Es rumort in den Eingeweiden des Konstanzer Klinikums
Konstanz (gro) Statt dringend nötigem Sanierungsfortschritt neue Probleme: Das Klinikum wird weiter von inneren Unruhen heimgesucht. Da wäre zunächst der 15. November 2010 zu nennen, als einige Chefärzte den Aufstand probten. Sie wollten Professor Gert Müller-Esch, den Ärztlichen Direktor, mit Hilfe eines Misstrauensvotums absetzen. Der Putschversuch scheiterte mit 7:7 Stimmen. Er produzierte damit nur Verlierer: Die Rebellen setzten sich nicht durch, die übrigen Chefärzte brachten auch kein überzeugendes Votum zuwege. Eigentlich wollte Bürgermeister Claus Boldt, der zuständige Dezernent der Stadtverwaltung, diese Woche mit den Fraktionen des Gemeinderats über die jüngsten Entwicklungen am Klinikum sprechen. Er überlegte es sich dann doch anders. Zusätzlichen Ärger gab es, weil das ärztliche Personal des Klinikums „rasenmäherartig“ verringert werden soll.
Verwaltungsvorgabe wirkt nicht sehr intelligent
Die „Methode Rasenmäher“ ist selten überzeugend, in einer Institution wie einem Krankenhaus mit 9 Kliniken und 6 Instituten „wirkt das schon gar nicht sehr intelligent“, heisst es im Klinikum. Die Massgabe der Verwaltung, jede medizinische Einheit um 0,5 Planstellen zu verkürzen, stösst deshalb auf Widerstand und Missfallen. Andererseits fordern unabhängige Gutachter seit zwei Jahren eine Verringerung der Personalkosten am Klinikum. Da beim Pflegepersonal bereits kräftig gestrichen wurde, ist nun geradezu zwangsläufig der ärztliche Sektor an der Reihe. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Verwaltungsvorgabe „weder als sinnvoll noch als zielführend“ empfunden wird.
Wenn sich Oberärzte freuen
Wie unterschiedlich die Situationen im Mikrokosmos Klinikum sind – und hin und wieder auch wie prekär – verdeutlicht die Tatsache, dass die Konstanzer vor einiger Zeit von einem benachbarten, weiter nördlich gelegenen Klinikum hilfesuchend Assistenzärzte anfordern mussten, um den Betrieb der Frauenklinik aufrecht erhalten zu können. Deswegen („aber nicht nur deswegen“), so hört man am Konstanzer Klinikum weiter, seien einige Oberärzte der Frauenklinik „gar nicht böse, sondern eher erleichtert“, dass sich ihr Chef Stefan Rimbach, auch wenn er seinerzeit von Müller-Esch „geradezu euphorisch angepriesen“ worden sei, nach knapp 5 Jahren ärztlichen Wirkens in Konstanz nun Richtung Saarland neu orientieren will.
„Ein System von grosser Unanständigkeit“
Ein schon immer besonders engagierter Arzt am Konstanzer Klinikum verfolgt die Entwicklung des deutschen Krankenhauswesens mit „Sorge und Abscheu“: Abrechnungstechnische und am Marketing orientierte Gesichtspunkte stünden inzwischen eindeutig im Vordergrund, „und das auf einem Feld, auf dem in erster Linie Mitmenschlichkeit und ein hohes Mass an persönlichem Engagement erwartet wird“. Das führe zwangsläufig zu Fehlleistungen, vor allem in einem “System von grosser Unanständigkeit”, das „nach wie vor hierarchisch geprägt“ sei und “rigorosen Egoismus” belohne, „und das selbstverständlich auch in Konstanz“ .
„Diagnosen, die dem eigenen Styling dienen“
In der Praxis, so hört man am Klinikum weiter, führe das zu Diagnosen, die weniger einer sinnvollen Behandlung dienten als vielmehr dem „eigenen Styling“: einer gegenüber der Krankenhausverwaltung attraktiven Einnahmesituation - alles dienlich dem eigenen Fortkommen. Vollends peinlich werde „die damit verbundene Egozentrik“, wenn sich ein Krankenhausarzt dann auch noch einen Professorentitel kaufe, „womöglich in Moldawien oder vielleicht auch in Bologna“. Auch die Kunde vom einen oder anderen “Patientenklau” geht um am Klinikum.
