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31. Januar 2011 | Steigenberger-Gruppe gehört Tourismus-Tykoon El Chiaty

Willkommen in Konstanz, Muhammad Husni Mubarak

Konstanz (gro) Die einen sähen Ägyptens Staatspräsident am liebsten demnächst vor Gericht im eigenen Land; andere wollen wissen, dass Muhammad Husni Mubarak längst seine Flucht geplant hat. Zumindest für einen Besinnungsurlaub wäre der Mann, der Ägypten seit 1981 autokratisch regiert und nun weichen muss, in Konstanz willkommen. Benjamin Güller, Generalmanager des Steigenberger Inselhotels in Konstanz, erinnert daran, dass Mubarak, der am 4. Mai 83 Jahre alt wird, schon einmal erholsame Tage am Bodensee verbracht hat: im August 1980, ein Jahr vor seinem Amtsantritt als Nachfolger von Friedensnobelpreisträger Anwar as-Sadat, der am 6. Oktober 1981 von militanten Radikalislamisten ermordet wurde. Das Inselhotel ist als Immobilie zwar nach wie vor im Eigentum der Staatsbrauerei Rothaus, gehört aber als Betrieb seit zweieinhalb Jahren Ägyptens Touristik-Tykoon Hamed El Chiaty.

Treffpunkt Tel Aviv

In den Cafés am Boulevard Ibn Gabirol in Tel Aviv war das möglicherweise bald anstehende Eintreffen Mubaraks Thema der vergangenen Nacht. Dort, im Norden des Stadtzentrums, nicht weit vom Ha-Medina-Square, liegt die ägyptische Botschaft, und dort wird anscheinend, wie auch der kanadisch-deutsche Online-Dienst suite101 meldet, die Aufnahme Husni Mubaraks in Israel vorbereitet. Dazu passt, dass Guido Westerwelle gestern überraschend in Tel Aviv eingetroffen ist. Heute wird dort, ebenso überraschend, Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet.

Das Militär als massgebliche Kraft

Ein grosser Bahnhof im Exil entspräche dem Stellenwert Mubaraks als Jahrzehnte lang amtierender Regent, der für ein Bollwerk gegen den radikalen Islamismus steht. Der Westen lässt sich dieses Bollwerk eine Menge kosten, alleine die USA unterstützten Ägypten zuletzt jährlich mit 1,3 Milliarden Dollar, die vor allem in die Ausrüstung der Armee fliessen. Das Militär ist auch die Kraft, auf den die (noch) herrschenden Kreise setzen. Wie in Tunesien traut man es den Generälen am ehesten zu, die Ordnung im Lande wieder herzustellen - und eventuell auch die Transformation in ein demokratisch strukturiertes Staatswesen geordnet einzuleiten.

Mubaraks Sohn bereits ausser Landes?

Dass sich die Lage in Ägypten zuspitzt, wurde in der Nacht zum Montag nicht nur durch die Fluchtpläne der Familie Mubarak deutlich, sondern auch durch offizielle, internationale Vorsichtsmassnahmen. So warnte am späten Sonntagabend auch die Schweiz generell vor Reisen nach Ägypten, wo selbst in Feriengebieten abseits der urbanen Zentren Panzer aufgefahren waren. Gamal Mubarak, ein Sohn Husni Mubaraks, der ihm als Staatspräsident nachfolgen sollte, habe sich, wie man in Kairo hörte, zu diesem Zeitpunkt bereits ins Ausland abgesetzt.

Globale Wirtschaft: Leidet Ägypten, spannt es auch anderswo

El Chiaty, dem der Steigenberger-Konzern mit seinen 81 Häusern und rund 6500 Mitarbeitern seit Mitte 2008 gehört, befehligt Ägyptens wahrscheinlich wichtigstes Touristikunternehmen, die Travco Group International Holding, zu der neben zahlreichen Hotels die grösste Nil-Kreuzfahrtflotte mit 22 Schiffen zählt. Benjamin Güller hält „El Chiaty und allen Ägyptern die Daumen“, dass im bevölkerungsreichsten Araberstaat bald wieder Ruhe und Ordnung einkehren. Das dürfte betriebswirtschaftlich durchaus ein bisschen “pro domo” gedacht sein. Kenner der internationalen Touristikbranche gehen jedenfalls davon aus, dass El Chiaty einen gewichtigen Teil seiner Investitionsmittel in seinem Heimatland Ägypten erwirtschaftet. Mit anderen Worten: Wenn es mit dem Tourismus in Ägypten nicht gut läuft, kann sich das in unserer vernetzten Welt mittelfristig auch auf die Steigenberger-Gruppe auswirken. Bild: Frieder Schindele




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2 Kommentare

  1. 1. Kultur

    Na prima, Geld und Ansehen stinkt nicht. Auch nicht bei einem autokratische regierenden Staatsführer, der schon Jahrzehnte die Volksmeinung ausser Kraft gesetzt hat. Ruhe und Ordnung, auch für Benjamin Güller in Konstanz.

  2. 2. Kultur

    Die Antwort steht heute im Südkurier:

    http://www.suedkurier.de/news/kommentare/kommentare/Falsch-gebadet;art411651,4703409

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