Himmlisch hoch über den Dächern von Konstanz
Konstanz (gro) „Ich kann mich gar nicht sattsehen an diesem Ausblick“, sagt Ute Frank, „der Blick auf die mittelalterliche Dachlandschaft, und diese Lichter ringsum, von der Konstanzer Seestrasse, aufs Schweizer Ufer und bis auf den Höhenrücken hinter Kreuzlingen …“ Die gebürtige Lübeckerin und Frau des Oberbürgermeisters ist an diesem Abend, dem ersten milden Abend des Jahres 2011, „ganz einfach hingerissen“ vom Ausblick, den die oberste Terrasse des Nissenbaum’schen Hochhauses in der Sigismundstrasse bietet. Seit dem vergangenen Wochenende ist in den drei obersten Stockwerken des Hochhauses „viva Sky“, das neue Hotel von Bärbel und Jürgen Wiedemann, die zuvor das „Barbarossa“ am Obermarkt bietrieben hatten, offiziell eröffnet. Enorme Investitionen gingen voraus.
Nach den kühnen Plänen des ehemaligen Hausherrn
Ganz ähnlich wie Ute Frank geht es an diesem Februarabend etlichen Gästen des Eröffnungsfestes hoch über den Dächern von Konstanz. Auch wenn sich viele davon – wie Oberbürgermeister Horst Frank - im Inneren des gläsernen Penthouses um die himmlisch hoch angeordnete Rezeption der neuesten Konstanzer Herberge scharen, das den kühnen Plänen des 2011 verstorbenen Hausherrn Sigmund Nissenbaum zu verdanken ist. Zum Mittelpunkt des Festes wird immer wieder Sonia Nissenbaum, die angestammte Hausherrin, die aus der Vergangenheit des Hauses zu erzählen weiss, das auf dem Grundstück der früheren Konstanzer Synagoge entstanden ist.
Wo der Gründungsvertrag für die Uni unterzeichnet wurde
Schon einmal beherbergte das Hochhaus ein Hotel: Das „Panorama“, das bis in die siebziger Jahre hinein bestand, bevor dort in die sieben obersten Stockwerke das Finanzamt einzog (das seit Januar 2010 im Nycomed-Neubau am Verkehrslandeplatz an der Byk-Gunden-Strasse eine neue Bleibe hat). Das nun ganz neue Hotel bleibt ein historisch bedeutsamer Platz: Im „Panorama“, dem heutigen „viva sky“, wurde Mitte der sechziger Jahre vom damaligen Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten (und späteren Bundeskanzler) Kurt Georg Kiesinger und dem damaligen Konstanzer Oberbürgermeister Bruno Helmle der Gründungsvertrag für die 1966 ins Leben gerufene Universität Konstanz unterzeichnet, und zwar unter der ebenso aufmerksamen wie wohlwollenen Beobachtung durch Hausherr Sigmund Nissenbaum.
Die famlieneigene Synagoge i n der Sigismundstrasse 19
Bereits Jahre zuvor hatte Sigmund Nissenbaum der Stadt Konstanz zu mehr Bedeutung verholfen, und zwar durch die Neugründung der jüdischen Gemeinde Konstanz-Freiburg, aus der sich dann eine eigene Israelitische Kultusgemeinde Konstanz entwickelte. Mit seiner Familien-Stiftung zur Rettung jüdischer Friedhöfe und Kultstätten machte Sigmund Nissenbaum die Stadt Konstanz weltweit bekannt. Im Erdgeschoss des Hauses Sigismundstrasse 19 wurde die einzige, familieneigene Synagoge Deutschlands eingerichtet. Sie steht allen Menschen offen für eine Begegnung mit dem Allmächtigen. 
Für die Kinder heillos überforderter Mütter
Abgesehen davon, dass man es vom „viva sky“ nicht weit hat zu einem Ort fürs Gebet: In dem neuen Hotel hoch über den Dächern von Konstanz, auch das wurde bei der Eröffnung vorexerziert, wird man, abgesehen vom Bad in wirbelig beheizten Wannenpools, sozusagen automatisch vernetzt mit global wirksamen Ideen: Die 28 himmelhoch gelegenen Suiten und Zimmer geben jede Nacht etwas weiter an garantiert gemeinnützige Unternehmungen, die mit den Themen verknüpft sind, nach denen die Suiten und Zimmer benannt und ausgestaltet sind. Mit anderen Worten: Wer im Bereich Afrika nächtigt, unterstützt ein Projekt in Simbabwe, wer sich’s in Kambodscha gemütlich macht, hilft Nicolas Kraus beim (bereits erfolgreichen) Auf- und Ausbau einer Schule im Land der einstigen Killing Fields, und der einheimische Arzt Winfried Kratzer wird unterstützt mit seinem ehrgeizigen Projekt, das in der Bodenseeregion Kinder heillos überforderter, häufig kranker, auch drogenkranker Mütter unterstützt.
„Wir sind seit Jahrzehnten mit einander verbunden“
Zu den festlichen Ansprachen bei der Einweihung des neuen Hotels gehörten eine Menge Komplimente. Bärbel und Jürgen Wiedemann, die neu angetretenen Hoteliers, bedankten sich bei der Hausherrschaft für das verständnisvolle Einvernehmen, das im Zusammenhang mit den umfangreichen Sanierungsarbeiten einige Strapazen auszuhalten gehabt habe. Benjamin Nissenbaum, dem im Hinblick auf die millionenschwere Ausbau- und Sanierungsarbeiten das Management zugefallen ist, verwies auf verbindende Tatsachen: Jürgen Wiedemann sei wie er gebürtiger Konstanzer. Beide aber, er, Benjamin Nissenbaum, wie jener Jürgen Wiedemann, hätten sich Ehefrauen von auswärts erobert: er selber seine zauberhafte Monique aus Brüssel, Jürgen seine famose Bärbel aus dem Norden Deutschlands. Mit beiden lasse sich die Zukunft, wie sich zeige, hervorragend bewältigen.
Betina und Markus Schmid und ihre himmlische Musik
Die absolut passende Musik zum hoch gelegenen Anlass lieferten Betina Ignacio und Markus Schmid. Es war der Bossa Nova, der die zauberhafte Aussicht verführerisch umspielte und die Festgäste so geschickt in Schach hielt, dass sie weder nach Hause mochten, noch draussen, unterm freien Himmel , begannen, verrückt zu spielen. Kurzum, es war ein Abend, wie er nur selten vorkommt, Sigmund Nissenbaum hat von oben herab mit Sicherheit seine Freude daran gehabt.





