Lodi und Konstanz: Friedensbande seit Jahrhunderten
Konstanz (gro) Es blieb Don Giuseppe Cremascoli vorbehalten, auf den tieferen Sinn der Partnerschaft von Lodi und Konstanz hinzuweisen. Eine freundschaftliche Verbundenheit wie die zwischen der deutschen Stadt am Bodensee und der lombardischen Bischofsstadt im Osten Mailands sei von Anfang an von der Sehnsucht nach Frieden beseelt gewesen, sagte der Geistliche im Münster. Don Cremascoli, der Domherr von Lodi, der an Pfingsten den Festgottesdienst im Münster zusammen mit Matthias Trennert-Hellwig, dem Dekan und Münsterpfarrer von Konstanz, zelebrierte, machte die gemeinsame Eucharistiefeier in der ehemaligen Konstanzer Bischofskirche zu einem Höhepunkt des Partnerschaftstreffens. Es war der erste Teil eines Festes, mit dem daran erinnert wird, dass Konstanz und Lodi eine weit über 800 Jahre alte Verbundenheit vor 25 Jahren neu belebt hatten. Der zweite Teil des Festes ist im September in Lodi.
Die Beziehung geht zurück bis ins Jahr 1152
Erste nachhaltige Kontakte zwischen Lodi und Konstanz sind für das Jahr 1152 dokumentiert. Damals kamen als Pilger verkleidete Lokalpolitiker aus Lodi nach Konstanz, um von Kaiser Barbarossa, der in Konstanz Hof hielt, Hilfe zu erbitten gegen das übermächtige Mailand, das den Lodigiani das Leben schwer machte. Die Mission hatte Erfolg, Mailand wurde in die Schranken gewiesen und Lodi mit der Unterstützung Barbarossas an einer strategisch günstigeren (und hochwassersicheren) Stelle neu gegründet. 1183 kam es zum „Konstanzer Frieden“, bei dem auf dem heutigen Obermarkt in einem Staatsvertrag das Verhältnis zwischen dem lombardischen Städtebund und dem Kaiser neu geregelt wurde.
1986 wurde die alte Verbindung neu belebt
Oberbürgermeister Horst Frank weist in seinem Grusswort in der Festbroschüre auf die historischen Zusammenhänge hin. Sie wurden von den Konstanzer Löwen, den Lions, unter der Ägide von Hans Wagner – im Einvernehmen mit dem Lionsclub Lodi - vor 30 Jahren zum Anlass genommen, die Jahrhunderte alte Verbindung in eine regelrechte, moderne Städtepartnerschaft zu giessen. Dies geschah vor genau 25 Jahren, 1986, während der Amtszeit von Oberbürgermeister Horst Eickmeyer (selber Lions-Mitglied)) und Andrea Cancellaro (damals Bürgermeister in Lodi). Seither ist die Verbindung gewachsen und ausgebaut worden. Zum einen durch die ganz natürliche Neugier der Lodigiani und der Konstanzer aufeinander, zum anderen haben sich für diese Partnerschaft etliche Vereine engagiert. Vor allem der Fussball verbindet, und auch die Rot-Kreuz-Jugend der beiden Städte kennt sich inzwischen recht gut.
Lorenzo Guerini war einst der jüngste Landrat Italiens
Hinzu kommen unter anderem ein mehr oder weniger regelmässiger Schüleraustausch sowie viele kulturelle Kontakte. Freundschaft und Verbundenheit auf der Basis kulturellen Austausches, so schreibt Lodis Bürgermeister Lorenzo Guerini, 44, in einem Grusswort zu den Festivitäten, seien die wesentli chen Instrumente einer erfolgreichen Städtepartnerschaft. Der Mitte-Links-Politiker, der 1995 mit 28 Jahren (als Präsident der Provinz Lodi) zum jüngsten Landrat Italiens gewählt wurde, dürfte angesichts der jüngsten Entwicklung in Italien eine steile Politkarriere vor sich haben. Von der Abfuhr für Ministerpräsident Silvio Berlusconi bei den Referenden am vergangenen Wochenende (siehe Südkurier und andere Zeitungen) erfuhr Guerini auf der Heimfahrt von Konstanz nach Lodi. Gefreut über die Entwicklung hat sich auch Horst Frank. Das Konstanzer Stadtoberhaupt ist schliesslich Ehrenbürger der Stadt Lodi.
Wann gibt es den Preis für die Heimatzeitung von Lodi?
Zu finden war Lorenzo Guerinis Grusswort auf einer Panorama-Doppel-Seite des „Cittadino“, der Tageszeitung für Lodi und Umgebung. Auf dieser Panoramaseite ist die Entwicklung der Städtepartnerschaft zwischen Lodi und Konstanz in überzeugender, ja imponiernder Art und Weise dargestellt: ein journalistisches Schmuckstück in Inhalt und Layout, für das eigentlich ein Preis fällig sein müsste, wenn man bedenkt, dass die Konstanzer Heimatzeitung für ihre redaktionellen Leistungen unlängst heftig geadelt wurde.
Erneut eine logistische Meisterleitung
Auf der Panoramaseite des „Cittadino“ findet sich ein weiteres Grusswort, und zwar das von Giuliana Cominetti, der Partnerschaftsbeauftragten der Stadt Lodi. Die studierte Pädagogin und Religionslehrerin ist Vizebürgermeisterin – und dem Bürgermeister der 44.000-Einwohner-Stadt als Dezernentin in Sachen Städtepartnerschaften direkt zugeordnet. Dies zeigt den Stellenwert, den man in Lodi solchen Aussenbeziehungen beimisst. In Konstanz ist damit Claus-Dieter Hirt beauftragt, der mit der Festorganisation erneut eine logistische Meisterleistung hinlegte, sich aber nach wie vor im Hintergrund hält. Bürgermeister Kurt Werner bereicherte bereits die deutsch-italienische Frühstücksszene am Pfingstsonntagmorgen. Oberbürgermeister Horst Frank feierte den Gottesdienst im Münster ganz vorne mit und stand auch ausserhalb der offiziellen Festakte immer wieder im Mittelpunkt, auch während der Rundfahrt mit der Fähre namens Lodi.
Pietro Cremonesi - die Seele der Städtepartnerschaft
Immer und überall dabei waren Peo (Pietro) Cremonesi und seine Frau Alba. Im “Cittadino” wird Cremonesi als „anima del gemellaggio“ bezeichnet, als die Seele dieser Städtepartnerschaft, eine absolut angemessene Charakterisierung. Als es vor fast drei Jahrzehnten der offiziellen Partnerschaft entgegen ging, besorgte sich Peo einen Sprachkurs, lernte eifrig und ist längst in der Lage, deutsch zu parlieren und als Dolmetscher zu vermitteln. Als er mit dem Sprachkurs begann, war er Lombarde zarte 50 Jahre alt, im kommenden Dezember wird Peo muntere 80. Vor fünf Jahren wurde ihm der Ehrenring der Stadt Konstanz verliehen. Peo Cremonesi trägt die Würde mit Stolz und Fassung, die Städtepartnerschaft hält ihn jung. Inzwischen haben Alba und Peo jede Menge Freunde in Konstanz, so viele, dass sie kommendes Wochenende, wenn auch ganz inoffiziell, schon wieder bei Freunden in Konstanz sein werden. Bild: Erich Gropper





