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10. August 2010 | Erste Stationen waren Birnau und Bregenz

Lenks Päpstlein auf grosser Fahrt – heute in Salzburg

Konstanz (gro) Peter Lenks aus dem Konstanzer Bahnhof gewiesenes Päpstlein ist seit Montag auf triumphaler Fahrt in Richtung Steiermark. Heute gibt es eine Audienz auf dem Ursulinenplatz in Salzburg. Es ist damit zu rechnen, dass die Reisegruppe samt Gefolge auch dort, im Zentrum der österreichischen Kulturmetropole, herzlich begrüsst und aufgenommen wird. So war es schon in Bregenz, wo Gerd Alfons von der Festspielleitung das Päpstlein und seine Begleiter gerne 24 Stunden beherbergt und beköstigt hätte - nach dem Motto „bei uns muss jede Meinung Platz haben“. Doch die Reise bis ans Ziel in der Steiermark ist noch weit, und mindestens sechs weitere Audienzen sind noch unterwegs zu absolvieren.

Platzhirsche, Korrespondenten und Filmemacher

ORF und SWR, jeweils mir Redakteurin und Kameramann, Korrespondentinnen und Korrespondenten grosser Zeitungen, die Platzhirsche vom „Südkurier“, Martin Baur (Überlingen) und sein Kollege Josef Siebler aus Konstanz, Filmemacher Douglas Wolfsperger und ein Videoteam um den Konstanzer Journalisten und Linke-Stadtrat Holger Reile – der Medienauftrieb war enorm, als das Papamobil mit der inkriminierten, von einer Tiara gekrönten Gauklerskulptur auf seiner Reise von Bodman nach Weiz bei Graz vor der Klosterkirche Birnau gegen 10 Uhr seinen ersten Halt einlegte.

Botschaft über den See an die Konstanzer

Anlass für den Stop in Birnau gab die Haltung des Ordinariats der Erzdiözese Freiburg, das sich nach Meinung vieler Menschen erst kürzlich aus der Verantwortung stahl, als es um die Aufklärung von Missbrauchsfällen im Kloster Birnau ging. Im Übrigen war die „Birnauer Audienz“ auch eine Botschaft an die Konstanzer Betreiber der aktuellen Verbannung eines Kunststückes aus der Werkstatt von Bildhauer Lenk. Das ausgewiesene Päpstlein hätte, so sagte Lenk, eigentlich bis September in der so genannten Mobiltätszentrale des Konstanzer Bahnhofs stehen sollen, „damit auch dem letzten kurzsichtigen Katholiken klar wird, dass es sich bei der Figur nicht um eine Nachbildung des ehemaligen Kardinals Ratzinger handelt“.

Nur die Bildzeitung hat sich entschuldigt

Genau das: dass in der frisch renovierten Konstanzer Bahnhofshalle die Stein gewordene Karrikatur „unseres Papstes“ die Gläubigen „schocke“ und deren religiöse Gefühle verletze, war von der Bildzeitung Ende April dieses Jahres in grosser Aufmachung behauptet worden. Garniert wurde Falschmeldung mit empörten Kommentaren der christdemokratischen Spitzenpolitiker Heribert Rech (Landesinnenminister) und Thomas Strobl (Landesgeneralsekretär) sowie mit einer ebenso abfälligen Einschätzung des Konstanzer Dekans Mathias Trennert-Hellwig. Während sich die Bildzeitung hinterher in aller Form für ihre Fehlleistung mehrfach entschuldigte, blieben die Politiker und der Geistliche, die sich für die Stimmungsmache der Bildzeitung benutzen liessen, bis heute jedes bedauernde Wort gegenüber dem Künstler schuldig.

Seit 17 Jahren hoch auf der Imperia im Hafen

Die Wahrheit ist, dass Peter Lenk vom Geschäftsführer der im Wesentlichen stadteigenen Konstanzer Tourist-Information im Frühjahr gebeten worden war, die Skulptur zur Verfügung zu stellen, damit im neu hergerichteten Bahnhof für zusätzliche Attraktivität gesorgt sei. Lenk stellte das 700 Kilo schwere Kunststück - eine originalgetreue Kopie der Papstfigur, die von der Hafenschönen Imperia seit nunmehr 17 Jahren auf der erhobenen linken Hand balanciert wird - kostenlos zur Verfügung und baute sie mit dem dazu gehörenden Stahlsockel auch selber in der Bahnhofshalle auf. Als die Tourist-Information (TI) wenige Tage nach der Aufstellung wegen des Bild-Artikels und wegen der verleumderischen Drohungen von CDU und Kirche den sofortigen Abbau der Skulptur verlangten, weigerte sich Lenk, dem nachzugeben und forderte eine Lösung nach demokratischen Grundsätzen.

