll. Zielgruppe sind (noch) Gesunde im Alter von 40 oder 50 Jahren plus, Privatversicherte, Beihilfebezieher und Selbstzahler. Diese Patienten möchten sich nicht zusammen mit schwererkrankten Patienten, die unter Geh- oder Sprachstörungen leiden, in der Klinik aufhalten, heißt es sinngemäß in dem Papier. Die bestehende Konstanzer Schmieder Klinik mit ihren 190 Betten ist 1992 eröffnet worden. Typische Patienten sind Menschen, die nach einem Schlaganfall oder einem Unfall, nicht mehr richtig sprechen können oder auf einen Rollstuhl angewiesen sind.
50-Quadratmeter-Suiten geplant
Geplant sind für die neue Klientel 24 je 50 Quadratmeter große Zwei-Zimmer-Einheiten mit Arbeits- und Schlafzimmer oder Schlaf- und Wohnzimmer. Nur zur Diagnostik müssten sich die Selbstzahler in die bestehenden Kliniken in Konstanz oder Allensbach begeben. Die Therme wäre für die gesunden Patienten ein attraktives Freizeitangebot.
Hockgraben ökologisch wertvoll
Ins Gehege kommen sich am geplanten Standort die Pläne der Kliniken Schmieder und der Schutz der Landschaft. Der Hockgraben gilt – samt des Gewässerrandstreifens und der Auwaldbereiche - als ökologisch hochwertig. Der Bach hat insgesamt eine Länge von knapp über drei Kilometern. Er verläuft durch den Lorettowald zum Bodenseeufer. Im Bereich Hockgraben wurden 26 Vogelarten festgestellt, darunter über ein Dutzend, die dort auch brüten. Sogar Mäusebussard und Schwarzmilan wurden gesichtet. Auch schützenswerte Baumbestände gibt es im Schmieder-Areal - wie einen Mammutbaum und eine Blutbuche, die längst Naturdenkmäler sind und schon seit dem 19. Jahrhundert an ihren Standorten stehen. Der Aufschrei von Naturschützern, die jedem Eingriff ins Biotop äußerst kritisch gegenüber stehen, ist entsprechend groß.
Der große Graben
Am Donnerstag dieser Woche wird sich auch der Konstanzer Gemeinderat mit dem Thema Neubau einer einer Präventionsklinik Schmieder und den Konflikten mit dem Landschaftsschutz befassen. Der Rat könnte sich für einen Planungsworkshop aussprechen. Bevor die Konstanzer Räte dann 2010 endgültig über den von den Kliniken Schmieder gewünschten Grundstückstausch und eine Änderung des Bebauungsplans entscheiden, könnten sich die Parteien angenähert haben und der große Graben wäre bestenfalls zu einem kleinen Rinnsal verkümmert.





