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8. Januar 2010 | Ermittlungen im Fall Kampusch abgeschlossen

Es war eine klassische Zeitungsente

Konstanz (wak/gro) Die Ermittlungen im Kriminalfall Natascha Kampusch sind endgültig beendet. Informationen eines angeblichen Zeugen aus dem Kreis Konstanz haben sich als klassische Zeitungsente entpuppt. Trotzdem geistert noch immer eine Seite mit den Fehlinformationen durchs Internet, der Entführer von Kampusch habe einen Mittäter gehabt. Österreichische Ermittler kamen zum Schluss, dass Wolfgang Priklopil, der die junge Frau entführte und Jahre lang gefangen hielt, alleine handelte. Der Redakteur, der die Fehlinformation groß aufmachte und verbreitete, war dem mehrfach vorbestraften Tengener Thomas Häring aufgesessen, der auch schon mal versucht hatte, im Konstanzer Inselhotel einen später als Fälschung deklarierten Picasso zu versteigern.

Österreichische Medien sprechen von „Spinner“

„Haben sich die 9000 Arbeitsstunden der Soko Kampusch gerechnet? Hat es sich gelohnt, noch einmal das Verlies umzudrehen? Hat es sich ausgezahlt, jeden Spinner auszuforschen, der irgendwelche Verschwörungstheorien in die Welt setzt?“ fragt Ricardo Peyerl in der Online-Ausgabe des “Wiener Kurier” am Tag, als die Ermittler die Akte schlossen. In die Kategorie „Spinner“ dürfte der österreichische Redakteur auch den Mann aus dem Kreis Konstanz einordnen.

Spur in den Kreis Konstanz war eiskalt

Seit dem Neuaufrollen des Falles 2008 hatten die österreichischen Ermittler 110 Personen, 30 davon als Zeugen, befragt. Das berichtet die Wiener Zeitung in ihrer Ausgabe vom Samstag und am Freitagabend schon online. In fast 10.000 Arbeitsstunden seien die Ermittler „selbst den skurrilsten und krausesten Theorien und Hinweisen“ nachgegangen. So hätten die Österreicher mit Hilfe deutscher Kollegen auch Thomas Vogel überprüft, jenen Mann, der im Internet mehrere Seiten zum Thema eingerichtet und behauptet hatte, er verfüge über einschlägige Videos, auf denen Natascha Kampusch zu sehen sei. Man habe seine Festplatte beschlagnahmt und durchsucht, aber nichts gefunden.

Zeitung korrigiert indirekt frühere Falschmeldung

Zurück gerudert ist längst die Heimatzeitung, die am Freitagabend ebenfalls in ihrer Online-Ausgabe aktuell über das Ermittlungsergebnis berichtete. Thomas Vogel, der Mann aus dem Kreis Konstanz, habe bundesweit, in Österreich und weiteren europäischen Ländern, zahllose Interviews zu angeblich brisantem Material gegeben, „das er zum Fall Kampusch gefunden haben wollte“, so der “Südkurier”. „Ein Video mit Hinweisen auf einen Mitwisser in diesem Entführungsfall wollte er im Internet entdeckt haben“, heißt es weiter. „Doch alle Hinweise”, die von der Heimatzeitung verbreitet worden waren, “und alles Material, das von der deutschen Polizei im Auftrag der österreichischen Ermittler sichergestellt worden ist, war für die Untersuchung völlig wertlos“.

Falsche Behauptungen noch immer im Internet

Wer “Kampusch” als Suchbegriff bei Google eingibt, erhielt gestern 293.000 Treffer. Zu finden war auf diese Weise am Freitagabend auch weiterhin die Seite, auf der der dubiose Informant aus dem Kreis Konstanz noch immer seine Behauptungen verbreitete – ungeachtet der Erklärung der österreichischen Ermittler, die die Akte Kampusch endgültig geschlossen haben und die Informationen des Deutschen offenbar unter dem Kapitel Verschwörungstheorien abgelegt haben.



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Ein Kommentar

  1. 1. dk

    Wahrscheinlich wird sich die etwas gescholtene Medien-Vielfalt in den nächsten Wochen und Monaten mit einem anderen Thema beschäftigen:

    Online-Datenbank „Medienarchiv68“ startet am 17. Januar 2010
    http://www.axelspringer.de/artikel/Online-Datenbank-Medienarchiv68-startet-am-17.-Januar-2010_1086007.html

    “Ab Sonntag, 17. Januar 2010, wird hier eine Online-Datenbank mit rund 5.900 Artikeln aus den Jahren 1966 bis 1968 für jedermann zugänglich sein und zeigen, wie die Redaktionen von Axel Springer über die 68er-Bewegung berichtet haben. …”

    Vielleicht ergibt sich daraus sogar eine weitere Dauerausstellung für und über KN.

    weiterer Link:
    Axel Springer öffnet 68er-Archiv im Netz
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Axel-Springer-oeffnet-68er-Archiv-im-Netz-902492.html

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