Das Päpstlein widerrechtlich entfernt und eingelagert

Die Angelegenheit wurde nicht nur in ganz Deutschland, sondern Europa-weit von der Presse aufgegriffen, und obwohl dem Päpstlein vom Kunstverein Weiz „künstlerisches Asyl“ bereits fest in Aussicht gestellt war, wurde die Skulptur Mitte Juli auf Geheiss des TI-Aufsichtsrats von der Stadtverwaltung widerrechtlich in einer Nacht- und Nebel-Aktion aus der Bahnhofshalle geschafft und im Wertstoffhof eingelagert. Da hatte Lenk die Nase endgültig voll, verzichtete auf Rechtsmittel und Entschädigung und machte sich daran, die Übersiedlung der Figur nach Weiz in der Steiermark vorzubereiten.

Asyl für die Papstfigur und das eine grosse Ausstellung

Die Kosten für den Umzug übernimmt Österreich; Das Kunsthaus Weiz unter der Leitung von Georg Köhler, ein vor 5 Jahren eröffneter Glaspalast in der Mitte des 10.000-Einwohner-Städtchens nahe Graz, finanziert mit der Unterstützung des Österreichischen Bundesparlaments und der Regionalbehörden ferner eine Ausstellung mit repräsentativen Arbeiten des Bodmaner Künstlers. Die Eröffnung ist am Donnerstag dieser Woche. Zwei Kleinlaster mit Werken von Peter Lenk sind seit heute Morgen unterwegs in die Steiermark.

Ein anderer Umgang mit Kunst und Künstlern

Wie anders der Umgang mit Kunst und Künstlern im Nachbarland funktioniert, zeigte sich schon gestern Mittag, als die kunstpäpstliche Delegation mit dem Weizer Kunstaktivisten Johan Mader in Bregenz ankam. Zunächst gab es nach dem herzlichen Empfang die eingangs erwähnte Einladung, über Nacht Gäste der Festspielgesellschaft zu sein, und schliesslich, als dies nicht in Anspruch genommen werden konnte, einen regelrechten Triumphzug aus der Stadt Bregenz hinaus.

Abstecher zur einzigen Kunst-Raststätte

Die Delegation nahm gestern nicht den direkten Weg nach Salzburg, sondern fuhr von Bregenz wieder nach Norden: zur einzigen Autobahn-Kunst-Raststätte Deutschlands, zur Raststätte „Illertal Ost“ im Kreis Biberach nahe Ulm. Die von Dirk Rockrohr geleitete Raststätte wurde von dem österreichischen Architekten Herbert Maierhofer entworfen und gestaltet, einem Mann, von dem man annehmen möchte, dass er bei Friedensreich Hunderwasser praktiziert hat. Über Nacht ging die Reise dann nach Salzburg auf den Ursulinenplatz.

10 Stationen „wie die 10 Gebote“

Ingesamt hat die Reise, wie Johan Maden, der selbsternannte provisorische „päpstliche Hofnarr“ erzählt, 10 Stationen („wie die 10 Gebote“). Mindestens bei zwei Festivals ist man zu Gast. Das eine steht unter dem Motto „Gaukler und innerer Schalk“, das andere „Transit und Eigensinn“. Tieferer Sinn der Reise ist es laut Lenk und Maden, mitzuhelfen den Vatikan zu überzeugen, dass es an der Zeit sei, wieder einen päpstlichen Hofnarren anzustellen, der „ungestraft die nackte Wahrheit sagen kann“. Das Amt des Hofnarren, das es Jahrhunderte lang gab, sei 1566 vom Grossinquistitor und späteren Papst Pius V. abgeschafft worden. Seither, so sagt Lenk, liefen die Päpste stets Gefahr, „selber für Hofnarren oder Gaukler gehalten zu werden“.

Kundiger Beitrag in der SWR-Abendschau – dreimal im ORF

SWR-Redakteurin Theresia Blömer, die ihren Kameramann Paul Grom aus Baden-Baden dabei hatte, überraschte mit einem überaus kundigen Beitrag in der Abendschau des Südwestrundfunks um 18.45 Uhr. Die Sendung ist in der Mediathek des SWR aufwendig versteckt. Deswegen der Link mit dem direkten Weg zu dem Bericht von der Birnau:
www.swr.de/landesschau-bw/-/id=122182/did=6750368/pv=video/nid=122182/1it9n46/index.html

Der Beitrag von ORF-Redakteurin Ingrid Bertel fiel etwas knapper aus, wurde aber gleich dreimal gesendet: um 17.05 Uhr in „Österreich heute“, um 19 Uhr in „Vorarberg heute“ und um 19.30 Uhr in „Zeit im Bild“, dem Pendant zur deutschen „Tagesschau“.




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Ein Kommentar

  1. 1. Nabholz

    Gähn,schon wieder Lenk.Langsam wird es langweilig.Was zahlt der eigentlich für diese Promotion?

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