Lob fürs Urologen-Team – Kritik am neunmalklugen Kinderarzt
Lob gibt es von allen Seiten fürs neue Urologen-Team um Privatdozent Niko Zantl. Hier habe man am Konstanzer Klinikum gegenüber der Konkurrenz an anderen Häusern der Region „kräftig zugelegt“. Weniger freundlich beurteilt wird der Chefarzt der Kinderklinik: Den niedergelassenen Kinderärzten, so erfährt man, gehe die „häufig reichlich belehrende Art“ von Peter Gessler auf die Nerven – eine vergleichsweise zurückhaltende Kritik der Kollegen Mediziner.
Gert Müller-Esch – die ehrliche Haut
Professor Müller-Esch, von der Ärzteschaft des Klinikums bereits zweimal zum Ärztlichen Direktor gewählt, gilt als „ehrliche Haut“ mit einer „gelegentlich doch sehr direkten Art“. Gegner sprechen dem eloquenten Endokrinologen „die nötige Empathie“ ab, um das Ärzteteam eines Klinikums unter einen Hut bringen zu können. Um die rein medizinische Seite seiner Berufstätigkeit, so sagen seine Kritiker weiter, sei er weniger besorgt als ums ordnungs- und machtpolitische Management des Klinikbetriebs. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern in der Funktion eines Chefarztes der Klinik für Innere Medizin begegne man ihm “eher sehr selten” in der Intensivstation.
Müller-Esch will sich „vorerst mit Äusserungen zurück halten“
Angekreidet wird dem Ärztlichen Direktor ferner, dass die strukturellen Abläufe des Klinikums nach wie vor Anlass zu massiver Kritik geben. Das betreffe Müller-Esch’s ureigenen Aufgabenbereich als Ärztlicher Direktor. Mit Rainer Ott, dem seit einem halben Jahr amtierenden, neuen Verwaltungsdirektor, verbinde ihn, wie ebenfalls zu erfahren ist, bestenfalls Hassliebe. Oberbürgermeister Horst Frank ist dem Ärztlichen Direktor ebenfalls wenig gewogen. Mit Claus Boldt allerdings soll das Einvernehmen deutlich besser sein.
Weder Boldt noch Müller-Esch waren gestern für dornroeschen.nu zu sprechen; Professor Müller-Esch sagte immerhin, man möge angesichts der angespannten Situation Verständnis dafür haben, wenn er es vorziehe, sich mit Äusserungen vorerst zurück zu halten. Bild: Frieder Schindele






Macht da eigentlich jeder, was er will? Die Quacksalber rausschmeißen! Alle Chefarztstellen mit taubstummen indischen Ärzten neu besetzen. Dann den gesamten Verwaltungszirkus auf die Straße jagen und zwei Praktikanten-BWLer aus dem vierten Semester und meine Oma einstellen, die den Laden dann mal zügig auf Vordermann bringen.
Na denn, der Oma viel Spaß!
Der Artikel über das Klinikum ist voll Schlagwörter und hat als Quelle mehr “Hörensagen” als echte Recherche.
Der Vorwurf über die falschen Abrechnungsdiagnosen ist so dumm wie nutzlos. In Zeiten der DRG’s , bei denen nur die Abrechnungsdiagnosen über das Pauschalhonorar entscheiden, werden in allen Kliniken Deutschlandweit Diagnosen “upgegradet”. Wer nicht alle Diagnosen in extenso vermerkt, geht pleite. Ich möchte den gleichen Kommentator hören, wie er dann über die Klinik herzieht, weil sie insolvent geworden ist. Das würde nämlich ratz fatz geschehen bei halbwegs ehrlicher Codierung der Diagnosen. Wer einmal erhöhte Nierenwerte hatte oder ein niedriges Kalium erhält die Diagnose, auch wenn der “Fehler” bei Entlassung korrigiert und keine Bedeutung mehr hat. Das verunsichert mitunter Patienten, das ist aber der Preis und Teil des Spiels.