Dornröschen » Blog Archive » Kommissar Oettinger zieht den grossen Kreis der Energie
Leserkommentare
 
Sponsoren
16. Mai 2011 | Zur 8. Folge des Europa-Kolloquiums der Universität

Kommissar Oettinger zieht den grossen Kreis der Energie

Konstanz (gro) Am Ende hat Günther Oettinger den grossen Kreis um das Thema Energie gezogen. Der seit einem Jahr als Energie-Kommissar in Brüssel tätige CDU-Politiker und frühere Ministerpräsident Baden-Württembergs sorgte im Wolkensteinsaal des Kulturzentrums am Münster am frühen Sonntagabend für einen temperamentvollen Schlusspunkt des 8. Europa-Kolloquiums der Bodenseeuniversität. Oettinger machte klar, dass europäische Energiepolitik vor allem eines ist: komplex, ja sogar - um es auf gut schwäbisch zu sagen - saumässig komplex. Im Übrigen formierte sich am Rande der abschliessenden Podiumsdiskussion zum Thema „green economy“ manch ganz grosse Koalition, zum Beispiel von Schwarz (Günther Oettinger) über Rot (Peter Friedrich) bis Grün (Oberbürgermeister Horst Frank).

Routiniert, parteiisch und fast immer fair

Bei der Podiumsdiskussion im Wolkensteinsaal zeigte sich: Zumindest im Prinzip ist derzeit, nach der Katastrophe in Japan, erwartungsgemäss niemand gegen den möglichst raschen Ausstieg aus der Atomenergie und alle sind – auch angesichts des bereits angelaufenen Klimawandels - für den forcierten Ausbau der so genannten Grünen Energie (vor allem aus Wasserkraft, Wind und Biogasanlagen). Mit dem „Report“-Altmeister und Umweltautor Franz Alt („Wir verbrennen die Zukunft unserer Kinder“) wurde ein parteiischer und routiniert agierender Moderator aufgeboten. Meistens, aber eben nicht immer, benahm sich Franz Alt gegenüber den Diskutanten auf dem Podium auch ausgesprochen fair.

Ökonomisch im wissenschaftlichen Sinn

Wehren musste sich Professor Gerd Ganteför, nachdem Franz Alt dem Physiker der Uni Konstanz unterstellt hatte, er, Ganteför, halte die Reduzierung klimaschädlicher Emissionen hierzulande deswegen für unnötig, weil anderswo, etwa in China, das Vielfache an schädlichen Kohlendioxidemissionen zu verzeichnen sei. Ganteför stellte klar: Ökonomisch im wissenschaftlichen Sinn sei es, sich vor allem dort um die Reduzierung von schädlichen Emissionen zu kümmern, wo dies am stärksten zu Buche schlage.

Zu Peter Friedrich gesellte sich überraschend Andreas Jung

Im Übrigen war man sich auf dem Podium, wie bereits angemerkt, weitgehend einig. Wobei die „Stimme der Politik“, entgegen der Ankündigung der Veranstalter, nicht nur vom frisch gekürten Stuttgarter Europaminister Peter Friedrich (SPD), sondern überraschend auch vom CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Jung (CDU) beigesteuert werden durfte. Während Friedrich mit sachkundigen Einzelheiten zur komplexen europäischen Energiepolitik aufwartete, gab Jung, der sich im Namen des Konstanzer CDU-Kreisverbands für ein „neues Energiekonzept“ einsetzt, das eine oder andere Bekenntnis zum Besten, wobei der junge Abgeordnete versicherte, er sei im Hinblick auf den von Angela Merkel ausgerufenen Ausstieg aus der Atomenergie „nachhaltig davon überzeugt, dass dies richtig“ sei.

Fossil bleibt flossil

Bei so viel Nachhaltigkeit hatte der Journalist und Buchautor Bernwart Janzing, der sich seit vielen Jahren mit Stromrebellen und anderen sympathischen Erscheinungen moderner Energieentwicklung auseinandersetzt, ebenso freie Bahn wie die Schweizer Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlerin Irmi Seidl. Sie fordert die Abkehr von der Wachstumsideologie, mindestens in Teilbereichen. Und der Singener Unternehmer Bene Müller, Vorstandsmitglied der Solarkomplex AG, fand ein eingängiges Wortspiel, indem er die immer noch so sehr an den fossilen Energielieferanten hängende Gesellschaft kurzerhand als eine eben auch „fossile Gesellschaft“ bezeichnete.

Oettingers Freude über den Sieg von Nikki aus Aserbeidschan

Kommissar Oettinger referierte unmittelbar im Anschluss an die Podiumsdiskussion. Er würde einen integrierten europäischen Verbund in Sachen Energie ausdehnen bis in den Nahen Osten, die Türkei eingeschlossen. Der Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie durch den Ausbau erneuerbarer Energie und der Stromnetze sei in absehbarer Zeit zu schaffen. Mit ganz Europa sei dies bei weitem nicht so schnell zu erreichen. Man habe es schliesslich zu tun mit ganz unterschiedlich strukturierten Ländern. So reiche zum Beispiel der Anteil der Atomkraft von 0 (Österreich) bis zu 76 Prozent (Frankreich). Ein Energie-Mix aus fossilen und erneuerbaren Quellen sei bis auf Weiteres unvermeidlich, sagte Oettinger. Deshalb freue er sich, dass Nikki aus Aserbeidschan, Ausgangspunkt einer neuen Pipeline aus Mittelasien, am Samstag den Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen habe. Das helfe letzten Endes womöglich mehr mit als manche diplomatische Bemühung, die bis auf Weiteres unabdingbare Versorgung Deutschlands mit Öl und Gas zu sichern. Bild: Erich Gropper




 Kommentieren    Trackback    Drucken

Noch keine Kommentare

Neuen Kommentar schreiben ...