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24. April 2010 | Ein Fonds namens Triton bietet für Karstadt

Raimund Franke: „Das werden spannende Wochen“

Konstanz/Frankfurt/Essen (gro) Deutsch-skandinavische Finanzinvestoren wollen die Kaufhauskette Karstadt kaufen und sanieren. Ihre Fondsgesellschaft Triton legte am Freitagnachmittag als einzige Bieterin für die vor knapp einem Jahr in Konkurs geratene Arcandor-Tochter kurz vor Auslaufen der betreffenden Frist ein Gebot vor, das nun die Grundlage bildet für Übernahmeverhandlungen. Raimund Franke, Geschäftsführer des Karstadt-Hauses in Konstanz, ist überzeugt davon, dass Karstadt nun vor „sehr spannenden Wochen“ steht. Insider schätzen den Wert der Kaufhauskette Karstadt (ohne Immobilien) auf mindestens 150 Millonen Euro. Karstadt Konstanz beschäftigt knapp 300 Frauen und Männer. Bundesweit sind es etwa 25.000 Beschäftigte.

„Mit einem wochenlangen Pokerspiel ist zu rechnen“

Als in der Essener Karstadt-Zentrale am Freitag bis zum Mittag immer noch kein Gebot vorlag, hielt es Franke für „durchaus möglich“, dass auch Angebote jenseits der Deadline um 17 Uhr eingehen und berücksichtigt werden könnten. Doch dazu kam es nicht. „Buchstäblich in letzter Minute“ habe Triton ein Angebot abgeben, berichtet das Düsseldorfer „Handelsblatt“. Nach ersten Informationen liege die Offerte wahrscheinlich weit hinter den Erwartungen von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg. Laut Franke darf aber vermutet werden, dass sich nun weitere Interessenten melden. Man müsse mit einem wochenlangen Pokerspiel rechnen.

Bereits heute beginnen die Übernahmeverhandlungen

Die Übernahmeverhandlungen beginnen, wie man aus Essen hört, bereits am heutigen Samstag. Triton will sein Konzept vorlegen. Vorab hiess es dazu am Freitag, man wolle Karstadt nicht zerschlagen, sondern „als Ganzes weiterführen“. Insolvenzverwalter Görg will „möglichst schnell einen Kaufvertrag abschliessen“. Ob es tatsächlich „schnell“ dazu kommt, darf laut Raimund Franke „bezweifelt“ werden. Die Situation sei „komplex“ und „teilweise kompliziert“, auch wenn nun die Belegschaft erst einmal durchatmen könne.

Angeblich stehen Triton 2,5 Milliarden Euro zur Verfügung.

Triton, eine 1998 gegründete deutsch-skandinavische Beteiligungsgesellschaft, hat Niederlassungen in Frankfurt, Stockholm und London. Triton steht nach eigenen Angaben aktuell ein noch nicht investiertes Fondsvolumen von etwa 2,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Zu hören ist ferner, dass der Fonds im Auftrag der Investoren in enger Abstimmung mit den Mitarbeitern absolut unabhängig gesteuert und verwaltet wird.

Kommt am Ende Goldman Sachs ins Spiel?

Vom Tisch ist mit dem Triton-Gebot vorerst das Gerücht, Goldman Sachs könnte womöglich die Karstadt-Kette mit ihren 120 Kaufhäusern übernehmen und zerschlagen. Dieses Gerücht nährt sich aus der nahe liegenden Überlegung, dass die New Yorker Investmentbank ohnehin schon mit Karstadt verbunden ist, weil die Immobilien der klammen Kaufhauskette vom maroden Mutterkonzern Arcandor für einen - wohl überhöhten Preis - an Highstreet verkauft worden sind: an einen Immobilieninvestor, der zu 50 Prozent Goldman Sachs gehört. Sollte sich das Gebot von Triton am Ende als zu gering herausstellen, könnte Goldman Sachs tatsächlich noch als Käuferin ins Spiel kommen.

Verzicht auf Urlaubsgeld und Weihnachtsgratifikation

Die 25.000 Beschäftigten der Karstadt-Kette haben durch den auf zwei Jahre begrenzten Verzicht auf Urlaubsgeld und Weihnachtsgratifikationen rund 150 Millionen Euro zur Sanierung des Kaufhauskonzerns beigesteuert. Sie besitzen allerdings immer noch relativ komfortable Arbeitsverträge. Das seit vier Monaten leerstehende, ehemalige Kaufhaus Woolworth an der Marktstätte ist allerdings ein Mahnmal dafür, dass auch ein überwiegend mit Geringverdienern betriebenes Haus trotz guter Umsätze und ordentlichem Ertrag dicht gemacht wird, wenn Spekulanten am Werke sind, die mit sozialer Verpflichtung nichts anfangen können.

Am Rande mischt womöglich auch die Deutsche Bank noch mit

Gleichwohl erwarten die Finanzinvestoren von Triton, wie man hört, „weitere Zugeständnisse“ der Belegschaft. An solchen Forderungen könnte ein Kauf von Karstadt scheitern. Dann könnte Goldman Sachs die Warenhauskette selber übernehmen, eventell mit weiteren Gesellschaftern aus dem Highstreet-Konsortium, zu dem auch die Deutsche Bank, die italienische Pirelli, Generali und der italienische Warenhausbetreiber Borletti gehören. Das weiß auch der Finanzinvestor Triton. Und ein wenig darf man auf eine menschlich verträgliche Lösung durch Triton hoffen: Schliesslich investieren in den Fonds neben der deutschen KfW auch die Weltbank und mehrere schwedische Familienstiftungen. Bild: Frieder Schindele | TMW




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