Dieser Mann steht für Journalismus und Engagement
Konstanz (gro) Bundesverdienstkreuz für einen Konstanzer Journalisten: Werner Häusler, 85, hier in seinem Adlerhorst hoch über der Marktstätte, bekommt den vom Bundespräsidenten verliehenen Orden am 16. September im Landratsamt von Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) überreicht. Damit soll die Lebensleistung eines Mannes gewürdigt werden, der sich weit über seine berufliche Tätigkeit hinaus engagiert hat. Dabei bedeutete der Beruf alleine schon ein besonderes Engagement, jedenfalls so, wie ihn Häusler für sich selbst verstand: Er lebte den Journalismus. Nicht zuletzt über zwei Jahrzehnte lang als bestinformierter Berichterstatter aus dem Landgericht seiner Heimatstadt Konstanz, in erster Linie für den „Südkurier“, ferner für über ein Dutzend Tageszeitungen, darunter führende Blätter in Baden-Württemberg und der Schweiz.
Die Leidenschaft für Sensationen
Ohne Werner Häusler gäbe es heute weder die Imperia noch den historischen Raddampfer Hohentwiel, das mit grossem Abstand schönste Passagierschiff auf dem Bodensee. Das ist die andere Seite von Häusler. Denn er war eben nicht nur Journalist. Immer wieder kam es in seinem Leben dazu, dass er selber für Berichterstattung sorgte. Denn er, der Freie Journalist, der sich nie komplett und ausschliesslich in den Dienst einer Redaktion stellen mochte, hatte auch die Leidenschaft, Projekte ins Leben zu rufen, Entwicklungen zu befördern und hin und wieder für Sensationen zu sorgen.
Dauerhafter Verbleib in Stuttgart - undenkbar
Dass Häusler nebenher eine Zeitlang auch Gemeinderat war, einmal für das Amt des Konstanzer Oberbürgermeisters kandidierte, etliche Monate die gefürchteten, wöchentlichen „Neuesten Rathausnachrichten“ herausbrachte und sich auch als Sprecher der Landes-FDP versuchte, sei ebenso nebenher erwähnt. (Dass die Sache mit dem Parteisprecher hier als Versuch bezeichnet wird, möge Werner Häusler verzeihen: Das musste scheitern, weil der damals längst eingefleischte Konstanzer Liberale sonst dauerhaft in Stuttgart hätte bleiben müssen - undenkbar.)
Er gab den Auftrag für die umstrittene Hafenschöne
Alles andere als nebenher amtete Werner Häusler als Erster Vorsitzender des Konstanzer Fremdenverkehrsvereins (heute Kontour e.V.), und das geschlagene 12 Jahre lang (von 1990 bis 2002). Es war die bisher wohl turbulenteste Zeit des Vereins. Allein der Wirbel um Peter Lenks Hafenschöne Imperia und die daraus resultierende, weltweite Aufmerksamkeit, die Häusler damit der Stadt Konstanz einhandelte, wären mindestens einen Verdienstorden wert. Um es bei dieser Gelegenheit ein weiteres Mal zu sagen: Häusler war der Auftraggeber für die bis heute lebhaft umstrittene Dame in Stein, die inzwischen fast jeden namhaften Kunst- und Fremdenführer für den Bodenseeraum ziert (ganz abgesehen von immer noch in schöner Regelmässigkeit erscheinenden Imperia-Berichten von Stockholm über Tokio bis Los Angeles). 
Häusler: „Der Mann war schliesslich Konstanzer“
Der Journalist und Visionär Werner Häusler schmiedet selbstverständlich immer noch Pläne, auch wenn er inzwischen keineswegs mehr versessen darauf ist, sie unbedingt bald verwirklicht zu wissen. Wenn sich dereinst eine touristische Europatour mit dem Zeppelin etabliert haben wird, wird Werner Häusler wieder genannt werden müssen. Für die Zukunft des Zeppelins greift er besonders gerne in die Tasten. “Der Mann war schließlich Konstanzer”, sagt Häusler schmunzelnd und meint damit Graf Ferdinand von Zeppelin, den Erfinder der gleichnamigen Luftschiffe, der 1838 im heutigen Inselhotel geboren wurde.
Der Traumberuf des Wirtschaftsministers
„Brief des Journalisten Werner Häusler vom 21.11.1959 mit der Bitte um Beantwortung von Fragen zum Projekt einer Universität am Bodensee, mit Antwort des Stadtpräsidenten vom 27.11.1959.“ So lautet ein bald 51 Jahre alter Eintrag in der Schaffhauser Stadtchronik. Am 21. November 1959 hatte sich das Kuratorium zur Gründung der Universität Konstanz getroffen. Häusler war damals schon „mitten drin“. Es ist nur folgerichtig, dass sich zu seinen Ehren nun am 16. September 2010 ein Minister nach Konstanz begibt, um dem Journalisten den vom Bundespräsidenten verliehenen Verdienstorden zu übergeben. Das passt im Übrigen ganz hervorragend, wobei – nochmals nebenbei – verraten sei, dass der eigentliche Traumberuf von Landeswirtschaftsminister Ernst Pfister nach wie vor der des - Journalisten ist. Bild: Frieder Schindele | TMW





