Weitere Explosion in Atomkraftwerk
Konstanz (gro) Die von einem verheerenden Erdbeben ausgelöste Katastrophe im Nordosten Japans lässt nicht nur die drittgrösste Wirtschftsmacht der Welt erzittern. Am frühen Montagmorgen berichteten die Agenturen von einer zweiten Explosion im Kernkraftwerk von Fukushima. Fast gleichzeitig wurde nach einem heftigen Nachbeben vor einer weiteren Springflut, einem Tsunami, gewarnt. In mindestens zwei Atomreaktoren müsse mit einer Kernschmelze gerechnet werden, meldeten Nachrichtenagenturen am Montag gegen 4 Uhr (MEZ). Ein Reaktorblock in Fukushima war bereits am Samstag um 15.30 Uhr (Ortszeit) in die Luft geflogen. Die Industrieriesen Toyota, Nissan, Honda und Sony haben ihre Produktion gestoppt. Auch Anlagen des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé sind betroffen. Ökonomen fürchten, dass weltweit die Konjunktur in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.
Japan richtet 1800 Evakuierungszentren ein
Laut BBC werden die Schäden in Japan von Experten auf knapp 36 Milliarden Dollar geschätzt. Nicht eingerechnet sind allerdings die von den Überschwemmungen angerichteten Schäden. Rechnet man sie hinzu und berücksichtigt man auch die noch zu befürchteten Verheerungen, könnte sich am Ende die Schadenssumme auf gut 100 Milliarden Dollar erhöhen. Enorme Kosten verschlingen auch die grossflächigen Evakuierungen rund um die defekten Atomkraftwerke. Insgesamt sind inzwischen nach Berichten aus Japan 1800 (!) Evakuierungszentren eingerichtet worden. Man rechnet mit mindestens 500.000 Menschen, die wegen der Überflutungen und wegen der drohenden radioaktiven Verstrahlung aus Atommeilern notdürftig untergebracht werden müssen. 
Wenig alternative Energiegewinnung
In Japan decken etwa 50 Atomreaktoren 30 Prozent des Strombedarfs. Die Energiegewinnung aus Wind- und Sonnenkraftanlagen spielt im technikgläubigen Japan bislang keine nennenswerte Rolle. Bis zum frühen Morgen sind nach Agenturmeldungen etwa 1600 Leichen identifiziert worden. Man rechnet jedoch mit Zehntausenden von Toten. Allein am Uferabschnitt eines Bezirks im Nordosten, so hiess es am Montagmorgen, seien am Sonntag die sterblichen Überreste von etwa 2000 Menschen gefunden worden.
Nur 1 Prozent der deutschen Exporte nach Japan
Der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, gibt sich nach einem aktuellen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ optimistisch. Eine globale Rezession sei durch die Katastrophe in Japan nicht zu befürchten. Auch um die deutsche Konjunktur braucht man sich laut Franz keine Sorgen zu machen. Schliesslich gehe nur „etwas über ein Prozent“ der deutschen Exporte nach Japan. Einige deutsche Unternehmen könne es aber „temporär hart treffen“, sofern sie sehr stark in Japan engagiert seien. Zur Stützung der Wirtschaft hat die japanische Notenbank in einer ersten Sofortmassnahme umgerechnet rund 500 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.





