Vom Missbrauch und von der Gewalt gegen Frauen
Konstanz (wak/gro). Seit 20 Jahren gibt es nun den Verein „Frauen helfen Frauen in Not“. Doch auch nach zwei Jahrzehnten Arbeit im Dienste sexuell missbrauchter und durch (meist männliche) Gewaltausbrüche traumatisierter Frauen ist es bis heute ein weitgehend verdrängtes und deshalb nach wie vor schwieriges gesellschaftliches Feld. Mit einer Ausstellung, mit Vorträgen und einer Lesung wird nun der runde Geburtstag dazu genutzt, mehr Öffentlichkeit herzustellen. Frauen sorgen in den kommenden Wochen dafür, dass sexueller Missbrauch und sexuelle Gewalterfahrung auf die Tagesordnung kommen. Ab Samstag ist im Bildungsturm beim Kulturzentrum am Münster die Ausstellung „Frauen in Veränderung – Wege aus der Gewalt“ zu sehen. Am 10.Oktober um 11 Uhr beginnt der Aktionstag „Pfoten weg“ im CineStar Konstanz.
Sexueller Missbrauch beschädigt Opfer lebenslänglich
Sexueller Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen und Internaten hat in den vergangenen Monaten die Republik aufgerüttelt. Sexuelle Gewalterfahrungen, die Verletzung der sexuellen Integrität, schädigen Betroffene oft ein Leben lang. Betroffen sind auch Frauen in Konstanz. Die Opfer leiden häufig unter dem Nicht-darüber-reden-können. Bei vielen, die sexuelle Übergriffe in der Kindheit erlebt haben, dauert es viele Jahre, bis sie mit der Aufarbeitung des Erlebten beginnen können. Man schätzt, dass bis zu 15 Prozent aller Frauen und bis zu zehn Prozent aller Männer in ihrer Kindheit sexuell missbraucht worden sind. 
„Glücklicherweise nicht mehr ganz so tabu“
In Konstanz hilft die Gruppe „Frauen nach sexuellem Missbrauch“. Die Gruppe bietet eine sichere Umgebung, Ansprechpartnerinnen und paraktische Hilfe, um trotz Handicaps den Alltag bewältigen zu können. Auf der Website heißt es: „Das Tabuthema sexueller Missbrauch ist heute glücklicherweise nicht mehr ganz so tabu.“ Auf der Website der Selbsthilfegruppe finden sich Erfahrungsberichte von betroffenen Frauen aus Konstanz.
Frauen, die weiter helfen können
Zunächst sollten Frauen eine therapeutisch begleitete Gruppe besuchen, raten die Konstanzer Frauen. Über die Webseite der Selbsthilfegruppe kommen regelmäßig Anfragen, auch von Mädchen, die noch aktuell in einer verzweifelten Situation sind und nicht wissen, an wen sie sich wenden können. Die Konstanzer Gruppe hilft dann weiter. Früher habe es Telefonnummern gegeben, doch heute seien Betroffene froh, wenn sie erst einmal per Mail Kontakt aufnehmen könnten, sagte ein
Gruppenmitglied.
Kunst, die den Weg aus der Not aufzeigen hilft
Die Ausstellung, die ab Samstag im Bildungsturm zu sehen ist, hat den Titel „Frauen in Veränderung – Wege aus der Gewalt“. Zu sehen gibt es Malerei, Bilder und Texte von Hanne Hick. Auf jedem Stockwerk des Turms wird ein spezieller Schwerpunkt beleuchtet. Der Einstieg im Erdgeschoss ist dem gewidmet, was Frauen dazu bringt, Hilfe zu suchen: Inzest, sexuelle Gewalterfahrung in der Kindheit und im Erwachsenenleben, psychische Schwierigkeiten, Depression, Ängste, Beziehungs- und Familienkrisen, Gewalterfahrung und Gewaltandrohung in der Beziehung, Trennung, Scheidung, materielle und psychische Abhängigkeit, Existenzbedrohung, Stalking. In den Mittelgeschossen geht es um das, was als hilfreich erlebt wird: Gespräche und Beratung, Psychotherapie, andere Therapien oder auch Selbstverteidigung. Das Obergeschoss zeigt, wie es auf dem Lebensweg erfolgreich weitergehen könnte. Bild: „Frauen helfen Frauen in Not“





