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20. Dezember 2010 | Mal mit Fantasie, mal mit wenig Anstand

Wenn die Verwaltung trickst

Konstanz (gro) Das bisschen Schnee sollte für Einsturzgefahr sorgen? So zart gebaut ist die Allmannsdorfer Halle nun wirklich nicht. Immerhin, die Stadtverwaltung fand mit etwas Fantasie einen Trick, den Konstanzer Auftritt des deutschen Islam-Fundamentalisten Pierre Vogel zu verhindern, der am Samstag in Konstanz seine militanten Thesen unters Volk bringen wollte. Trickreich war dieser Tage auch das Vorgehen der Spitalverwaltung, um den ungeliebten Ärztlichen Direktor des Klinikums endlich los zu werden. Auch hier war Fantasie im Spiel, aber auch eine Portion Unanständigkeit. Die Tricksereien sind gefährlich: Sie untergraben die Glaubwürdigkeit der öffentlichen Verwaltung.

Ott: „Bedauerlich, dass es so weit gekommen ist“

Rainer Ott, der neue Verwaltungsdirektor des Klinikums, fand nach dem Rücktritt Gert Müller-Eschs warme Worte. Der scheidende Ärztliche Direktor habe sich während seiner 14-jährigen Dienstzeit grosse Verdienste erworben, und es sei bedauerlich, dass es „so weit gekommen“ sei. Dabei weiss doch jeder kommunalpolitisch halbwegs Interessierte , dass Ott eben diesen Mann endlich los werden wollte. Genau zu diesem Zweck hatte der Verwaltungsdirektor mehrere Vorlagen ausarbeiten lassen, die jedem Gemeinderat zugestellt worden waren.

Arbeitsunterlagen entpuppten sich als blosser Trick

Zum einen wurde das Arbeitsgebiet der Ärztlichen Direktion des Klinikums in zwei Bereiche aufgeteilt, was angesichts der bevorstehenden Umwälzungen auf Kreisebene nötig sei; die Last der Verantwortung müsse auf zwei Ärztliche Direktoren verteilt werden. Eine Neuwahl sei deswegen unumgänglich. Zum anderen sollte dem Klinikdirektorium das Recht eingeräumt werden, die Ärztlichen Direktoren künftig „zu berufen“ und „abzuberufen“. Die dafür ausgearbeiteten Arbeitsunterlagen enthielten damit eine Menge Zündstoff. Doch nach dem Rücktritt von Müller-Esch wurden sie umgehend Makulatur: überflüssig und damit entlarvt als blosser Trick zur möglichst geräuscharmen Entfernung des ungeliebten Ärztlichen Direktors, der seine Schuldigkeit getan hat.

Ausgerechnet der unschuldige Schneefall muss herhalten
Weniger dramatisch wirkt der Trick in Sachen städtischer Islamismus-Abwehr. Dass dafür der unschuldige Schneefall über Konstanz herhalten musste, ist eher komisch. Tatsächlich dürfte über die ultrakonservative Islam-Sekte der Safisten (der Pierre Vogel angehört) bei der Konstanzer Stadtverwaltung wenig oder nichts bekannt gewesen sein. Die Safisten sind verwandt und verschwägert mit der Strömung der Wahabiten. Ihr Einfluss sorgt unter anderem dafür, dass bis heute Frauen in Saudi Arabien nicht Autofahren dürfen. Auch Osama Bin Laden hängt den Wahabiten an. Doch auf der anderen Seite sind die bin Ladens im Wege des internationalen Öl-Geschäfts verbandelt mit der Familie von Georges und W. Bush, die unlängst immerhin zwei US-Präsidenten stellte.

Wichtig wären mehr Klarheit und Transparenz

Angesichts der jüngsten kommunalpolitischen Gemengelage am Bodensee liesse sich sagen, dass Konstanz nun endgültig in Berührung gekommen sei mit der Globalisierung, unter dem Motto “die Welt ist ein Dorf”. Tatsächlich äussern sich kommunalpolitisch interessierte Konstanzer eher besorgt. Gerade die immer enger werdende, weltweite Verflechtung, so hört man, mache auf kommunaler Ebene umso mehr Klarheit und Transparenz nötig. Mit anderen Worten: Tricksereien untergraben die Glaubwürdigkeit von kommunalen Organen, seien es nun die öffentlichen Verwaltungen oder gemeinderätliche Gremien.



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